Kochbuch von Gennaro Contaldo: Pronto!

Kochbuch von Gennaro Contaldo: Pronto! ★★★☆☆

Pronto!
Gennaro Contaldo
Fotos: Kim Lightbody
Ars Vivendi Verlag (2019)

Laura Skandy

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Schnelle italienische Küche – da kann nichts schiefgehen, dachte ich mir, das gibt’s bei mir fast jeden (Feier-)Abend. Mit „Pronto!“ hoffte ich, mein Repertoire noch etwas zu erweitern. Geklappt hat das nicht so recht, vielleicht, weil ich schon „Pronto“-Expertin bin?

Gennaro Contaldo (Foto unten) kennen viele in Deutschland nur als Jamie Olivers väterlichen Freund und Fotogefährten, in Großbritannien hat er sich als Fernsehkoch und Kochbuchautor einen Namen gemacht. In Italien geboren, begann er seine Kochkarriere an der Amalfi-Küste, bevor er Ende der Sechziger nach Großbritannien auswanderte. Dort arbeitete er zunächst in diversen Londoner Restaurants, bevor er sich im Rahmen diverser Fernsehshows zunehmend als Vermittler der italienischen Küche in Großbritannien etablierte.

Kochbuchautor Gennaro Contaldo

Für „Pronto!“ lautet das Programm: klassisch italienische Küche, aber schnell. Innerhalb von 40 Minuten soll ich ein „üppiges italienisches Festmahl“ auf dem Tisch haben, behauptet der Klappentext. In einer kurzen Einleitung bekennt sich Contaldo zu einer puristischen italienischen Küche mit frischen Zutaten und stellt schon mal klar: Um wirklich unkompliziert und schnell kochen zu können, bedarf es einer guten Vorratshaltung. Eine entsprechende Checkliste mit ca. 40 nützlichen Basiszutaten hat er ebenfalls zusammengestellt – mit wenigen Ausnahmen kann ich diese Grundausstattung tatsächlich jedem Kochanfänger empfehlen, der sich die mediterrane Küche erschließen will. Ich bin erst einmal positiv gestimmt, was das anstehende Testkochen angeht!

Wählen kann ich aus Rezepten für Salate, Suppen, Pasta, Risotti, Fisch, Fleisch, Gemüse, Desserts sowie Grundrezepten. Die Strukturierung der Seiten ist übersichtlich, es ist jeweils eine Kochzeit angegeben, eine kurze Einleitung zu jedem Rezept erläutert kulinarische Hintergründe und gibt Tipps zur Beschaffung der Zutaten. Alle paar Seiten findet sich auch ein Rezeptfoto. Alles in allem unterstreicht die Buchgestaltung das Konzept: sachlich, übersichtlich, bündig.

Kochbuch von Gennaro Contaldo: Pronto!

Wenig Überraschung, viel Feinkost

Bei genauer Sichtung der Rezepte fällt auf: Günstig ist Contaldos Küche zumindest für die deutsche Köchin nicht. Zum einen werden zahlreiche Spezialzutaten benötigt, die hierzulande fast nur im italienischen Feinkosthandel zu bekommen sind (Pane Carasau, Castelluccio-Linsen, Fontina, Bresaola, Dolcelatte), zum anderen wird viel Fisch und Fleisch verwendet (auch außerhalb der Spezialkapitel zu Fleisch- und Fischgerichten) oder häufig auf teure Grundzutaten zurückgegriffen (Steinpilze, Safran etc.). Ich frage mich: Ist eine wirklich klassische italienische Küche vielleicht weniger budgetfreundlich, als gemeinhin erwartet wird?

Eins scheint klar: Wer wie Contaldo eine puristische Küche bevorzugt, sollte bereit sein, bei den verwendeten Zutaten auf Qualität zu achten. Die Verwendung spezifisch „italienischer“ Zutaten ist aus meiner Sicht aber nicht nötig, um die italienische Küche authentisch abzubilden.

Ich suche mir einfach einige preislich moderate Rezepte heraus (und das Steinpilz-Safran-Risotto – beide Hauptzutaten hatte ich schon vorrätig) und mache mich immer dann an die Arbeit, wenn mir ein stressiger Arbeitstag wenig Zeit zum Kochen lässt. Mein erstes Rezept, das Risotto con lenticchie, kann voll überzeugen: schnell gemacht, wenig Abwasch, guter Geschmack. Ich fühle mich an einen deutschen Linseneintopf erinnert, nur mit mehr Umami und cremiger. Mein Esspartner ist ganz begeistert.

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Als nächstes probiere ich mich am Salmone con finocchio. Hier stimmt die Garzeit des Fenchels meines Erachtens nicht, ich brauche deutlich mehr als „einige Minuten“. Alles in allem eine gute Beilage zu Pasta, aber auch keine geschmackliche Offenbarung. Ähnlich ergeht es mir mit dem Risotto al zafferano con porcini secchi: ein anständiges Ergebnis ohne Überraschungen, was bei der Verwendung von Steinpilzen und Safran schon fast ein wenig schmerzt.

Guter Standard ohne Überraschungen

Insgesamt entpuppen sich fast alle gekochten Rezepte als solide, aber auch nicht viel mehr als das. Nach dem Kochen habe ich ein schmackhaftes Essen auf dem Tisch, jedoch keines, an das ich mich lange erinnern werde. Mir kommt es mitunter vor, als hätte ich das getestete Gericht schon mehrfach auf dem Teller gehabt. Vielleicht bin ich als Liebhaberin der italienischen Küche keine ideale Rezensentin, aber „Pronto!“ reißt mich nicht so recht mit. Ich glaube, ich vermisse einen „Twist“, etwas, das man als Contaldos Handschrift bezeichnen könnte – oder auch einfach einige herausragend gute Rezepte. Andererseits: Das Versprechen einer schnellen italienischen Küche löst „Pronto!“ ohne Frage ein. Und das Linsenrisotto übernehme ich gerne in meine Feierabendlonglist.

Wer die italienische Küche bereits kennt und sich einige alltagstaugliche Standards zurechtgelegt hat, wird hier keine großen Offenbarungen erleben. Andererseits: Kochanfänger*innen, die sich einige Rezepte für die Arbeitswoche erarbeiten möchte, könnten mit diesem Buch glücklich werden – solange sie bereit sind, etwas tiefer in die Tasche zu greifen und längere Einkaufswege in Kauf zu nehmen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2020

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