Kochbuch von Fuchsia Dunlop: Every grain of Rice

Kochbuch von Fuchsia Dunlop: Every grain of Rice ★★★★★

Every grain of Rice
Fuchsia Dunlop, Bloomsbury Publishing (2012)

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Wenn es eine Landesküche gibt, mit der ich mich schwer tue, dann ist es die chinesische. Ich esse gerne chinesisch, aber beim Kochen hapert’s. Ich habe in der Vergangenheit zwar bereits nette chinesische Mahlzeiten aus anderen Kochbüchern fabriziert, allein es bleibt eine Hürde, die chinesische Küche bleibt mir fremd, meine Chinakochbücher fristen ein ungelesenes Schicksal im Regal. Soll es einfach nicht sein, oder habe ich noch nicht meinen wahren Lehrmeister gefunden? Ich entscheide mich für Nachhilfeunterricht bei Fuchsia Dunlop.

Bereits das fuchsienfarbene Cover mit dem an Origamipapier erinnernden Reiskornmuster gefällt mir außerordentlich, und der Untertitel „simple chinese home cooking“ ist Programm. Selbst wer die Einführung zu chinesischen Geschmackswelten, magischen Zutaten und Küchenutensilien ignoriert und sofort mit dem Rezeptteil beginnt, erlebt eine angenehme Überraschung: die Rezepte lesen sich leicht, einfach, ja, irgendwie westlich. Chinesisch sind Name des Gerichts und natürlich einige Zutaten, aber Fuchsia Dunlop schafft es, dass die Zubereitung keinerlei Fremde entstehen lässt. Ob dies daran liegt, dass hier eine Europäerin für ihresgleichen schreibt, weiß ich nicht, aber dieses Buch nimmt mich als Leserin ganz unkompliziert mit in die chinesische Hausmannskost, wie sie bei Fuchsia Dunlop serviert wird.

Und dies kann als Qualitätsurteil gelten, denn die Autorin war die erste westliche Köchin, die am „Sichuan Higher Institute of Cuisine“ ausgebildet wurde (hier schreibt sie darüber). Fast zwei Jahrzehnte hat sie China bereist und bewegt sich derart heimisch in der dortigen Cuisine, dass sie eigene chinesische Gerichte erfindet und ihnen natürlich auch chinesische Namen gibt, schließlich spricht sie die Sprache fließend. Ihre Lieblingsküche ist die berühmte Szechuanküche, die uns als scharf, den Chinesen als besonders ausgefeilt gilt. Fuchsia schreibt neben Kochbüchern auch für verschiedene gastronomische Zeitschriften, besonders gefiel mir ein Artikel, in dem sie chinesische Freunde in die gehobene westliche Küche einführt – Kulturschock inklusive.

fuchsia-cl-valGespannt, wie ihre Rezepte schmecken, bin ich sehr angetan, dass ich mit kaum mehr als einer Flasche Sojasoße und Reisessig bereits für eine gute Anzahl an Rezepten ausreichend ausgestattet bin. Tatsächlich soll sich erweisen, dass ich leider nur wenige zusätzliche Zutaten vor Ort einkaufen kann, aber selbst das reicht aus, um ausgiebig aus diesem Band zu kochen. Wer aber einkaufen will und kann, der findet im bebilderten Anhang absolut alle Unterstützung, die man braucht, inklusive chinesischer Beschriftung der Zutaten, da nach Dunlop Übersetzungen notorisch unzuverlässig seien. Lobenswert! Ich muss das erste Gericht unbedingt noch an dem Tag, an dem das Buch bei mir eintrifft, ausprobieren und bin von dem einfachen, schmackhaften Rindfleisch mit Kreuzkümmel sehr angetan. Das macht Lust auf mehr, und jedes weitere Kocherlebnis wird der so früh geschürten, positiven Erwartung gerecht. So soll es sein!

Fuchsia Dunlop bietet in der Einleitung Ideen, wie man verschiedene Gerichte zu Menüs für zwei, vier oder sechs Esser kombiniert, und da die Rezepte sehr klar strukturiert sind, empfinde ich das gleichzeitige Kochen mehrerer Rezepte nicht als streßig. Es wird geschnippelt, bereitsgestellt, und die letzten Handgriffe sind stets schnell und einfach durchzuführen. Nebenbei lerne ich so den ein oder anderen neuen Kniff. Mich und uns begeistern die alltagstauglichen, stimmigen Gerichte. Aus wenigen Zutaten lässt sich so viel zaubern, und neben bekannten Genüssen finde ich spannende neue Rezepte: Salat mit Mu-Err-Pilzen und Koriander, Radieschen in Chiliöl, gedünstete Forelle mit Chili-Bohnen-Soße, Sellerie mit Rinderhack, Reh mit gebratenem Lauch, ganz zu schweigen von der wundervollen Welt gefüllter Teigtaschen, vorzüglich step-by-step illustriert. Einzig die tausendjährigen Eier sehen schwarz-braun schimmernd eher gruselig als appetitlich aus.

Dunlops Rezeptauswahl beschränkt sich, sehr clever, auf nachkochbare Hausmannskost, hier findet man daher keine Pekingente, dafür aber die schnellsten Nudelrezepte der Welt. Ein Großteil der Rezepte ist mit den schlichten Fotos eines Chris Terry bebildert, das puristische Layout ist modern, aber nicht unterkühlt. Doch es sind viel mehr noch die kurzen Geschichtchen neben dem Rezept, die die Gerichte zu Leben erwecken und einem beim Lesen schon einmal das Wasser in Munde zusammenlaufen lassen. Auch sie sind ein Grund, warum ich mich in diesem Kochbuch so heimisch fühle, Fuchsia Dunlop ist eine ausgezeichnete kulinarische Fremdenführerin. Dies Buch verstaubt nicht im Regal, das bleibt in der Küche!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2013

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