Kochbuch von Gabriele Gugetzer: Lunch Bowls

Kochbuch von Gabriele Gugetzer: Lunch Bowls ★★★☆☆

Lunch Bowls – 42 fantastische Rezept-Kombis
Gabriele Gugetzer
Fotos Udo Einenkel
BLV Buchverlag (2017)

Thomas Knogge

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

„Eat the rainbow“, was für eine herrliche Beschreibung, die bunten Bowls zu essen. Gabriele Gugetzer will damit für den neuen Trend begeistern und hat sich auf Rezepte von Bowls zum Mittagessen spezialisiert. Zunächst ließ ich mich auch noch begeistern, wurde aber dann doch nicht so richtig warm mit dem Buch …

Bücher über Bowls ploppen gerade an allen Ecken hoch. Warum dann nicht auch mal spezielle Rezepte für Lunch Bowls – für Bowls im Büro? Gabriele Gugetzer hat es sich aus Japan abgeschaut, wie sie schreibt. Dort würden verschiedene Zutaten in einer hübschen Box nebeneinander „einsortiert“ und erst vor dem Verzehr gemixt.

Für eine Lunch Bowl sei es egal, ob dazu eine spezielle „Bento“-Box gekauft werde oder eine gut verschließbare Frischhaltedose. Gemüse könne vorgeschnitten werden, Reis, Couscous und Co. ließen sich mit etwas Öl in einem Topf erwärmen. So zumindest ihre Idee.

Klarer Aufbau, ansprechendes Design und sehr gestylte Fotos

Zu Beginn stellt Gabriele Gugetzer (Foto links) vor, wie eine Bowl in vier Schritten zusammengestellt wird: 1. Etwas zum Sattwerden, 2. rohes und gegartes Gemüse, 3. Proteine durch Tofu oder Hähnchen und etwas Cremiges durch Gemüsepürees (eigentlich 2 Schritte) sowie 4. etwas Raffiniertes wie Süßkartoffelchips.

Die 42 Rezepte sind drei Themen zugeordnet: Everyday Bowls, Sophisticated Bowls und Deluxe Bowls. Sie sind alle sehr übersichtlich auf einer Seite dargestellt und mit einem Foto prall gefüllter Bowls ergänzt. Gegenüber den Rezeptangaben scheinen mir die Bowls allerdings großzügiger befüllt worden sein. Von dem anfänglich erwähnten Thema „Lunch Bowls im Büro“ lässt sich später nichts mehr finden. Eine Frischhaltebox auf einem Schreibtisch hätte mir dann doch gefallen …

Ein auf und ab des Geschmacks

Angefangen habe ich mit der Avocado-Bowl: Roter Reis, eine halbe Avocado für jeden, roher Fenchel und ein Koriander-Nuss-Pesto. Das ist ein Rezept für eine Bowl mit den typischen Eigenschaften frisch, gesund und sättigend. Die Koriandercreme hat uns begeistert, kann aber für vier Personen ruhig etwas mehr sein. Die Knusperschalotten (in Buttermilch eingelegt, in Mehl gewendet und golden gebraten) sind eine besonders tolle Idee. Diese Bowl war bei der ganzen Familie beliebt, wenn auch der rohe Fenchel nicht bei allen auf Gegenliebe stieß.

Dieser vielversprechende Anfang konnte sich aber leider mit der Polenta-Bowl nicht fortsetzen. Zwar eine interessante Zusammensetzung mit Mangold, Pfifferlingen und grüne Bohnen, die aber hier und da noch deutlich nachgewürzt werden musste. Es fehlten Bohnenkraut und Salz, und die Pfifferlinge nach dem Braten noch weich zu köcheln, entspricht nicht meinem Geschmack.

Danach war ich etwas enttäuscht, und meine Familie schaute mich kritisch an, als ich einige Tage später noch mal das Buch für die Falafel-Bowl zückte. Aber das Foto sieht einfach zu genussvoll aus, also nichts wie ran.

Die Falafel sind beim Frittieren zerfallen, die Mehlmenge scheint einfach zu gering zu sein. Insgesamt sind bei mir auch nur etwa neun Falafel mit der angegebenen Menge machbar, sicherlich aber nicht sechs pro Schüssel, wie das Foto suggeriert. Auch fielen mir dann Kleinigkeiten auf, wie der fehlende Hinweis, dass die Frühlingszwiebeln nicht nur geputzt, sondern auch klein geschnitten werden sollten. Oder auch, dass nicht die ganze Kresse für den Dip vorgesehen war, sondern etwas zum Streuen am Schluss aufbewahrt werden sollte.

Zum Weiterlesen

Leseprobe aus „Lunch Bowls“

Alles von Gabriele Gugetzer bei Valentinas

Gabriele Gugetzer im Food Editors Club e. V.

An der Stelle überkamen mich Zweifel an meinem Geschmack – immerhin finde ich die Aufmachung des Buches, die Farben und die Schriftzüge sehr ansprechend. Noch ein Versuch mit der Orient-Bowl (Foto oben). Das Rezept lässt sich gut umsetzen, und den Fisch mit Granatapfelsirup zu bestreichen, ist eine leckere Idee. Aber beim Couscous benötigte ich die dreifache Menge und von den Kichererbsen können es nach meinem Geschmack ruhig 100 g mehr sein.

Wenn schon einige Bowl-Bücher im Schrank stehen und noch ein hübsches Buch mit neuen Ideen fehlt, kann man bei diesem Buch gerne zugreifen. Die Fotos sind leider nicht immer so, wie die Bowls in natura aussehen, da wurde an Menge nachgeholfen. Das anfänglich aufgegriffene Thema „Bowls im Büro“ hätte sich durchaus noch in den Fotos, aber auch stärker noch in irgendeiner Form in den Rezepten wiederfinden sollen. So bleibt es bei drei unaufgeregten Sternen für die „Lunch Bowls“.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2018

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