Kochbuch von Gwyneth Paltrow: Meine Rezepte für Familie und Freunde

Kochbuch von Gwyneth Paltrow: Meine Rezepte für Familie und Freunde ★★★★☆

Meine Rezepte für Familie und Freunde
Gwyneth Paltrow, Fotos E. Silvermann
Edel Verlag (2011)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Promi-Kochbücher sind eine eigenes Genre. Es stellt sich immer die Frage, ob das Kochbuch authentisch ist oder oder gerade eine Trittbrettfahrerin auf den Kochboom versucht aufzuspringen. Gwyneth Paltrow hat meine Sympathie. Sie ist schön, begabt UND intelligent. Die kulinarische Nähe nehme ich ihr sofort ab. Sonst würde man seine Tochter nicht Apple nennen, oder?

Aber Sympathie reicht natürlich nicht, um Valentinas Kochbuchsterne zu ernten. Drei Leserinnen haben daher die Notizen von Paltrow gelesen und 14 Rezepte nachgekocht. Dabei waren Foodbloggerin Nadine aus Berlin von Organic Cottage, Stefanie aus Wuppertal und Samya aus Otzberg. Vielen Dank!

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

PaltrowIch koche, seitdem ich über den Herdrand schauen kann. Allerdings beschränkten sich meine Tätigkeiten dabei zunächst auf das Halten von Kochlöffeln sowie das Ausschlecken von Rührschüsseln. Mit der Zeit kamen Backen und Kneten, Aufkochen und Dünsten, Würzen und Verfeinern dazu und seit 1 ½ Jahren sogar Fotografieren und Schreiben.

Fotografieren und Schreiben? Nun, seitdem veröffentliche ich eigene Rezepte auf meinem Food-Blog mit Fokus auf biologische Lebensmittel. Dabei lasse ich mich natürlich von Kochbüchern inspirieren. Rezepte 100%ig nachkochen liegt allerdings nicht in meiner Natur, denn ich experimentiere gerne und koche und backe viel mit alternativen Lebensmitteln wie beispielsweise Teffmehl, Agavensirup oder Reismilch, die man nicht unbedingt in Kochbüchern findet. Umso überraschter war ich, in Gwyneth Paltrows Kochbuch Zutaten wie Naturreissirup und Sojamilch zu entdecken.

PaltrowIch koche seit etwa 25 Jahren, anfangs nicht so regelmäßig, aber mit der Zeit immer öfters und mittlerweile,mit zwei Kindern eigentlich täglich.
Kochbücher habe ich ziemlich viele, wobei ich gestehen muss, dass es mir sehr schwer fällt, nach Rezept zu kochen.
Irgendwie kommen da immer wieder eigene Ideen dazwischen, so dass die Ergebnisse nicht unbedingt dem ursprünglichen Gericht gleichen müssen. Von daher sind Kochbücher vor allem Inspiration, Anregung, Ideengeber.
Ich kann stundenlang in Kochbüchern schmökern, wenn sie mich ansprechen. Natürlich sind dann vor allem ansprechende Fotos gefragt, aber auch kleine Anekdoten, Erzählungen oder Erlebnisse der Kochbuchautoren macht ein Kochbuch für mich interessant und liebenswert.

PaltrowMein erstes Kochbuch habe ich mit 14 oder 15 bekommen: Dr. Oetker – Nudeln. Ich habe schon immer sehr gern Pasta gegessen, also paßte das Kochbuch gut zu mir. Noch heute habe ich viele Kochbücher, die sich mit der italienischen Küche beschäftigen (obwohl natürlich auch andere Nationen gute Nudelgerichte kennen und zubereiten). Einige Kochbücher sind für mich eher Reiseführer als Kochhilfe und ich mag besonders die Geschichten nebenher, also zu den Zutaten oder der Zubereitungsart. Rezepte befolge ich nicht immer sklavisch, mit zwei Ausnahmen: beim Backen (dazu fehlt mir das Talent) und bei diesem Test.

Zum Kochbuch: Was waren Deine ersten Eindrücke?

Paltrow„Gwyneth Paltrow hat ein Kochbuch herausgebracht?“, war mein erster Gedanke, als ich erfuhr, dass „Meine Rezepte für Familie & Freunde“ Inhalt meiner Gast-Rezension sein sollte. Wenn Stars in eine neue Richtung vordrängen, bin ich immer erstmal skeptisch. Immerhin wurde man von Beispielen wie einer schauspielernden Britney Spears und einer singenden Paris Hilton nicht unbedingt positiv überrascht.

Als ich das Kochbuch dann zum ersten Mal grob durchblätterte, schien sich meine Skepsis zunächst zu bestätigen. Denn über die teilweise einfache Küche, bestehend aus Pasta mit „einfacher Tomatensauce“, verschiedener Burger- und Sandwichvariationen und „amerikanischem Hähnchen“ haben schon andere geschrieben. Dann jedoch las ich die liebevoll verfasste Einleitung! Hier erfuhr ich, dass die Oskarpreisträgerin keineswegs einfach mal was Neues ausprobieren wollte, sondern sich eingehend mit Lebensmitteln und Ernährung beschäftigt und sich zeitweise sogar makrobiotisch ernährt hat.

Die Einleitung, die Hinweise auf vegetarische und vegane Rezepte sowie die Verwendung von gesünderen Lebensmitteln, wie Dinkelmehl, Ahornsirup oder Sojamilch gibt, zeigt, dass Gwyneth den Lesern für eine ausgewogene Ernährung mit Lebensmitteln frei von „Pestiziden, Herbiziden (…) und Konservierungstoffen“ sensibilisieren möchte. Das hat mich überzeugt!

PaltrowMein erster Gedanke, als ich von Gwyneth Paltrows Kochbuch hörte, war: „noch ein Promi Kochbuch…..“ Als ich das Buch dann in den Händen hielt, anfing darin zu blättern, hatte ich das schnell vergessen. Ansprechende, zeitgemäße Fotos, schönes Papier, ein Kochbuch, das man sich auf jeden Fall näher anschauen kann.
Ich fing an zu schmökern und zu lesen, erfuhr ein bisschen was über Gwyneth Paltrow und ihre Art zu kochen, über ihre Beziehung zu ihrem Vater und deren gemeinsame Kochleidenschaft. Erwartet hatte ich eher kalorienbewusste Rezepte, aber es sind durchaus üppige Kochzutaten verwendet, die zu genussvollem Schlemmen einladen. Das Buch enthält vielseitige Rezepte, die in der Regel einfach zuzubereiten sind. Kleine Symbole erleichtern die Rezeptauswahl, zeigen was schnell gekocht werden kann oder gut vorzubereiten ist.

PaltrowDer erste Eindruck war: Optisch gut gemacht, keine übertriebenen Aufnahmen von Speisen, die am Ende sowieso nicht so aussehen, und mit persönlicher Note durch Fotos aus dem Familienalbum und kleine Geschichten. Ein Kochbuch, dass mich von der Gestaltung und dem Stil her anspricht (obwohl ich kein Fan von Gwyneth Paltrow bin).

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

PaltrowIch startete mit den langsam geröstete Tomaten, die 3-5 Stunden im Ofen backen. Eines der ersten und einfachsten Rezepte aus dem Buch. Für mich aber auch eines der überzeugendsten! Denn – hier möchte ich Gwyneth Paltrows eigene Worte benutzen – „so werden selbst die fadsten Wintertomaten süße Köstlichkeiten“. Stimmt!

Da die Schauspielerin Nudeln & Co. ein ganzes Kapitel gewidmet hat, war klar, dass ich hier das ein oder andere Gericht ausprobieren musste. Ich entschied mich für ihr Artischockenpesto und verstand sofort was sie mit den Worten „einfach, schnell und schlicht unschlagbar“ meinte, die das Pasta-Kapitel einleiten! Köstlich, einfach köstlich! Hier peppen Artischocken, Pinienkerne, Parmesan und frischer Estragon im Handumdrehen ein Pastagericht auf.

Das Beilagengericht gebackenes Wintergemüse mit Ahornsirup und Senf fiel mir sofort auf, da ich versuche so viel wie möglich nach Saison zu kochen und Pastinaken, Süßkartoffeln und Karotten gerade auf jedem Wochenmarkt zu finden sind! Auf dem Rezeptfoto sieht das Gemüse super lecker kross gebacken und knusprig aus. Bei mir wurde das in Sticks geschnittene Wintergemüse allerdings leider etwas „lädschig“, wie die Schwaben sagen würden, geschmacklich aber trotzdem sehr überzeugend.

Saftige Schoko-Brownies in der Überschrift, begleitet von einem Foto, in das man am liebsten sofort hineingreifen würde und dann auch noch „so gesund, wie Brownies überhaupt sein können“. Klar, dieses Rezept musste ausprobiert werden! „Saftig“ ist genau das richtige Wort, denn Dinkelmehl, Ahornsirup, Naturreissirup und Sojamilch enden in der absolut besten Brownie-Konsistenz, die ich je probiert habe! Das Rezept habe ich gleich zwei Mal ausprobiert!

PaltrowMein erstes Rezept, das ich probierte, war Spaghetti mit Zitrone und Parmesan ein einfaches, sehr schnelles Rezept. Man sollte sich allerdings nicht darauf verlassen, dass das Trio Parmesan-Zitrone-Basilikum, Kindern wirklich schmeckt. Bei mir hier wurde bemängelt, es wäre einfach zu sauer, würde zu sehr nach Zitrone schmecken…

Irgendwann zwischendurch probierte ich die langsam gerösteten Tomaten die wunderbar zu den Maccaroni with Cheeseschmeckten, die mir persönlich in der Grundvariante zu langweilig waren.

Der gebackene Blumenkohl kam bei meinen Kindern sehr gut an, den wird es auf jeden Fall wieder geben müssen. Einsame Spitze ist die Anchovi-Vinaigrette ! So einfach und so lecker!

Auch die Hähnchenpfanne kann ich nur empfehlen. Zuerst hat mich die Zuckermenge etwas abgeschreckt, aber da man sowas ja nicht täglich kocht, das Ganze ohne viel Aufwand schnell auf den Tisch gebracht werden kann…….. Ich glaube von allen ausprobierten Rezepten ist die Hähnchenpfanne meine Nummer 1.

Das gebackene Wintergemüse mit Ahornsirup und Senf finde ich eine gute Möglichkeit diverse Gemüsesorten nicht ganz alltäglich unter einen Hut zu bringen.

Mit den saftigen Schoko-Brownies konnte ich mich nicht so anfreunden. Sie waren essbar, aber für meinen Geschmack (wobei ich öfters weniger Zucker als angegeben benutze) einfach nicht süß genug für Brownies.

Opa Danners geliebte Butterkekse mussten ohne die Erdnusschips auskommen, sie schmeckten aber auch so schon sehr erdnussig. Wobei ich das Natron etwas raus schmeckte, da würde ich weniger nehmen.

Bruce Paltrows berühmte Pancakes ergab locker, fluffige Pancakes, die schnell verschwunden waren…..

PaltrowDie Auswahl der Rezepte, die ich für den Test kochen wollte war nicht leicht zu treffen. Das lag an zwei Gründen: entweder waren die Zutaten etwas kostspielig (Hummer o.ä. Meeresgetier), um sie im Alltag aufzutischen oder die Rezepte wirkten etwas banal (z.B. die Salatdressings oder die Pastarezepte).
Aber ich mich habe mich dann für die folgenden Rezept entschieden: Weiße-Bohnen-Suppe + Maccaroni with Cheese + Pancakes + Beeren in karamellisierter Sahne

Weiße-Bohnen-Suppe: Leider wenig spektakulär, denn es fehlte der Pepp an der Suppe. Ich habe mich streng an das Rezept gehalten, aber auch die Variante mit den Brotscheiben mit Parmesan, konnte mich nicht überzeugen. Vielleicht hätte etwas geräuchertes als Einlage oder ein Schuß Weißwein oder etwas banales Suppengemüse die Sache geschmackvoller machen können. Für mich reichen Salz, Pfeffer, Chili, ein Hauch Oregano und Knoblauch (der in fast allen Rezepten reichlich zum Einsatz kommt) nicht aus. Auch die Brühe als Basis rettet das Rezept nicht.

Maccaroni with Cheese: Aus fast jeder amerikanischen Serie bekannt und daher wollte ich es auch probieren. Ich habe die Variante mit Mozzarella gewählt. Leider kann ich mir bei Frau Paltrow’s Figur kaum vorstellen, dass das Rezept mit dieser Menge Mascarpone oft auf den Tisch kommt. Geschmeckt hat es, als „Ausgleich“ gab es einen Salat mit Schnittlauch-Vinaigrette (S.71) dazu. Schnell und einfach zuzubereiten und als Beilage auch gut geeignet, doch die Menge ist sehr reichlich!

Pancakes (nach Bruce Paltrow): Gab es zum Frühstück und die Zubereitung am Tag zuvor spart einiges an einem Sonntag-Morgen. Der Teig ist schon „fluffig“ und hält sich auch zwei – drei Tage im Kühlschrank, denn die Menge ist reichlich. Dieses Rezept wird es wahrscheinlich noch mal bei einem Frühstück mit Freunden schaffen.

Beeren mit karamellisierter Sahne: Eindeutig mein Favorit im Test. Sehr lecker, schnell zubereitet bzw. gut vorzubereiten und wieder mit Mascarpone….. Während bei den anderen Rezepten die Mengen ausreichend bis reichlich sind, sollten von dem Rezept eigentlich 6 Portionen entstehen. Bei uns hat es knapp für 4 Personen gereicht. Ich habe schon einen Klebezettel ins Buch geklebt: beim nächsten Mal die Mengen leicht erhöhen!

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

PaltrowJe mehr ich durch das Buch blätterte, mich mit den verwendeten Lebensmitteln beschäftigte und mehr über den Hintergrund erfuhr, den die Schauspielerin dazu bewog ein Kochbuch zu verfassen, umso mehr überzeugte es mich. Schlussendlich schreibt sie ganz richtig, dass es beim Kochen und Essen darum geht, Zeit mit Menschen zu verbringen, die man liebt: „Man braucht nur ein paar gute Zutaten und einfache Rezepte, vielleicht einige Scherze und ein gutes Gesprächsthema bei Tisch. (…) Es muss nicht kompliziert sein. Es ist, was es ist.“

Genau das hat die Schauspielerin in ihrem Kochbuch umgesetzt – eine Auswahl an einfachen, aber doch nicht langweiligen Rezepten (wie die vegetarische Paella oder das vietnamesische Garnelensandwich) erlauben auch einer viel beschäftigten Mutter ein unkompliziertes und doch gesundes Essen für die Familie zuzubereiten. Wer allerdings außergewöhnliche Gerichte, Nouvelle Cuisine, exotische Zutaten oder Rezepte mit hohem Schwierigkeitsgrad bevorzugt, wird in „Meine Rezepte für Familie & Freunde“ wahrscheinlich nicht fündig werden.

PaltrowBei aller vorheriger Skepsis kann ich nur sagen, im Buch finden sich durchaus raffinierte, schmackhafte Rezepte, die im Großen und Ganzen einfach herzustellen sind. Einige Zutaten sind schwieriger zu besorgen, aber das hält sich in Grenzen.
Auf Seite 20 stehen Tipps, wie Kinder helfen können…..ich denke, das sagt einem auch der gesunde Menschenverstand, dass Kinder Teig rühren, Kuchenformen einfetten oder den Startknopf eines Küchengerätes betätigen können.
Die spezielle Werbung bei den wichtigsten Hilfsmitteln finde ich auch unnötig. Es muss keine KitchenAid Maschine sein, keine Reibe von Microplane oder der Flavour Shaker von Jamie Oliver…..
Ansonsten finde ich durchaus, ein Kochbuch mit dem man Spaß haben kann, Rezepte die sich leicht nachkochen lassen, das eine oder andere wird bestimmt den Weg in einen meiner Kochkurse finden, und manches wird garantiert wieder bei uns auf den Tisch kommen.

PaltrowDer amerikanische Touch der Rezepte war zu erwarten, aber ich hätte das „Besondere“ erwartet. Für Vegetarier sind in dem Buch gute Rezepte und sie bieten ausreichend Möglichkeiten, diese zu ergänzen oder in Fleischgerichte umzuwandeln. Sicherlich werde ich das ein oder andere Rezept noch ausprobieren, aber es wird nicht in die Riege der Kochbücher aufsteigen, aus denen ich versuche, für besondere Anlässe etwas zu zaubern.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2011

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