Kochbuch von Harry Eastwood: A Salad for all Seasons

Kochbuch von Harry Eastwood: A Salad for all Seasons ★★★★★

A Salad for all Seasons
Harry Eastwood
Fotos Laura Edwards
Bantam Press (2013)

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Kochbuch-Darling Harry Eastwood legt nach und widmet sich mit ihrem dritten Werk (Buch 1; Buch 2) wieder einem Thema, das Potential als gesundes Essen hat, dem Salat. Auch dieses Mal geht das Konzept voll auf, Miss Eastwood kombiniert geschickt und mit offensichtlicher Lust und Freude Rezepte aus aller Herren Länder, ihre Salate spielen mit Geschmack und Aroma, doch was beim Nachkochen eingefordert wird, bleibt sehr im Rahmen dessen, was bei den meisten im Alltag machbar ist. Auch optisch und haptisch ist dieser Band genauso charming (bildhübsch!) wie seine Vorgänger, da muß man kein Prophet sein, wenn man den Erfolg voraussieht.

Die Aufteilung ist einfach und beschränkt sich aufs Wesentliche: eine knappe Einführung, Salatrezepte für die vier Jahreszeiten und natürlich allerlei Dressings, Pesti, Essige. Entzückend gestaltet ist das Blattlexikon, das im Stile der berühmten DK-Reiseführer einige der beliebteren Zutaten vorstellt. Ohne viel Trara geht es anschließend zum Hauptteil, den Salatrezepten. Harry reizt das Thema Salat bis über die Grenzen des Begriffes aus, neben Blatt- und Getreidesalaten finden sich auch fleischlastige Schwergewichte, bei denen man sich darüber streiten könnte, ob der Salat hier Mittelpunkt oder Beilage ist: bei gebratenen Wachteln und Blutwurst auf Radicchio ist das vegetabile Element recht gering, aber das Foto sieht so verlockend aus, dass man nicht penibel sein will.

Gut gefallen mir Harrys Obstsalate, hier hat sie viel Neues zu bieten und kann ihren „sweet tooth“ so richtig ausleben. Es locken z.B. eine süße Ceviche aus Rhabarber mit Himbeeren und kandiertem Ingwer oder ein Obstsalat mit Pimm’s im Weckglas. Ob nun Holunderblüten-Wackelpeter mit sommerlichen Beeren, marinierte Erdbeeren auf weißem Schokomousse, gebratene Bananen mit Butterscotchsoße und mit Schokolade überzogene Physalis wirklich noch Salat genannt werden können, sei dahingestellt – vielleicht muss es einfach gemäß des Mottos „a salad for all seasons“ manchmal einfach ein Dessert sein.

Ein neuer Schwerpunkt lässt sich in Harrys Küche entdecken, neben dem kulinarischen Einfluss ihrer Wahlheimat Frankreich weht seit kurzem amerikanischer Wind durch ihre Rezepte, und dieser Neuerung  – zwischen den Zeilen kann man lesen, dass sie einen amerikanischen Boyfriend hat – verdanken wir Salate wie den an das alte Hollywood erinnernden Cobb Salat. Das Size-Zero-Hollywood würde bei den Mengen Fleisch und Käse, die in diesem Salat dominieren, vermutlich auf der Stelle in Ohnmacht fallen… Aber auch good old England ist mit Kreationen wie einem Coronation Chicken Salad oder einem English Garden Salad vertreten.

Der Praxistest beweist mal wieder, das Ms Eastwood nicht nur ansprechende, sondern überzeugende, gut recherchierte Kochbücher schreibt. Ich wähle Rezepte nach dem Motto „klingt nicht schlecht“, doch mit beglückender Regelmäßigkeit wird beim Verzehr ein „Wow“ daraus. Langweilig ist hier gar nichts. Harrys Kedgeree – so viel besser als die üblichen Reisvarianten. Rukkola und Datteln – nur zwei Zutaten, reicht das? O ja. Ihren eigenen Anspruch fasst die Autorin so zusammen: ‘The only rule when cooking is to make food that excites, delights and nourishes me.’ Ohne Frage, Ziel erreicht.

Bei aller Beschränkung auf ein Thema, schafft es Harry geschickt, ein Sammlung so unterschiedlicher Rezepte in einem Band zu vereinen, dass man sich eine völlig zufriedene, heterogene Leserschaft vorstellen kann. Vegetarier? Veganer? Fleischliebhaber? Zuckerschnuten? Werden alle bedient, und wer der Autorin ggfs. auf geschmackliches Neuland folgt, wird sicherlich belohnt. Wenn man auch noch die „Tauschzutaten“ am Fuße eines jeden Rezeptes mit berücksichtigt, bietet dieser Band Salat satt für sehr lange Zeit, das ist nicht nur ein Salat für jede Jahreszeit, sondern (fast) ein Salat für jeden Tag. Auf jeden Fall genug Lese- und sonstiges Futter, um die Zeit bis zu Harrys nächstem Kochbuch zu überbrücken. Ich bin schon sehr gespannt und völlig ahnungslos, welchem Thema sich Harry als nächstes zuwendet. Aber ich würde ohne zu zögern blind vorbestellen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2013

3 Kommentare

  1. Becky

    Ich liebe Harry’s zweites Buch und auch diese Rezension klingt toll!
    Warum gibt es denn nur ein Rezept zm Nachmachen? Da wäre mehr schön gewesen…
    Das Buch kommt trotzdem auf meine Wunschliste. 🙂

    • Katharina

      Oh ja, von ihr hätten wir gerne ein Rezept mehr veröffentlicht. Die Entscheidung lag in den Händen des Verlags. 🙂

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