Kochbuch von Frank Rosin: Neue deutsche Küche

Kochbuch von Frank Rosin: Neue deutsche Küche ★★★☆☆

Neue deutsche Küche

Frank Rosin, Fotos Klaus Arras
Dorling Kindersley Verlag (2013)
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Doris Brandl

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Er gilt als einer der besten Köche Deutschlands. Sein Restaurant „Rosin“ in Dorsten wurde mit 2 Michelin-Sternen ausgezeichnet und im Gault Millau wird er mit 17 Punkten geführt. Sein nun mittlerweile viertes Kochbuch hat er der neuen deutschen Küche gewidmet. Na, wenn das nicht vielversprechende Aussichten auf ganz besonders originelle Rezepte sind?

Bekannt war mir Frank Rosin bisher eher durch seine diversen Fernsehauftritte mit markigen Sprüchen, wie bei „The Taste“, den „Topfgeldjägern“ oder seiner Kochsendung „Rosins Restaurant – Ein Sternekoch räumt auf“. Vor kurzen grinste er mir auf einem Pappschild an einer Tankstelle entgegen. Hier empfahl er irgendwelche Messer. Überhaupt ist er rundum sehr verkaufstüchtig. Auf seiner Homepage wirbt er mit Küchenaccessoires und Delikatessen sowie Fanartikeln aus seiner eigenen Kollektion. Eine Koch-App und Videos sollen bei seinen Kochanleitungen helfen. Sogar Autogrammkarten kann man bei ihm bestellen – kostenlos. Kurz – ein Hans-Dampf in allen Gassen.

Mit entsprechender Erwartungshaltung, was der Sternekoch für neue Ideen zur deutschen Küche preisgibt, gehe ich ans Werk. Natürlich prangt Herr Rosin höchstpersönlich auf dem Cover. Aber okay, das machen ja viele. Das Buch selbst kommt gewohnt solide gebunden daher, wie alle Bücher von Dorling Kindersley.

Soweit zum Äußeren. Und wie sieht‘s mit den inneren Werten aus? Beim ersten neugierigen Durchblättern wird mein Appetit schon angenehm angeregt. Auf einen Blick habe ich auf der einen Seite das meist puristisch aber sehr schön fotografierte Gericht und gegenüberliegend das dazugehörige Rezept. Ja, hier bekomme ich Lust den Kochlöffel zu schwingen. Insgesamt 100 deutsche Klassiker hat er zusammengetragen und zum Teil modisch aufgepeppt. Er wolle mit seinen Rezepten zeigen, dass die heutige deutsche Küche nicht langweilig, sondern „spannender, effektiver und wertvoller ist als ihr Ruf“, schreibt er in seinem Vorwort. Ich finde zwar, dass die Zeiten langweiliger deutscher Küche lange vorbei sind, lasse mich aber gerne überraschen, wie er das umsetzt. Die Aufteilung der Kapitel entspricht dem üblichen: Vorspeisen und kleine Gerichte, Suppen, Fleisch und Geflügel, Fisch, Beilagen, Desserts und ein kleines interessantes Kapitel im Nachgang: Grundrezepte.

Alle Rezepte werden von Anmerkungen und Tipps begleitet. Teilweise finde ich sie hilfreich, teilweise sehr überflüssig. Es interessiert mich eigentlich nicht, ob er 25 Reibeplätzchen auf einmal vertilgen kann. Dafür hinterlassen andere Tipps bei mir Fragezeichen, z.B. dass man die Grundlage der Kartoffelmasse für Reibeplätzchen auch gut für Rösti verwenden kann. Und wie? Ist das dann ein und dasselbe Rezept und hat nur zwei unterschiedliche Namen?? Aber ich entdecke auch wirklich gute Tipps. Hier wird kurz erklärt wie z.B. durch Pürieren, Rösten oder Marinieren das Aroma verstärkt wird, wo Säure den Geschmack hebt oder wo Kontraste wie süß/salzig oder weich/Knusprig dem Gericht das gewissen Etwas geben.

kochbuch-frank-rosin-neue-deutsche-kueche-websiteNachdem ich die leckersten Abbildungen für die ersten Rezepte ausgewählt und meine Versuchsküche geöffnet habe, gerate ich doch gleich beim ersten Rezept mit dem wohlklingenden Namen „Buttrige Spinatnocken“ ins Stocken. Trotz mehrmaligem vor- und zurücklesen ist nirgends Butter im Spiel. Ähnliche Fragezeichen bilden sich bei anderen Rezepten mehrmals auf meiner Stirn. Man findet nicht unbedingt im Zubereitungstext eines Rezeptes alles wieder, was abgebildet oder laut Zutatenliste eingekauft wurde. (Hinweis: Der Fehlerteufel hatte es sich in der 1. Auflage gemütlich gemacht, die mir vorlag. Mittlerweile gibt es die 4. und die Fehler wurden lt. Verlag korrigiert. Beim Kauf daher am besten ins Impressum blicken.)

Insgesamt habe ich sehr leckere Gerichte entdeckt, wie die eben schon erwähnten Spinatnocken, Orangensauerkraut oder Schupfnudeln, aber auch Uralt-Rezepte, wie Kopfsalat mit Sahnedressing oder Krabbencocktail mit Dosenpfirsich und Mayonnaise . Und leider diverse Rezepte, die mir viel zu viel Fett enthalten – auch hier hat sich die deutsche Küche gewandelt, Herr Rosin!

Davon abgesehen hat sich so mancher Fehler eingeschlichen, wie schon erwähnt. Die buttrigen Spinatnocken werden im Rezept ausschließlich mit Olivenöl gebraten. Beim Selleriepüree zum Rote-Bete-Salat , was eigentlich total lecker ist aber auch viel zu viel Butter enthält, wird zwar bei den Zutaten die Zitrone aufgeführt, aber leider beim Zubereiten vergessen. Ebenso beim Pellkartoffelsalat mit Kapern-Rosmarin-Frikadellen bleibt das Rosmarin unterwegs auf der Strecke. Bei seiner original Bundeswehr Kartoffelsuppe kommen 400g Kartoffeln (die ungeschälte Menge gewogen) auf 1 ½ l Gemüsebrühe. Hier musste wohl sehr gespart werden. Laut Zubereitung wird der Frischkäse darin untergerührt, lt. Abbildung wird er als Klecks auf die Suppe gegeben. Was denn nun? Schon beim Anblick der konfierten Kartoffeln dreht sich mir der Magen um. 500g Gänseschmalz auf 16 Drillinge (Kartoffeln) oder Kartoffelstampf mit Olivenöl, fett triefend und viel zu süß. Wozu soll das denn passen?

Ich rufe mir noch einmal Frank Rosins Ansprüche in Erinnerung: „spannend, effektiv, wertvoll“! Aufmachung, Rezepte und Zubereitungsanweisungen sind gut und ausführlich beschrieben, mit nützlichen Zeitangaben für Vor- und Zubereitungszeiten sowie Warnhinweisen wie z.B. „verlangt Übung“. Es sind keine Sterneküchenrezepte, aber durchaus gästetaugliche Gerichte und vor allem deutsche Hausmannskost für jeden Tag, allerdings nicht sehr spannend. Bei den Fettmengen würde ich eher auf mein Gefühl vertrauen, als auf die in den Rezepten angegebenen Mengen. Das macht es für Ungeübte etwas schwierig, es sei denn man mag es sehr gehaltvoll. Was daran effektiv und wertvoll sein soll, erschließt sich mir nicht. Schade um viele gute Rezepte. Ich vermisse etwas die Sorgfalt und die neue Leichtigkeit der deutschen Küche gehört eindeutig nicht zu Frank Rosins Vorlieben.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2014

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