Kochbuch von Georgina Hayden: Feel Good Kitchen

Kochbuch von Georgina Hayden: Feel Good Kitchen ★★★★★

Feel Good Kitchen – Ein Kochbuch
für alle, die das Kochen lieben
Georgina Hayden
Fotos: Laura Edwards
Dorling Kindersley Verlag (2017)
Mehr über den Verlag

Katja Böttger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Mit den „Feel-good“-Kochbüchern ist es so eine Sache: Sie versprechen das Blaue vom Himmel – lauter Lieblingsrezepte, die Geborgenheit, Kraft und sogar mal Trost spenden, idealerweise stilvoll verpackt im Geiste der Zeit. Aber seien wir ehrlich, es ist doch wie mit der Liebe: Was nützen die schönste Optik, die besten Referenzen, wenn der Funke nicht überspringt?

Feel-good-Kochbücher sind Schmeichler, und auch Georgina Haydens Exemplar macht da keine Ausnahme. Da ist von Erholung und Auftanken die Rede, von Essen, das Lebenskraft spendet, von der Kraft der Bindung gemeinsamer Mahlzeiten, von Kindheit und Familie, Freundschaft und Geborgenheit, wertvoller Zeit und lieb gewonnenen Ritualen. Das klingt alles recht nett und hübsch, aber nicht gerade neu und kulinarisch auch eher leichtgewichtig …

Leichtgewichtig? Weit gefehlt! Georgina Hayden (Foto links) versteht ihr Handwerk, sie ist Autorin, Foodstylistin und Illustratorin. Zehn Jahre hat sie für Jamie Oliver gearbeitet (er hat ein geradezu leidenschaftliches Vorwort beigesteuert – „Georgina, ich liebe Dich wie eine Schwester!“), nun tritt sie mit ihrem ersten eigenen Kochbuch selbst ins Licht.

Stirring Slowly

Auf dem Buchdeckel steht sie mit ihrem Mann Pete, er schüchtern, verschmitzt und ein bisschen steif, sie mit offenem Lächeln, und im Buch dann auch herzlich lachend. „Stirring Slowly“ ist übrigens der Titel der englischen Originalausgabe, der mir persönlich auch für die deutsche Ausgabe besser gefallen hätte.

Auch die Gestaltung im Buchinneren ist gefällig und freundlich – auf jeder Doppelseite stehen sich Rezept und Foto gegenüber, jedem Rezept sind ein paar persönlichen Anmerkungen und Tipps vorangestellt, ganz klassisch.

Die Rezeptkapitel erstrecken sich vom Frühstück bis zur warmen Hauptmahlzeit und dort von „schnell + leicht“ bis „lange + langsam“, und auch Suppen, Backwaren und kleine Extras dürfen nicht fehlen, darunter auch heiße und kalte Getränke und einige nützliche kleine Do-it-yourself-Anleitungen von Brühe bis Meersalzkaramell (und einer Konfitüre – aus dem Ofen!).

Soulfood global

Zum Weiterlesen

Leseprobe aus Feel Good Kitchen

Zur Website von Georgina Hayden

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Thematisch ist das Buch auch ein Streifzug durch alle möglichen Länderküchen; da reihen sich in bunter Reihenfolge Masala-Omelett, Nasi Goreng, Milchreis, Okonomiyaki, Dal und Graupensuppe. Das mag ein bisschen beliebig klingen, aber Georgina Hayden hat die losen Enden fest im Griff. Ihre kulinarische Handschrift ist durch alle Rezepte erkennbar, sie kocht mit einem großen Anteil Gemüse – gerne auch Blattgemüse, Kohl, Knollen – sowie Hülsenfrüchten, dazu maßvolle Elemente von Fleisch und Fisch, und dann immer wieder ein geschicktes Händchen beim Umgang mit exotischen Zutaten. A propos: Die Zutatenlisten sind manchmal recht bunt, aber von saisonalen Einschränkungen abgesehen, gut zu bewältigen.

Und das Nachkochen? War die reine Freude! Die Rezepte sind durchweg unkompliziert, dabei aber niemals eindimensional. Jedes Rezept, das wir probiert haben, hatte etwas Besonders, ein gewisses „Etwas“, den berühmten „little twist“. So macht Kochen richtig Spaß, gerade alltags, wenn sich ohne großen Aufwand plötzlich etwas Besonderes auf den Teller zaubert.

Nur eine eher „technische“ Kleinigkeit muss ich anmerken: Viele Rezepte bestehen aus verschiedenen Bausteinen, sind aber „aus einem Guss“ dargestellt – alle Zutaten in einer Liste, alle Zubereitungsschritte in der zeitlichen und logischen Abfolge des Gesamtablaufs. Auf diese Weise geht zwar das gesamte Rezept gut von der Hand. Wenn ich jedoch nur einzelne Teile brauche, muss ich Zutaten und Zubereitung erst mühsam herauslesen. Das bremst ein bisschen den unkomplizierten Zugriff.

Wilde Torten – ein Traum

Unbedingt erwähnen will ich aber noch die fantastischen Torten aus dem Kapitel „Backen macht glücklich“. Leider haben sie es in meinem Test-Zeitfenster nicht auf meine Liste geschafft, etwa der „Englische Sommer“ (oben) mit wildromantischer Blütendekoration, die Kürbistorte mit knusprigem Ingwer-Frosting und feuerbunten Herbstblüten oder die festliche Buttercremetorte mit Pekannusskrokant und Meersalzkaramell – allesamt mit unglaublich hübscher Aufmachung, wild und lässig, keine Spur von Perfektion – unwiderstehlich!

Dieser Funke ist definitiv übergesprungen! Dies ist ein Buch nach meinem Geschmack, im wahrsten Sinne des Wortes. Eine bunte Zusammenstellung gelingsicherer Rezepte aus erfahrener Hand, bodenständig und kreativ. Georgina, wir lieben Dich wie eine Schwester!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2018

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