Kochbuch von Fadi Alauwad: Hayati – Syrische Heimatküche

Kochbuch von Fadi Alauwad: Hayati – Syrische Heimatküche ★★★★☆

Hayati – Syrische Heimatküche.
Eine kulinarische Reise durch den Orient
Fadi Alauwad
Fotos: Ilya Shapovalov
EMF Verlag (2017)

Julia Eckl-Dorna

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Fadi Alauwad war einst Starkoch in Syrien und kocht nun in einer Brasserie in Aachen. In seinem ersten Kochbuch „Hayati“ zeigt er uns, wie verblüffend einfach gute Küche sein kann. Keine langen Zutatenlisten, keine komplizierten Zubereitungsschritte – und das Ergebnis: Ausgewogener Geschmack und große Zufriedenheit.

Der Name des Kochbuchs, Hayati, bedeutet “Mein Leben” und drückt das Anliegen des Kochs und Autors Fadi Alauwad aus, uns in seine Welt und seine Heimatküche zu entführen. Man merkt von Anfang an, dass er stolz auf die Küche seines Heimatlandes ist – und wie ich begeistert feststelle: zu Recht.

Beste Garantie für gutes Essen: Langsam kochen und singen!

Das ist zumindest laut Fadi Alauwad (Foto links) das Geheimnis, warum seine Frau heute besser kocht als er. In der kurzen, sympathisch verfassten Einleitung erfährt man, dass Alauwad im „Le Meridien“ in Damaskus seine Ausbildung absolvierte. Er wendete sich dann der syrischen Heimatküche zu, experimentierte viel und stieg zum Star- und Fernsehkoch auf, der in der arabischen Welt als „Chef Fadi“ sehr bekannt war. Doch der Bürgerkrieg in Syrien zwang ihn 2014 zur Flucht nach Deutschland, wo er Zeitungsberichten zufolge zurzeit in Aachen in einer Brasserie als Chefkoch arbeitet. (Die Erlöse des Buches spendet er übrigens an die Syrienhilfe.)

Einen hohen Stellenwert hat in Syrien die Gastfreundschaft und somit auch das Kochen – oft kommen 40–50 verschiedene Appetithäppchen auf den Tisch … So viele Rezepte habe ich allerdings (noch) nicht ausprobiert.

Einfachheit, die überzeugt

Das Kochbuch ist einfach, aber ansprechend gestaltet. Zu jedem Rezept gibt es ein Foto, das auf das Gericht konzentriert ist, und die Zubereitung ist gut erklärt. Nur Zeitangaben fehlen, und die Portionsgrößen sind manchmal sehr großzügig berechnet (z. B. 1 kg Fischfilet für 3 Personen). Die Einteilung ist klassisch in Mezze, Hauptspeisen, Beilagen, Süßes sowie Getränke.

Zu Beginn wird kurz erklärt, wie man die verschiedenen Gewürzmischungen herstellt und die Vorratskammer mit der ein oder anderen syrischen Köstlichkeit – wie mit Walnusskernen gefüllten Auberginen oder eingelegten Rüben – auffüllen kann. Als ich das Kochbuch das erste Mal durchblätterte, war ich von der Kürze der Zutatenlisten verblüfft und habe mich gefragt, ob das Ergebnis wohl nicht fad schmecken würde.

Aber diese Zweifel waren bereits nach dem ersten Rezept – Lamm in Joghurtsoße – verschwunden. Das Lammfleisch wird einfach nur in Wasser gekocht und dann mit einer schnell zubereiteten Joghurtsoße aus Zwiebel, Knoblauch und eben viel Naturjoghurt gemischt.

Auch die Teigtaschen mit Spinatfüllung oder die scharfe Paprika-Walnuss-Paste waren rasch zubereitet und sehr ausgewogen im Geschmack. Durch die wenigen (ausgesuchten) Zutaten und meist sparsamen Einsatz an Gewürzen kommt der Geschmack der einzelnen Bestandteile sehr gut zur Geltung. Manchmal ist weniger doch mehr.
Einziger Kritikpunkt ist vielleicht, dass die Angaben der Zutaten mit z. B. „750 g Lammfleisch“ etwas zu allgemein gehalten sind – man würde sich genauere Angaben wünschen. Aber hier hat mir ein (übrigens syrischer) Fleischer am Markt sehr gerne weitergeholfen.

Von Kümmel-Reis-Pudding bis Gefüllte Grießröllchen

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Leseprobe beim Verlag

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Auch in der Dessertabteilung gibt es für Freunde der (wirklich) süßen Küche viel Neues zu entdecken. Für unseren Gaumen etwas ungewohnt ist vielleicht, dass die meisten Süßigkeiten auch noch mit Zuckersirup getränkt werden. Auch wenn ich diesen bei den Grießschnitten sehr sparsam eingesetzt habe, war es für uns noch immer sehr süß und konnte uns nicht restlos überzeugen. Aber es gibt noch andere Rezepte wie Sesamkekse oder Gefüllte Grießröllchen (deren Teig außer Grieß auch noch Büffelmozzarella, Rosenwasser und Pistazien enthält), die ich sicher noch ausprobieren werde.

Fadi Alauwads Begeisterung für seine Heimatküche ist ansteckend, und die einfache, rasche Zubereitung mit köstlichem Endergebnis machen das Buch zu einem idealen Begleiter für den Arbeitsalltag. Bei uns wird nun sicher häufiger der Duft syrischer Küche durch die Wohnung ziehen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2018

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