Kochbuch von Gabi Kopp: Das persische Kochbuch


Kochbuch von Gabi Kopp: Das persische Kochbuch
 ★★★★☆

Das persische Kochbuch

Bilder, Geschichten, Rezepte

Gabi Kopp
Verlagshaus Jacoby & Stuart (2013)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Isabel Geigenberger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Vor mir liegt ein weich gebundenes, handliches Kochbuch, das durch seine illustratorische Gestaltung aus dem Rahmen der Kochbuchriegen fällt. Die Schweizer Illustratorin und Cartoonistin Gabi Kopp legt damit das zweite Werk dieser Art nach dem Istanbul-Kochbuch von 2010 vor.  

Grundprinzip ist ein feuilletonistischer Ansatz: Frau Kopp reist in ein Land oder eine Stadt, besucht ausgewählte Familien, Köche und Restaurants und stellt uns deren Rezepte und kurze Lebensgeschichte vor. Dazwischen kurze Stadtporträts, persische Traditionen und alles liebevoll und farbenfroh illustriert.

persische-kochbuch_kopp-walnussFür viele ist ja ein Kochbuch ohne Fotos ein „No-go“, auch meine Tochter vermisste Abbildungen, nach denen sie sich dann ihre Wunschrezepte aussuchen hätte können. Die abgebildeten Gerichte sind nicht detailliert und auch nicht den Rezepten zugeordnet, sondern nur schmückend. Ich bin da weniger apodiktisch. Durch die Illustrationen erhält das Buch etwas Zeitloses und macht vermutlich auch in zwanzig Jahren noch „bella figura“ im Bücherregal, wenn die Hochglanzfotografien der Anderen vergilben und nur zu deutlich vom damaligen Zeitgeist künden. Nur manchmal hätte ich gern mein Ergebnis mit einem Vorbild verglichen, vor allem, wenn ich mich an gänzlich Unbekanntes wagte.

Persische Küche kannte ich vor allem durch gelegentliche Restaurantbesuche und Verköstigungen durch meine liebe Freundin Parisa. Viel Reis, Walnüsse, Mandeln, Berberitzen, Granatapfelsirup, Safran, Kräuter (frisch und getrocknet), getrocknete Limonen und Rosenwasser sind wesentliche Bestandteile dieser Küche. Die meisten Fleischgerichte gewinnen sehr durch lange Kochzeiten oder Wiederaufwärmen. Reis wird gern mit einer Kruste gekocht und gestürzt serviert. Es ist eine gesellige Küche, die sich eher weniger für Singlehaushalte oder den kleinen Snack zwischendurch eignet. Eine schöne Gelegenheit, Freunde zum Probeessen einzuladen.

Ich habe alle Gerichte wiedergefunden, die ich bereits kannte und auch viel Neues entdeckt. Bei der Durchführung griff ich häufiger auf Zusatzinformationen aus den Weiten des Internets zurück: einige praktische Fragen werden nicht nur nicht beantwortet, sondern erst gar nicht gestellt. Wie kann ich spezielle frische Kräuter ersetzen, kann ich den besonderen Reis mit Kruste auch im Reiskocher zubereiten, wie kann ich die hier erhältlichen getrockneten persischen Kräutermischungen einsetzen? Man gewinnt den Eindruck als hätte sich die Autorin mit dem Festhalten der Rezepte vor Ort begnügt und sich nicht intensiv um die praktische Durchführbarkeit in Deutschland/Schweiz gekümmert.  Noch ein Kritikpunkt: die Seitenangaben des Rezeptverzeichnis weisen mehrere Fehler auf, eine Nachlässigkeit, die eine Leserin schon beim Istanbul-Kochbuch (dem Vorgänger) bemängelte.

persische-kochbuch_kopp-insideDie Rezepte sind den drei großen Städten Schiras, Teheran und Isfahan zugeordnet, nur teilweise sind damit auch die Regionen gemeint. Meist folgt der Kurzbeschreibung der Stadt die Vorstellung eines Restaurants oder eines typischen Verkaufstands für Säfte oder Eis, dann werden Privatpersonen oder Familien mit einer kurzen Lebensgeschichte vorgestellt. Die Rezepte des Buches stammen also vorwiegend aus den Privathaushalten. Neben den Lebensgeschichten finden sich noch Exkurse zu persischem Reis, einer Süßbrotbäckerei oder einem Lammkopfrestaurant. Durch diese Zusammenstellung  erhält das Buch den Charakter eines Reisetagebuchs: durchs Land gereist, zugehört, angeguckt, aufgeschrieben und illustriert. Das Buch erhält dadurch Leichtigkeit, trägt aber auch den Stempel des Zufälligen und gibt mir nicht das Gefühl, die verschiedenen Regionen und Einflüsse etc. wirklich erfasst und verstanden zu haben. Feuilletonistisch eben und ganz und gar nicht enzyklopädisch. 🙂

Für mich ist Das persische Kochbuch ein schöner Appetithappen, der den Wunsch nach einem etwas gründlicheren, umfassenderen Werk weckt. Von den gekochten Gerichten kam Sereschk Polo Ba Morgh am besten an. Gerne wird zum Essen Naturjoghurt gereicht, dadurch erhalten die Schmorgerichte eine schöne Frische.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2014

5 Kommentare

  1. Isabel

    Super, Turi,
    ganz herzlichen Dank für das Rezept, das liest sich schon mal besser und macht Appetit. Granatapfelsauce hab ich natürlich die richtige. Isst Du es lieber mit Huhn oder Ente?

    LG
    Isabel

  2. Turandot

    Hallo,

    Fesenjan ist eines meiner Lieblingsgerichte und ich habe ein Rezept von einer persischen Freundin, das gut funktioniert (und so schmeckt, wie ich es kennen gelernt habe):

    für 4 Personen

    Zutaten:

    Olivenöl
    2 Zwiebeln gewürfelt
    Safran, in heißem Wasser gelöst 0der
    1/2 TL Kurkuma
    400 g Walnüsse gemahlen
    50 g Walnüsse grobgehackt
    Salz und Pfeffer
    1 Ente von ca. 2,5 kg oder ein Huhn
    120 ml Granatapfelsoße
    50 g Zucker

    Die Ente – oder das Huhn – säubern und großzügig Überflüssiges abschneiden, Haut jedoch weitgehend daran belassen. In nicht zu kleine Portionsstücke teilen, in einer weiten Pfanne in wenig Öl anbraten, bis alles ringsum goldbraun ist. Das dauert einige Zeit, dabei leicht salzen.

    Zwiebeln ebenfalls kräftig braun anrösten; Walnüsse leicht rösten. Mit Wasser, Safran oder Kurkuma sowie Zucker, Salz und Pfeffer verrühren, aufkochen und ca. 20 Minuten köcheln lassen. Dann das Fleisch in die Walnußsauce legen, untermischen und die Granatapfelsauce zugeben. Bei niedriger Temperatur zugedeckt ca.30-60 Minuten – oder auch länger – köcheln lassen. Zwischendurch immer wieder umrühren, damit nichts anbrennt.

    Soviel Fett wie möglich von der Sauce abschöpfen. Abschmecken und ggf. mit Zitronensaft nachsäuern und
    mit den gehackten Walnüssen bestreuen. Und wenn man einen reifen Granatapfel erwischen kann, kann man auch die roten Kerne darüber streuen.

    Die Walnüsse werden in manchen Gegenden durch Mandeln und Pistazien 1:1 ersetzt.

    Ich finde, das Gericht steht und fällt mit der richtigen Granatapfelsauce: sie ist dickflüssig, dunkelbraun, sauer und sehr würzig ist. Ich habe mehr davon verwendet. – Leider verwenden manche Nicht-Perser Grenadine (und sind dann nicht besonders begeistert von dem Gericht).

    Ach ja – statt Wasser verwende ich Geflügelbrühe.

    Gruß Turi

  3. Katja

    Hallo,
    dieses kleine (und wie ich finde liebevoll gestaltete) Buch, hatte ich auch schon in den Händen. Damals hat das Buch es zwar nicht in den Einkaufskorb geschafft (da waren andere Favoriten), doch aus dem Kopf ist es mir nicht gegangen.
    Ich denke, das es aber nun bei meinem nächsten Besuch in der Buchhandlung mit nach Hause gehen wird 😉
    Danke für die Rezension.
    LG Katja

    • Isabel

      Hallo Katja,
      das hat es das Büchlein sozusagen von der Wiedervorlage auf die Einkaufsliste geschafft, freut mich. Ganz viel Spass beim Ausprobieren!
      LG
      Isabel

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