Kochbuch von Gaitri Pagrach-Chandra: Sugar and Spice

Kochbuch von Gaitri Pagrach-Chandra: Sugar and Spice ★★★★★

Sugar and Spice
Gaitri Pagrach-Chandra, Fotos Yuki Sugiura
Pavilion (2013)

Katja Böttger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Pling – dieses Buch ist vom Himmel gefallen. Eine Sammlung von Zauberformeln. Eine Schatztruhe voller Juwelen. Ein Wikileak süßer Geheimnisse. Kurzum: Dieses Buch gebe ich nie wieder her!

Süße Leckerbissen mag ich am liebsten, wenn die Süße nicht allein kommt. Süßes mit säuerlicher Frucht, mit Schärfe, Salz oder exotischen Gewürznoten, das sind für mich Traumpaarungen. Und da kommt dieses Buch namens Sugar & Spice daher, mit Untertitel Sweets & Treats from Around the World, ein Angebot, das ich unmöglich ausschlagen kann.

Vor mir liegt ein dickes, erfrischend schlicht gestaltetes Buch: Viel Text in verschiedenen Schriften, ein paar blassfarbige Linien und Flächen, dazwischen appetitliche ganzseitige Rezeptfotos (Fotografin: Yuki Sukiora) – das war’s. Keine gerüschten Küchenschürzen, keine Wirtschaftswunder-Retro-Nostalgie – ein freundliches Willkommen für Menschen wie mich, die es nicht so mit der Perfektion haben und für filigrane Bastelarbeiten zu ungeduldig sind.

Dem Rezeptteil vorangestellt sind ausführliche Kapitel über wichtige Zutaten, Grundlagen zum Umgang mit Zucker, Nuss und Schokolade sowie über Werkzeuge und Ausrüstungsgegenstände. Praktisch: Neue Küchengadgets muss ich nicht anschaffen. Unverzichtbar sind lediglich eine grammgenaue Waage sowie ein Zuckerthermometer, und auch alles andere findet sich in meinen Schubladen oder lässt sich improvisieren.
Auch die Zutaten sind erstaunlich gut zu beschaffen. Einiges ist hier zwar nicht 1:1 erhältlich, dafür ist sehr exakt beschrieben, auf welche Inhaltsangaben zu achten ist und welche Zutaten durch andere ersetzt werden können.

Magical Marzipan, Nice and Nutty, Totally Truffles, Brownie Bites, Shortbread Selection, A Tartlett or Two, Delicious Dainty – unter den insgesamt elf klangvollen Kapitelüberschriften werde ich schnell fündig. Mein erster Testkandidat sind die „Spicy Peanut and Seed Brittle“ – Erdnüsse, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, ummantelt mit Karamell. Soweit so lecker – aber dann die Würze … Zimt, Ingwer und Koriander, gekrönt durch die Schärfe von Cayenne-Pfeffer! Weiter geht’s mit den Schokotalern mit Zuckerperlen („hundreds and thousands“). Wie einfach – und wie hübsch! Und dann Marshmellows – aus ganz normalen Zutaten aus dem Vorratsschrank!

kochbuch-sugar-spice-usUnd es geht so nahtlos weiter. Stummes Schwelgen und Genießen. Zunehmend komme mir vor wie ein Zauberlehrling, mit einer großen Pfanne als Zauberkessel, einem Zuckerthermometer als Zauberstab und einem Buch voller wertvoller Formeln. Alles funktioniert, alles schmeckt. (Links: das US-Cover)

Gaitris Begeisterung ist ansteckend: Sie schreibt persönlich, zuweilen amüsant und immer mit einem Blick aufs Wesentliche, mit deutlichen Hinweisen und Warnungen an den schwierigen Stellen, aber auch mit praktischen Tricks und Kniffen, wie der Weg gelegentlich abgekürzt werden kann. Dabei reiht sie nicht einfach Zutaten, Mengen- und Temperaturangaben und Arbeitsschritte aneinander, sondern fasst auch sehr präzise und bildhaft in Worte, welche Veränderungen etwa in Farbe und Textur beobachtet werden können und worauf dabei zu achten ist. Und dazwischen immer wieder Interessantes und Lehrreiches.
Wer ist die Autorin, die ein so schönes Buch verfasst hat, und von der sich auf fast dreihundert Seiten nicht einmal ein klitzekleines Foto findet?

Berührend schildert sie ihren außergewöhnlichen Lebensweg, bei dem ihr Süßes und Exotisches nahezu buchstäblich in die Wiege gelegt wurde. Geboren und aufgewachsen im südamerikanischen Guyana, reichen die Wurzeln ihrer Familie nach Indien. Als Kontraktarbeiter – „Lohnsklaven“ – waren ihre Vorfahren einst nach Guyana gekommen, um nach Abschaffung der Sklaverei auf Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. So verbrachte sie ihre Kindheit auf Zuckerrohrplantagen, wo sich rund um das jeweilige Clubhaus ethnische Vielfalt und britisch inspirierter Lebensstil zu einer ganz eigenen Welt verbanden. Der Kontrast dürfte kaum größer vorstellbar gewesen sein, als sie ihre tropische Heimat verließ, um in Halifax im kanadischen Nova Scotia zu studieren. Ein Auslandsjahr führte sie nach Salamanca, wo sie nicht nur den Turrones verfiel, sondern auch ihren späteren Ehemann traf, mit dem sie heute in seiner niederländischen Heimat lebt und arbeitet.

Mit Sugar & Spice ist ihr ein zauberhaftes Buch gelungen, charmant, persönlich und zugleich gespickt mit fundiertem Hintergrundwissen, randvoll mit köstlichen Rezepten für exotische und vertraute Leckerbissen, vieles auch als Mitbringsel aus der Küche geeignet, eine unerschöpfliche Quelle an Ideen. Ein Volltreffer!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2014

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