Kochbuch von Heidi Köster & Claus Hiltner: Pacific Food

Kochbuch von Heidi Köster & Claus Hiltner: Pacific Food ★★★★★

Pacific Food – Das Reisekochbuch rund um den Pazifik.
Von Hongkong bis Ecuador, von Yap bis L.A.
Heidi Köster & Claus Hiltner
Fotos: Silvio Knezevic
Gräfe und Unzer Verlag (2017)
Mehr über den Verlag

Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Eigentlich glaubte ich, es würde über jede Länderküche bereits ein eigenes Kochbuch geben. Da könne nicht mehr viel Neues kommen. Aber dann landete „Pacific Food“ von Heidi Köster und Claus Hiltner auf meinem Schreibtisch. Und ich stellte zu meiner Freude fest, eine weitere Weltregion zeigt sich.

Die beiden Autoren bereisen seit vielen Jahren Länder rund um den Pazifik. Dieser sogenannte Feuergürtel umschließt vier Kontinente. Auf diese Weise summieren sich die Länderküchen, die in dem Buch aufeinandertreffen. Vielfalt pur. Gerade deshalb habe ich mich auch sofort in dieses Buch verliebt.

Auf jeder Seite ein anderes Wow-Rezept, farbenfrohe Gerichte mit tollen Aromen und Gewürzen, die mir förmlich beim Durchblättern entgegenströmen: Beerenkuchen mit Schokoladestückchen oder in Bier geschmortes Rind mit grünem Pfeffer, kalte Gemüsesuppe mit Jakobsmuscheln oder Maracuja-Huhn. Die gute Nachricht ist: Die Fülle und Vielfalt an Aromen bringt eine Brise Exotik in den Alltag –nicht nur beim Lesen, sondern auch beim Kochen.

Eine Art Reisetagebuch

Aber Pacific Food ist nicht nur eine Rezeptsammlung, sondern auch eine Art Reisetagebuch. Dazu stimmungsvolle Fotos, fast wie ein privates Urlaubs-Fotobuch. Ergänzt durch die Zeichnungen Claus Hiltners, der Hütten unter Palmen, boxende Kängurus oder King Crabs mit dem Zeichenstift festgehalten hat (Foto links: Claus Hiltner bei der Arbeit).

Zwischen den Kapiteln mit den Rezepten der einzelnen Länder geben uns die Autoren Einblicke in die jeweilige Landeskultur, erklären einige wichtige typische Zutaten, Geschichtliches oder landesspezifische Bräuche und Begebenheiten. Beispielsweise über die Peranakan in Singapur, deren einzigartige Mischkultur aus Ehen zwischen chinesischen Kaufleuten und malaiischen Frauen hervorging. Und auch eine ganz eigene Küche prägte: die Würzpasten mit Shrimps, Zitronengras und Galgant aus Malaysia, dazu das Schwein, Symbol für Glück und Wohlstand in China, das aber bei den größtenteils muslimischen Malaien tabu ist.

Bunt und abwechslungsreich durch 14 Länderküchen

Das Kochbuch ist folglich nicht klassisch nach Suppe, Vorspeise, Hauptspeise etc. aufgebaut, sondern nach den jeweiligen Ländern. Insgesamt werden 14 Länderküchen vorgestellt. Bekanntere von ihnen sind Kalifornien, Australien und Hongkong, aber auch Rezepte von den entlegen Inseln wie Tonga, den chilenischen Osterinseln oder Yap finden sich in der Sammlung.

Dabei haben Heidi Köster (Foto links) und Claus Hiltner genauso in die Töpfe der Einheimischen geguckt wie sich Inspirationen in Szenerestaurants in Hongkong oder Sydney geholt. Diese Bandbreite ist eine Stärke des Buches. Denn ob ich eine schnelle Anregung für ein Gericht am Montagabend suchte oder etwas Ausgefallenes für ein Essen mit Gästen am Wochenende: eine spannende Kombination fand ich immer – und alles klappte wunderbar. Autoren und Verlag haben hier sorgfältig aus der genossenen Inspiration die Rezepte formuliert.

Die Rezepte sind dabei übersichtlich in Arbeitsschritten gegliedert. Auch werden die Zutaten erst vorbereitet und sind nicht schon „gewürfelt“ in der Zutatenliste zu finden, was ich sehr schätze. Die meisten davon sind übrigens in allen gut sortierten Supermärkten zu finden. Nur wenige – immer noch exotische – Zutaten wie Yuca oder Bananenblätter müssten wohl eher im Asialaden zu besorgen sein. Schön, dass auch der Arbeitsaufwand geteilt in Zubereitungs-, Gar- und Ruhezeit angegeben ist.

Zum Weiterlesen

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Ein Kaleidoskop

Was macht nun den besonderen Reiz der pazifischen Küche aus? Selbstredend die ganze Bandbreite an Fisch: von rohem Ceviche über Fischcurry bis zu gegrillter Makrele. Und natürlich die fantastischen Gewürze, die jedes Gericht so köstlich und einzigartig machen. Aber das Spannendste fand ich, dass es nicht das eine bestimmende Element gibt, sondern dass die Pacific Cuisine sowohl an Zubereitungsarten als auch an Zutaten ein wunderbar buntes Kaleidoskop ist.

Ob die Gerichte immer authentisch sind, kann ich nicht beurteilen, da ich die wenigsten der bereisten Länder selber kenne. Uns – samt Kinder – und unsere Gäste überzeugten sie gleichermaßen. Und ich habe noch viel vor … Mindestens eine der fünf Ceviche-Variationen wird in Kürze probiert. Oder doch erst das kaffeemarinierte Rindfleisch mit Kräutersalat?

„Pacific Food“ von Heidi Köster und Claus Hiltner eröffnet eine neue Perspektive auf eine Weltregion. Das Buch ist eine Melange aus Reisetagebuch und Kochbuch, Entdecken und neues Schmecken wechseln sich hier ab. Seine praktischen Stärken sind die Rezepte mit einer Fülle an intensiven Aromen dank Kräutern und Gewürzen sowie die Bandbreite an Rezepten von Homecooking bis Restaurant-Niveau. Dabei geht es hier nicht ums Zuschauen, sondern die Rezepte klappen so gut, dass die Saat der Exotik in der eigenen Küche aufgeht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2018

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