Kochbuch von Hans Jörg Bachmeier: Einfach. Gut. Bachmeier

Kochbuch von Hans Jörg Bachmeier: Einfach. Gut. Bachmeier ★★★★☆

Einfach. Gut. Bachmeier
Hans Jörg Bachmeier, Stefan Braun
Verlag Zabert Sandmann
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Simone Brokmeier

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Die spannende Frage bei einem neuen Kochbuch ist für mich immer wieder: Was macht aus einem Buch eine Perle, damit ich es auch immer und immer wieder gern zur Hand (und in die Küche) nehme.

Jungfräulich kommt das Päckchen zu mir nach Hause. Vorfreude beim Auspacken, Blättern, Lesen. Und dann muss es passieren: finde ich sofort ein Rezept, das ich unbedingt ausprobieren will – dann hat das Buch schon (fast) gewonnen. Bei Einfach.Gut.Bachmeier funkte es auf Anhieb bei der sensationell knall-lila-farbenen Blaukrautsuppe mit geräuchertem Forellenfilet. Aber dann brauchte ich doch noch einen zweiten, dritten Anlauf…

Kein Chichi

Der aus Niederbayern stammende Hans Jörg Bachmeier hatte im Frühjahr eine Kochshow im bayerischen Fernsehen. Die Rezepte gibt es nun als Buch im Zabert Sandemann Verlag, der in den 80ern auch die Essen wie Gott in Deutschland Bücher verlegte und damit nicht unerheblich zur Aufwertung der deutschen Küche beitrug. Witzigmann war damals einer der ganz großen Stars, und so verwundert auch nicht, dass er Bachmeiers Lehrmeister war und auch das Vorwort für dieses Buch geschrieben hat. Die Handschrift des Meisters sieht man hier und da: Seezungenröllchen mit Lachs und Rotweinbutter sind genauso typisch für diese Zeit wie die Mousse au chocolat oder das Coq au vin. Will ich das heute noch oder wieder? Gibt es auch Neues, Zeitgemäßes, Revolutionäres? Ich geb’s zu – mich zu beeindrucken ist nicht ganz leicht. Die Fotos (leider sind nicht alle Rezepte bebildert) machen Appetit, solide, kein Chichi.

Als das Buch kam, war es Sommer in Deutschland – und heiß! Die Blaukrautsuppe musste warten, der Grill hatte Hochsaison! Zeit für einen Sommergemüsesalat mit Bohnendressing. Klingt spannend! Die Mischung aus Kartoffeln, Karotten, zweierlei Sellerie und verschiedenen Salatsorten passte hervorragend zu unseren Grilladen. Nur das Bohnendressing aus rohen(!) grünen Bohnen (sind die nicht sogar giftig?) ließ uns ein wenig staunen. Kann man dieses harte Gemüse überhaupt pürieren? Man kann. Intensiv grün – ein Hingucker, aber geschmacklich, wenn 100 Gramm Bohnen im Dressing mit über einem Kilogramm Gemüse vermischt werden, gehen dann doch fast unter. Schade. Einfach nur gekocht hätten die Bohnen mit Sicherheit den gleichen sommerlichen Geschmack ergeben, so kam es uns eher als (aufwendige) Effekthascherei vor.

Bei den Kapitel kein Risiko, aber bei den Rezepten …

Sieben Kapitel, ganz klassisch von Vorspeisen über Suppen, Gemüse, Fisch, Geflügel, Fleisch und Dessert. Da geht man kein Risiko ein. Die Mischung der Rezepte ist deutlich unkonventioneller. Rinderroulade und Schweinekotelett Jägerin Art zeigen deutlich Bachmeiers Herkunft: gelernt hat er im elterlichen Gasthaus in Eggenfelden. Danach folgten Stationen in verschiedenen Sterne-Restaurants und so finden sich neben den bayerischen Wirtshausklassikern auch Gerichte von ganz anderer Machart. Graupenrisotto mit Forelle und Paprika-Zucchini-Vinaigrette oder roh gebeizter Fisch stehen zwischen Cham und Chiemsee bestimmt eher selten auf den Speisekarten.

Hier wagt Bachmeier einen Spagat, aber folgt ihm auch der Hobbykoch? Mir persönlich ist die Bandbreite ein wenig zu weit gespreizt. Von simpel-bodenständig einerseits (Hühnereintopf mit Gemüse und Grießnockerl)zu extrem aufwendig- gekünstelt andererseits (Jakobsmuscheln mit Couscous und Teriyaki-Sauce). Manche dieser Rezepte bestehen aus bis zu 20 Komponenten und es wird püriert, gedämpft und angerichtet (wie es in Kochshows eben zugeht). Das mag im Restaurant kein Problem sein, für Köche zu Hause ist das vielleicht ein wenig abschreckend. Einfach würde ich das dann nicht nennen, gut ist es. So schwankt das Buch von einem Extrem zum anderen und ich gleich mit. Ist es die Perle oder nur ein weiteres Buch in meiner Sammlung?

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2013

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