Kochbuch von Gennaro Contaldo: A Tavola mit Gennaro

Kochbuch von Gennaro Contaldo: A Tavola mit Gennaro ★★★★☆

A Tavola mit Gennaro

Traditionelle italienische Küche
Gennaro Contaldo, Fotos David Loftus
Dorling Kindersley Verlag (2014)
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Barbara Meyer

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Noch ein italienisches Kochbuch? Und dann auch noch von einem Fernsehkoch? Ja, bitte! Zumindest wenn es so schön bodenständig und praktikabel daherkommt wie „A Tavola“ von Gennaro Contado.

Ein bisschen aufgeregt bin ich. Ich rezensiere wieder ein Kochbuch! Nach anderthalb Jahren Rezensionspause, in der ich vollends mit Familienzuwachs, chronischem Schlafmangel und Jonglieren zwischen Arbeitsleben und der Schnuller-Wickel-Windel-Welt beschäftigt war, hat sich in den letzten Monaten das Chaos etwas gelichtet. Ich habe meine Hände buchstäblich wieder frei und etwas mehr Zeit übrig für Experimente in der Küche. Schon beim ersten Durchblättern stelle ich fest, dass „A Tavola“ von Gennaro Contaldo thematisch hervorragend zu meiner derzeitigen Lebens- und Kochsituation zu passen scheint: Traditionelle italienische Familienrezepte von der Amalfiküste, von Gennaros Familie seit Generationen erprobt und weitergegeben. Für alle Anlässe und familientypischen Gelegenheiten und entsprechend sympathisch gegliedert in die Kapitel Suppen, Pasta, Schnelle Küche, Slow Food, Sonntagsessen, Festtagsküche, Beilagen, Pizza & Co., Süßspeisen, Eingemachtes.

In der internationalen Kochwelt ist Gennaro Contaldo kein Unbekannter. In London betrieb er einige Jahre ein eigenes italienisches Restaurant mit hoher Reputation; er gilt als früher Förderer Jamie Olivers und ist mit diesem auch heute noch vielfältig beruflich verbandelt. Einem breiteren Publikum wurde er insbesondere bekannt durch die Sendung „Two greedy Italians“, in der er den Briten gemeinsam mit Antonio Carluccio die italienische Küche näherzubringen versuchte. Er veröffentlichte bereits mehrere Kochbücher. Für eines erhielt er im Jahr 2003 sogar einen Gourmand World Cookbook Award („Passione“). Ein Ausweis für Qualität? Ich bin gespannt.

kochbuch-gennaro-contaldo-inKonzept und Layout des Buchs überzeugen mich nur teilweise. „A Tavola“ wurde vom Dorling Kindersly Verlag in bewährter Manier solide inszeniert: 240 Seiten, DINA5 Festeinband, ein Gericht pro Doppelseite, dazu jeweils ein paar kurze Zeilen vom Autor, in denen er die „Familienhistorie“ des Gerichts beschreibt und häufig noch ein paar Tricks und Variationsmöglichkeiten anbringt. Zusätzlich zu jedem Kapitel gibt es eine kurze Einleitung von ein, zwei Seiten und ein Rezeptregister. Die von David Loftus aufgenommenen Fotos sind von hoher Qualität und greifen das Konzept des Buches stimmig auf: Neben appetitanregenden, ganzseitigen Aufnahmen einer Vielzahl, aber bei weitem nicht aller der aufgeführten Rezepte, findet man auch jede Menge Fotos, die die Familie Contaldo, insbesondere des Meisters Töchter, beim Kochen und Essen zeigen. Das alles ist zwar ganz nett, aber nichts Neues für ein Fernsehkoch-Kochbuch. Die Texte sind für meinen Geschmack im Großen und Ganzen eher langweilig und wenig informativ oder unterhaltend; die vielen Familienfotos ein bisschen kitschig. Auf Platitüden wie „Eine Familie, die gemeinsam kocht, hält zusammen“ hätte der Autor gerne verzichten können.

Aber die Rezepte! Nichts überkandideltes, sondern praxisnahe, gute italienische Hausmannskost. Nicht nur Pizza, Pasta, Gnocchi und Risotto in diversen Variationen, sondern auch deftige Fleischgerichte (z.B. Ragù, gefüllter Schweinebauch, mariniertes Kaninchen), Fisch (u.a. Rotbarbe mit Schinkenfüllung) und Beilagen wie etwa Caponata und Rote-Bete-Salat mit Frühlingszwiebeln. Alle nachgekochten Rezepte funktionierten und hielten, was der Autor von ihnen in der Einleitung versprach oder auch gerade nicht versprach. Beim Nachkochen musste ich ständig an meine Großmutter denken. Natürlich liegt meiner Großmutter wenig ferner als die italienische Küche. Ich erinnere mich noch daran, wie sie auf Drängen ihrer Enkel das erste Mal Spagetti kochte. Da die langen Nudeln nicht in den Topf passten, wurden sie zu unserer allergrößten Enttäuschung kurzentschlossen einfach durchgebrochen. Aber ihre Eintöpfe, ihre Reibekuchen, ihre Kartoffel- und Nudelsalate – sie alle mag es woanders in raffinierterer, feinerer Variante geben. Dafür schmeckt es bei meiner Oma völlig bodenständig authentisch. Ohne „Killefitt“ zwar, aber auch nicht fade oder langweilig und immer mit überschaubarem Einkaufs- und Vorbereitungsaufwand. Genauso wie die Familienrezepte der Contaldos.

Seitdem ich weiß, wie einfach, schnell und vor allem wie lecker selbstgekochte Tomatensaucen sind, werde ich nie, nie, nie, nie wieder die Fertigvariante aus dem Supermarktregal kaufen. Ein weiteres Plus des Buches: Gerade die einfacheren Rezepte inspirieren in Kombination mit den Anregungen des Autors selbst Leute wie mich, die in der Küche noch einen weiten Weg zum versierten Küchenchef vor sich haben und die sich bislang immer pedantisch an Rezeptvorgaben hielten, zum freihändigeren Ausprobieren. So erweitert das Buch den eigenen Kochhorizont.

Ein empfehlenswertes Buch für Leute, die eine überschaubare Sammlung italienischer Gerichte für den Hausgebrauch suchen und die mehr Wert auf einfachere Rezepte mit qualitativ hochwertigen, aber gut beschaffbaren Zutaten und auf Praktikabilität legen, als auf den allerletzten kulinarischen Clou. Einen Punktabzug gibt es von mir nur für das zwar sicherlich konsistente, aber wenig überraschendes Konzept und die seichten Texte.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2014

3 Kommentare

  1. Thoralf

    Ja, ich kenne Gennaro Contado auch von der Sendung „Two greedy Italians“ mit Antonio Carluccio. Ich hätte das Buch sicher auch ungesehen so gekauft, aber nach dieser tollen Bewertung natürlich noch umso mehr – gleich nach dem Italien-Urlaub!
    Vielen Dank und beste Grüße
    Thoralf

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