Kochbuch von Giorgio Locatelli: Italy. Made at Home

Kochbuch von Giorgio Locatelli: Italy. Made at Home ★★★★☆

Italy. Made at Home –
Gerichte für meine Liebsten
Giorgio Locatelli
Fotos: Lisa Linder
Christian Verlag (2018)
Mehr über den Verlag

Ulrike Thyll

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Meine Erwartungen an Giorgio Locatellis neuestes Kochbuch sind hoch – ein italienischer Koch, der schon seit Jahren erfolgreich in London Sternerestaurants betreibt, kocht für Freunde und Familie: Das kann ja nur bedeuten, ich finde hier italienische Gerichte, die genial einfach sind und geschmacklich top. Ist das nicht genau die Richtung, die wir alle immer suchen für unsere eigene Küche?

Beim Durchblättern werden diese Erwartungen bezüglich des Italienischen erfüllt: Viele typisch italienische Produkte werden verarbeitet, viele Gerichte haben italienische Bezeichnungen. Pasta, Reis und Pizza nehmen mit fast 60 von 310 Seiten breiten Raum ein, der nur noch von saisonalen Salaten und Gemüsesorten mit über 70 Seiten übertrumpft wird. Daneben gibt es Fisch und Fleisch, einfache Suppen, Panini, Crostini, Pasteten und andere Snacks sowie Kuchen, Leckereien und Eiscreme.

Ein Sternekoch zu Hause

Ein schönes und nützliches Feature sind Doppelseiten, die jeweils vier Rezepte mit Bild zu einem Thema vereinen, wie z. B. Auberginen, nächtliche Spaghetti oder Gnocchi. Hat man eine solche Zutat vorrätig oder sollte man Lust auf Spaghetti bekommen, werden gleich vier Varianten auf einen Blick angeboten. Besonders charakteristisch für Giorgio Locatelli (Foto links) sind den Kapiteln bzw. Rezepten vorangestellte Erlebnisse und Geschichten, die er mit den Zutaten oder Gerichten verbindet, oft kombiniert mit Warenkunde und Einkaufstipps. Locatelli ist ein Italiener, der sein Leben lang leidenschaftlich gekocht hat, und das spürt man in den Texten.

Beim Herausfiltern von Rezepten fürs Nachkochen waren die Eindrücke überraschend gemischt. Es gibt sie tatsächlich, diese genial einfachen Gerichte, die ein Geschmackserlebnis par excellence bieten, wie z. B. Giorgios Brathähnchen, das mit relativ wenig Aufwand zubereitet, wirklich saftig und aromatisch ist und sich hervorragend für die Bewirtung von Freunden eignet. Oder der ganze gebackene Fisch im Ofen auf einem Gemüsebett, wunderbar aromatisch durch Zitrone und Rosmarin im Bauch. Hingegen finde ich den Wintergemüse-Eintopf zwar gut, aber das ist in meiner Klassifizierung eher ein Dienstagsgericht, so eine Art Winter-Minestrone, vielleicht wenn Freunde spontan kommen.

Gesucht: ein kleiner Kick

Schaue ich auf die Gerichte handwerklich, kenne ich sie so oder so ähnlich schon seit Langem. Fisch auf Gemüse im Ofen ist ein vertrauter Klassiker. Gleiches gilt im Wesentlichen für das Hähnchen. Vermisst habe ich daher in den Rezepten das Können des Sternekochs. Als Leser hofft man, dass ein Innovator wie Locatelli bei Zuhause-Gerichten einfache Finessen unterbringt, die alles Bisherige in den Schatten zu stellen weiss. Das ist in diesem Kochbuch nur in Ansätzen da, wenn etwa das Hähnchen vor dem Braten in Salzlake gelegt wird, um es saftiger zu machen.

Wenn es besonders wird, fällt es sogar eher aufwendig aus in der Herstellung – eher typisch für die Restaurantküche. Ein Beispiel dafür ist der Sardellen-Chicorée-Salat mit Zitronenkompott. Zwar schmeckt der Salat wirklich gut, aber mit zehn Zitronen hergestellt, ergibt das eine so große Menge, dass man sich die entstandene Sauce gut in diesen für Restaurants typischen Plastikspritzflaschen vorstellen kann, die dann für 50 Gerichte zum Einsatz kommen. Ganz zu schweigen von den übrigen Arbeitsschritten.

Seine „Sterne-Handschrift“

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website von Giorgio Locatelli

Giorgio Locatelli bei Instagram

Mehr Italien-Kochbücher bei Valentinas

Natürlich kocht man für Freunde und Familie auch mal mit Zeit und Aufwand. Das wäre beispielsweise die gefüllte Poularde oder Sartù, ein gebackener Reiskuchen, beides Rezepte, bei denen man schon an der Länge der Zutatenliste sieht: Das wird Arbeit. Auch zuhause scheut der Chefkoch eben auch keinen Aufwand.

Giorgio Locatelli kann Kochbücher herausgeben. Das hat er mit seinem Restaurant-Klassiker „Made in Italy“ bewiesen. In seinem Neuling präsentiert er sich nun als Homecook und diese Rolle nimmt er ernst. Dabei verweisen seine Rezepte überraschenderweise weniger auf sein kulinarisch innovatives Können, sondern auf den Privatmann, der es zu Hause eben dann doch gerne klassisch angeht und die gute italienische Küche serviert.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2019

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