Kochbuch von Harumi Kurihara: Japanisch kochen

Kochbuch von Harumi Kurihara: Japanisch kochen ★★★★☆

Japanisch kochen ganz easy von Harumi Kurihara
Fotos  Jason Lowe, Dorling Kindersley Verlag (2010)
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Katharina Höhnk

Von

In meiner Nachbarschaft gibt es ein vorzügliches japanisches Restaurant. Natürlich nimmt Sushi besonders viel Platz auf dessen Speisekarte ein. Jedoch habe ich vor einiger Zeit für mich die „anderen“ Speisen entdeckt, jenseits des rohen Fisches. Von Besuch zu Besuch durchforste ich die frappierend schlichten Gerichte, die mit zarten bis intensiven Aromen daherkommen, aber in jedem Fall von bestechender Klarheit sind. (Besonders angetan haben es mir der zart blanchierte Spinat in Sesamsauce und die Ponzusauce. Oh je, so gut!) 

Die Zeit war reif für ein Kochbuch von Harumi Kurihara. Die Asiatin steht für japanische Homecooking-Rezepte. Ihr mittlerweile drittes Kochbuch auf Deutsch lag einige Wochen griffbereit in meiner Küche und – um es vorweg zu nehmen – das war kulinarisch eine vergnügliche Zeit.

Die Autorin selbst durfte ich einmal persönlich in Augenschein nehmen. Auf der diesjährigen Kochbuchmesse in Paris stellte sich Harumi Kurihara dem interessierten Publikum persönlich vor, begleitet von einem Film über ihre erstaunliche Karriere als Kochbuchautorin. Erstaunlich deshalb, weil die Japanerin so bescheiden und zurückhaltend auftritt und mit ausgesuchter Höflichkeit agiert, dass das Kochen selbst im Mittelpunkt verbleibt und nur von einem zartem Flirt unterhaltender persönlicher „Einlagen“ begleitet wird. Das ist selten und kann zu Fehleinschätzungen führen. So schreiben dann auch manche von der Hausfrau mit Charisma. Aber der schnelle Schein trügt. Harumi Kuriharas Bücher sind internationale Bestseller und sie ist Präsidentin eines Haushaltswaren-Unternehmens. Eine leidenschaftliche Köchin mit Geschäftssinn wäre treffender getitelt.

HarumiIhr Kochbuch Japanisch kochen – ganz easy basiert auf dem Konzept, dass jeder die asiatischen Rezepte nachkochen kann, vorausgesetzt er beginnt die kulinarische Entdeckungsreise mit der Anschaffung einer übersichtlichen Anzahl von japanischen Zutaten: u. A. Mirin, Sojasauce, Sesamsamen, Miso, Sake, Reisessig, Wasabi, Ingwer und Knoblauch. Einige davon stellen den Interessierten tatsächlich vor eine Herausforderung, z. B. Dashi-Brühe führen selbst in Berlin nur wenige Asia-Märkte. Das Konzept geht dann aber tatsächlich auf und der Effekt verblüffte mich: Ihre im Übrigen schlichten Rezepte ließen sich recht spontan realisieren. Denn alle weiteren Zutaten sind auf uns Mitteleuropäer angepasst. Nur der persönliche Geschmack schränkte mich bei der Auswahl der Gerichte ein. So hat sich „meine“ Rezeptanzahl reduziert aufgrund der Zutaten wie Muscheln, Garnelen und Thunfisch. Die Zubereitungsmethode Frittieren ist eigentlich ein K.O.-Kriterium in meiner Küche und ist hier in acht Rezepten vertreten. Zum Glück war meine Neugierde größer. Denn ich habe zwei sagenhaft köstliche Gerichte von Harumi aufgetan, von denen ich behaupte, dass sie mich noch dann auf die Beine bringen werden, wenn ich die Tage im Sessel verweilend mit Blick auf den Rosengarten verbringe.

Die Kehrseite der übersichtlichen Anzahl der Grundzutaten ist, dass das aromatische Spielfeld übersichtlich bleibt. Denn wenn auch variiert, so ähneln sich die Gerichte im Geschmack. (Sojasauce!) Praktisch hatte das für mich allerdings wenig Bedeutung, da ich nicht täglich, sondern wöchentlich 1-2 neue Rezepte probierte. Dafür waren meine kulinarischen Entdeckungen nachhaltig. Das Marinieren von Hühnerfleisch in Sojasauce werde ich mitnehmen, die Nanbanzuke-Sauce macht süchtig und Harumis köstliche Ideen für erfrischende i-Tüpfelchen zum Garnieren sind sehr inspirierend. Was die Autorin aber nicht ändern konnte: Ich werde mich im Hinblick auf die japanische Küche weiterhin wie eine Grundschülerin fühlen.

Die Fotos und das Layout sind sehr ansprechend, schlicht, mit natürlichem Licht und einer Autorin, die vornehm selten in Erscheinung tritt. Einzig die Schriftgröße der Zutaten hätte größer ausfallen können. Überzeugt hat mich in der Anwendung nicht die Kapitelstruktur, die die Rezepte nach Hauptzutaten gliedert (Reis, Nudeln, Tofu etc.). Denn ich habe viel geblättert auf der Suche nach Snacks, Hauptmahlzeit etc., je nach Anlass. Zwar kennt der Leser auf diese Weise das Buch sehr gut, aber in der Eile ist man dafür nicht dankbar. Übrigens hat sich leider der Fehlerteufel eingeschlichen und so verschwand u. A. ein Rezept auf Nimmerwiedersehen und ein anderes wird zweimal präsentiert (S. 120-123). Darüber hinaus hat er im Impressum bei der Angabe einer Jahreszahl zugeschlagen. Das ist ärgerlich für den Kunden – und für den Verlag. Aber diese Details blieben für mich rudimentär im Hinblick auf meine kulinarischen Erlebnisse.

Mein Fazit: Harumi Kuriharas Versprechen einer einfachen japanischen Küche ist echt. Ist die anspruchsvolle Hürde genommen, nämlich der Bezug einer begrenzten Anzahl von Grundzutaten, findet man hier Wochentags-Gerichte, die fast den Titel „Spontanitäten“ verdienen. Mich hat jedes der ausprobierten Gerichte zufrieden gemacht und 2-3 sogar glücklich. Kehrseite der übersichtlichen Anzahl von Zutaten ist, dass die Aromenerlebnisse thematisch beieinander bleiben. Praktisch war das aber für mich nicht relevant, da ich nicht täglich aus dem Buch kochte.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2010

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