Kochbuch von Gabi Kopp: Das Istanbul Kochbuch

Kochbuch von Gabi Kopp: Das Istanbul Kochbuch ★★★★★

Das Istanbul Kochbuch
Gabi Kopp, Jacoby & Stuart (2010)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Christiane Schwert

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Die Illustratorin Gabi Kopp ist nach Istanbul gereist und hat Menschen, die ursprünglich aus den verschiedensten Regionen der Türkei stammen, in die Töpfe geschaut. Dabei ist ein wunderbar illustriertes Buch entstanden und wie nebenbei eine einzigartige Rezeptsammlung, die einen echten Einblick in die Küche der Türkei bietet. Ein Konzept, das mich restlos überzeugt hat! Und ein besonderes Koch- und Lesebuch, dem ich viele Leser und Nachkocher wünsche!

Auf dem mit jeder Saison enger werdenden Kochbuchmarkt wird es für Verlage immer schwieriger sich zu positionieren. Beinahe zwanghaft originell mutet dabei manch ein Titel an. Da ist dem kleinen Berliner Verlagshaus Jacoby&Stuart mit seinem Istanbul-Kochbuch in meinen Augen etwas ganz Besonderes gelungen. Das Konzept ist dabei so überzeugend wie simpel: Nicht irgendwelche selbsternannten Experten einer Landesküche kommen hier zu Wort, sondern Menschen aus den verschiedensten Teilen der Türkei stellen ihre Rezepte vor. Rezepte, die innerhalb von Dorfgemeinschaften mündlich von Großmutter zur Mutter zur Tochter überliefert wurden. Der Autorin Gabi Kopp ist es so gelungen, unterschiedlichste kulinarische Traditionen mit all ihren geografischen, kulturellen oder geistig-religiösen Besonderheiten einzufangen.

In der Küche des Gastes

Auf je einer Doppelseite zeichnet Kopp auf beinah naive Weise die jeweilige Person, in deren Küche sie gerade zu Gast ist. Es folgt ein kurzer biografischer Abriss, stets mit Hinblick auf kulinarische Traditionen und Hintergründe. Kopp schreibt dabei, wie sie zeichnet, auf angenehm zurückhaltende Art, sachlich und doch ihrem Gegenüber zugewandt. Ich habe das sehr gern gelesen und betrachtet, mit dem Gefühl hier tatsächlich einen einzigartigen Einblick zu bekommen. Kopp ist Mittlerin ohne dominant zu sein, sie will lernen, schauen, hören. Man selbst wird so zum Beobachter und es entsteht eine echte Nähe zu dieser Landesküche. Die vielen Köche verderben hier nicht den sprichwörtlichen Brei, sondern stellen einen absoluten Gewinn dar und sind Bürgen kulinarischer Authentizität.

Die Beschreibung der Rezepte, von denen übrigens viele ohne Fleisch auskommen, reduziert sich auf das Wesentliche. Sie sind sorgfältig verschriftlicht und informativ ohne geschwätzig zu sein. In einem guten Glossar beantwortet die Autorin (Foto links) mögliche Fragen. Mit einer gewissen Grundausstattung lassen sich die meisten Rezepte prima nachkochen. Wiederholt benötigt man Paprikapaste (scharf oder mild), die für mich eine schmackhafte Entdeckung war; Minze, getrocknet oder frisch, Pul Biber und natürlich glatte Petersilie. Die wird, laut Glossar, in der Türkei zu 350g verkauft, und bei meinem Neuköllner Gemüsehändler auch! Und ich habe mich immer gefragt, wer diese Riesen-Bünde Petersilie braucht…

Ein Kochbuch, das den Leser an die Hand nimmt

Ergänzt werden die Rezepte durch ein oder zwei informative Sätze, die das Gericht erklären oder eine dazugehörige Anekdote zum Besten geben, wie z. B. zu den türkischen Ravioli: „Manti sind Teigtaschen, die besonders klein sind. In Kayseri sagt man: Wenn 40 Manti auf einem Esslöffel Platz haben, ist die Frau eine fähige Hausfrau.“ Ungewöhnlich, aber absolut einleuchtend fand ich bei einigen Teiggerichten den Hinweis, dass der Teig „Ohrläppchenkonsistenz“ haben soll!

Die einzige Schwierigkeit bei diesem tollen Buch lag für mich in seiner kulinarischen Beurteilung. Denn es kann in meinen Augen hier nicht um gut oder nicht gut gehen, da die verschiedenen Köche ihre ganz persönliche Jeden-Tag-Küche vorstellen. Der Versuch einer objektiven Bewertung verbietet sich da beinah, denn es ist, als würde man eine ganze Landesküche beurteilen wollen. Umso klarer fällt meine Begeisterung für die Buchidee aus, wie Gabi Kopp sie realisierte – toll!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2010

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