Kochbuch von Filiz Penzkofer: Cook mal türkisch

Kochbuch von Filiz Penzkofer: Cook mal türkisch ★★★★★

Cook mal türkisch. Deutsch-türkische
Rezepte und Geschichten
Filiz Penzkofer
Fotos Thorsten Suedfels
Coverfoto Caner Cangül
Gräfe & Unzer (2015)
Mehr über den Verlag

Dietmar Adam

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Wer in Deutschland kulinarisch Aufregendes und die neuesten Trends live erleben will, sollte sich nach Berlin aufmachen. Das muss ich leider aus Münchner Sicht eingestehen. In der Hauptstadt tragen auch die Küchen der verschiedensten Nationen zu einem steten Wettbewerb bei, in dem es keine Sieger gibt, sondern sich die Protagonisten austauschen und Neues entwickeln. Filiz Penzkofer mit türkischer Mutter und deutschem Vater tat das Naheliegende, nämlich deutsche und türkische Rezepte zu kombinieren.

Nun, auf den ersten Blick sieht das Buch der jungen Autorin ziemlich nach einem türkischen Kochbuch aus, aber das hat mich kein bisschen gestört, gibt es doch in der türkischen Küche mit ihrer großen Tradition vieles zu entdecken oder näher kennenzulernen. Wenn man etwas genauer hinschaut, erkennt man jedoch bald deutsche und andere Einflüsse, etwa wenn der Köfteteig mit kleingeschnittenen Spreegurken bereichert wird, zum Bohnentopf Laugenknödel serviert oder für eine ansonsten türkische Suppe Teltower Rübchen verwendet werden. Die Krönung dieser deutsch-türkischen Vermählung fand ich bei den Nachspeisen: es wetteifern dabei der Schwarzwälder Grießkuchen mit dem Couscous mit roter Grütze.

penzkofer-315-3Oriental Cheesecake oder doch lieber Neukölln fried Okra?

Aber damit ist die Mulitkultiköchin bei Weitem noch nicht am Ende ihres Einfallsreichtums: aufgetischt werden Crumble, georgisch angehauchte Auberginen, eine betrunkene Lammwurst, ein Oriental Cheesecake, eine vietnamesisch inspirierte Hochzeitssuppe, eine Bohnen-Joghurt-Suppe mit Popkorn, Sommerrollen türkischer Art, Lamb & Chips, Neukölln fried Okra und Gözleme-Quesadillas. Und das Schöne dabei: diese mitunter abenteuerlich wirkenden Kreationen haben Hand und Fuß, schon beim Lesen der Zutaten wird klar, dass das Endergebnis stimmig ist.

Und auch beim Nachkochen kommt Freude auf, da die Rezepte fast immer leicht zu realisieren sind. Hilfreich ist dabei auch, dass man sich vorher über die Dauer der Zubereitung und – wenn es denn unbedingt sein muss – die Kalorienzahl informieren kann. Die Zutaten sind, sofern man einen türkischen oder orientalischen Supermarkt in der Nähe hat, leicht beschaffbar, die auf das Wesentliche reduzierten Kochanweisungen entsprechen meinen Vorstellungen. Hinzu kommen noch gelungene stimmungsvolle Fotos (jedes Rezept ist bebildert – das ist ja leider nicht selbstverständlich), kurzum: ich bin sehr angetan von dieser zeitgemäßen Mischung aus Orient und Okzident, Tradition und modernen Trends.

Wie wär’s mit einem Fladenbrotknödel? Und danach Couscous mit roter Grütze.

Wie einfach diese Melange funktioniert, möchte ich an zwei Beispielen illustrieren. Die Knödel allein machen noch nicht viel her, die eher ungewöhnlichen Zutaten wie Fladenbrot, Ricotta und Frischkäse fallen geschmacklich nicht besonders ins Gewicht. Erst die Sauce aus (getrockneten) Pflaumen und Aprikosen, dem Wein, Nelken und Zimt macht das Ganze zu einem Erlebnis. Ähnlich das Couscous mit roter Grütze.

Natürlich werden Schleckermäuler schon vom Couscous mit weißer Schokolade und reichlich Butter begeistert sein, rund wird die Sache aber erst, wenn die Süße konterkariert wird durch die Fruchtigkeit der roten Grütze, die bei mir allerdings grundsätzlich mit Sago gekocht wird und nicht mit der langweiligen Stärke.

kochbuch-penzkoferMundgerecht

Diese Rezension bliebe unvollständig, wenn ich nicht auf die amüsanten Geschichten eingehen würde, mit denen Filiz Penzkofer ihre Rezepte garniert hat und die sich lesen, als wäre die Autorin bei Wladimir Kaminer oder Horst Evers in die Schule gegangen. Vieles hat dabei seinen Ursprung im Familiären: etwa die resolute türkische Großmutter, die ihre Enkelin gerne unter die Haube bringen würde, die nicht unkomplizierte Werbung ihres Vaters um die Mutter oder die Erlebnisse beim gemeinsamen Kochen.

Aber auch typisch Berlinerisches sorgt für Kurzweil, etwa wenn sich die scheinbar finstren Gestalten in einer zwielichtigen Gegend als liebenswert und hilfsbereit erweisen. Am meisten beeindruckt jedoch die Großmutter, die selbstverständlich auch das Buchprojekt ihrer Enkelin kritisch begleitete und ihr dabei alle „mundgerechten Häppchen“ aus dem Text streichen wollte. Denn: „So dumm, Häppchen zu schneiden, die nicht in den Mund passen, ist ja wohl niemand!“

Ich habe selten ein derart sympathisches Kochbuch in Händen gehalten. Hier stimmt einfach alles: Rezepte, Fotos, Geschichten, Kocherlebnis, Genuss. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Auswahl meiner Lieblingsrezepte.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2016

3 Kommentare

  1. Annegret

    Wir haben heute mit Freunden aus Syrien, Bangladesh und der Mongolei gekocht. Als Deutsche wollten wir auch etwas beisteuern….. Zum Glück habe ich mir nach eurer Rezension dieses Kochbuch gekauft. Wir haben diverse Dips und die Curryfallafel gemacht. Superlecker…ratzfatz weg…!!! Vielen Dank

  2. Petra

    1. Nö, ist glaub ich kein Buch für mich.
    2. Naja, die Rezension kann ich ja trotzdem lesen – die Besprechungen von Dietmar mag ich immer gern.
    3. Ui, die Rezension macht richtig Lust aufs Buch – ich sollt vielleicht doch reinschauen.
    4. Die Vorschau gefällt mir ja schon sehr gut.
    5. Ok, das Buch wird gekauft!
    6. Einfach mal ein Dankeschön für die tolle Arbeit, die ihr hier macht!

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