Kochbuch von Giorgio Locatelli: Made in Italy

Kochbuch von Giorgio Locatelli: Made in Italy ★★★★★

Made in Italy: Das Kochbuch
Giorgio Locatelli, Christian Verlag (2008)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

„Das Wichtigste ist immer, sich auf wenige Aromen zu konzentrieren.“, schreibt Giorgio Locatelli. Pure Rezepte, ein schlichtes und edles Layout: Der Kochbuchautor reduziert gerne für den intensiveren Genuss. Ganz anders sein Kochbuch: Er erzählt auf 600 Seiten neben den Rezepten von sich, vom Kochen im Allgemeinen und im Detail. Ich habe mich gefragt: Ist das alles lesenswert?

Giorgio Locatelli lebt in London, ist Restaurant-Inhaber (Locanda), hat eine eigene TV-Serie mit dem Titel Pure Italian und ist ein echter Slowfood-Anhänger. Die Koch-Leidenschaft hat seine italienische Großmutter bei ihm entfacht. Professionalisiert hat er seine (anfänglich wenig offensichtliche) Begabung in Italien, England und Frankreich. Zu seinem Netzwerk gehören Gordon Ramsay und Marco-Pierre White, dem er auch seinen Erfolg verdankt, so schreibt er. „Er verhalf uns zu Berühmtheit und machte den Leuten klar, dass Köche Menschen aus Fleisch und Blut sind und keine Roboter, die unsichtbar hinter den Küchentüren hantieren.“

Locatellis Kochbuch hat einige Preise abgeräumt: Die italienische Ausgabe wurde 2007 mit dem Gourmand World Cook Book Award ausgezeichnet. Außerdem hat der Titel den sogenannten englischen Kochbuch-Oscar, den Glenfiddich-Award 2007 gewonnen.

Lustige Amateur-Fotos

Locatelli lässt in seinem kulinarische Schmöker drei Anliegen freien Lauf: Er erzählt von seinem beruflichen Werdegang mit privaten Details und seiner Idee des Kochens. Außerdem erklärt er einzelne Nahrungsmittel und Küchentechniken. Und dann gibt es natürlich eine Menge Rezepte. Alles ist sehr persönlich und ausführlich (!) beschrieben. Die Zutatenanzahl der Rezepte ist tendenziell übersichtlich. Zum Teil sind die Gerichte sowie deren Zubereitung bebildert. Es gibt einige lustige Amateur-Fotos von Giorgio mit seiner zierlichen liebenswerten Großmutter, cool mit seinen Kumpels und als junger stolzer Vater.

Bei der Auswahl der Rezepte ist Locatelli der Unterschied, ob man Zuhause kocht oder im Restaurant, bewusst, das ist immer wieder zu lesen. So finden sich Rezepte, die luxuriöse Zutaten verlangen wie z. B. Kaisergranat, Rebhuhn und Wachteln. Die andere Hälfte der Rezepte ist für das Kochen zuhause geeignet, außerhalb besonderer Anlässe.

… zäh wie eine Schuhsohle …

Simple kluge Zubereitungsideen habe ich immer wieder in seinen Zutaten-Erläuterungen gefunden, die sehr lesenswert sind. („Kalamare zuhause zubereiten ist einerseits einfach, weil es schnell geht, aber andererseits schwierig, weil zwischen einem köstlichen und einem, der zäh ist wie eine Schuhsohle, nur etwa vierzig Sekunden liegen…von jeder Seite 1 – 1,5 Minuten, nicht länger“).

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Hinsichtlich der Rezepte war ich sehr gespannt, ob der Autor Neues oder Altbewährtes schreibt. Tatsächlich bietet Locatelli eine Neuinterpretation der Klassiker an, eine verfeinerte italienische Küche. Seine erzählten Rezeptbeschreibungen führten dazu, dass mir immer sehr klar war, worauf es ankommt. So ist mir auch kein Gericht „daneben“ gegangen. Er kombiniert Handlungsanweisungen mit sinnlichen Wahrnehmungen beim Kochen und Erklärungen zum Warum. Klasse! Dabei lässt er Raum für das Improvisieren „Denken Sie daran, dass dies kein starres Rezept ist!“ Einzig das Zurechtfinden im Text während des Kochens – „Wo stand denn, was jetzt zu tun ist?“ – hat mich mangels Struktur mitunter ins Schwitzen gebracht. Machte mir aber nichts, weil ich so zufrieden mit den Ergebnissen war.

Das Kochbuch verlangt als kulinarischer 600-Seiten-Schmöker einige Hingabe: Das Geschenk sind wunderbare Rezepte, zuverlässig und überraschend im Detail.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2008

4 Kommentare

  1. carlo_fantasmo

    sorry – volles desaster erlebt mit rezept s.52 – aspretto di zafferano / Safranvinaigrette.
    war gedacht zu jakobsmuscheln, s. 108
    so klebrig-sämig-dick wie auf seite 109 ist meine übung leider nie geworden, und wird es wohl auch nie mehr, trotz massiver verdickungs-anstrengungen.
    meine safranvinaigrette blieb leider dünn wie der weisswein am anfang.
    sie schmeckt zwar sehr gut, wird aber auch in 6 monaten wohl keine wirkliche sauce mehr.
    kann jederzeit abgeholt werden.
    mein psychiater ermutigte mich: möglicherweise ist – statt an dir – am rezept doch was faul.
    kurz & knapp: bei 500 + 150 +100 ml input-zutaten sollen angeblich 750 ml output sich ergeben, nachdem man „die mischung um drei viertel eingeköchelt“ hat !?? :o(
    ich glaube, auf der ganzen seite 52 müsste „Ergibt etwa…“ ersetzt werden durch: „Braucht etwa…“
    je nachdem was & wem man nun glaubt, wären es optimistisch weit unter 200 ml geworden, was genau für die jakobsmuscheln knapp gereicht hätte, und nichts mehr verblieben wäre für eine max. 6-monatige aufbewahrung.

    • Katharina

      Ich leide mit, aber zum Glück funkelt trotz Katastrophe Humor durch Deine Zeilen. Ob ich den bei Jakobsmuscheln gehabt hätte? Na …

      Also, meine Rechnung landet bei „Ergibt ca. 260 ml“, da erst Reduktion, dann Auskühlen, dann plus 100 ml Olivenöl.

      Schade um die Zutaten, auch wennn ich nicht recht verstehe, was daran nicht klappen kann. ,-(

  2. Nona

    Giorgio Locatelli,der ist wirklich sehr gut!ich habe schon einiges von ihm gekocht und war sehr gut..

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