Kochbuch von F. Hynek + P. Urban-Halle: Jahreszeiten der französischen Küche

Kochbuch von F. Hynek + P. Urban-Halle: Jahreszeiten der französischen Küche ★★★★☆

Jahreszeiten der französischen Küche
Eine kulinarische Reise mit 77 Rezepten
Francoise Hynek, Peter Urban-Halle
Klaus Wagenbach Verlag (2013)

Isabel Geigenberger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ein knallrotes ganz und gar Wagenbach-typisches Bändchen flattert mir in die Hände, gewohnt liebevoll im Detail gestaltet, auf schönem Papier und im handschmeichlerischen Leinen-Hardcover.

Francoise Hynek und Peter Urban-Halle führen uns auf Reisen in mehrfacher Hinsicht – durch die Jahreszeiten, durch Frankreich und seine Literatur. Ein wenig Geschichte der französischen Küche, persönliche Begegnungen und Anekdoten, von allem etwas. Ein frankophiles Potpourri. In ähnlicher Weise kann man mit dem Wagenbach-Verlag auch durch Italien oder die Toskana reisen, die klassische Sehnsuchtsorte der deutschen Intelligenzia.

Wir begegnen mit den beiden Autoren den Jahreszeiten und Landschaften Frankreichs, lernen die Unterschiede zwischen Terrinen und Pasteten kennen, und finden zahlreiche Klassiker, wie Coq au vin, Cassoulet, Boeuf bourguignon, Tapenade, Galette, Ratatouille, Pot-au-feu, Tarte Tatin, Froschschenkel und so weiter. Abbildungen der Gerichte gibt es nicht, dafür kleine feine Illustrationen, Auszüge aus Kochbuchklassikern und Fotos von Fischern, Bauern, Händlern oder Wochenmärkten – alles in Schwarz-Weiss. Das Rezeptverzeichnis ist einfach und deutsch-französisch gemischt, es empfiehlt sich also, bereits beim Lesen zu markieren – oder sich zumindest die entsprechende Jahreszeit zu merken, um späteres Wiederfinden zu erleichtern.

Leider kam das Büchlein im tiefsten Winter zu mir, so dass die verführerischsten Rezepte, die vom Aroma sommerreifer Früchte und sonnengestreichelter Tomaten leben, leider noch der Umsetzung harren. Sehr erfreut hat mich gleich zu Beginn die Entdeckung der Akazienblütenkrapfen, schlich ich doch jedes Frühjahr um die duftenden Bäume herum und rätselte, wie man sie kulinarisch einfangen könne. Letztes Jahr versuchte ich es nach Art der Holunderblüten, doch der Sirup brauchte schon viel Vorstellungskraft um neben Zitronensäure und Zucker noch andere Noten zu erahnen. Auf dem richtigen Weg war ich wohl schon, haben doch die Beignets de fleurs d’accacia sehr viel Ähnlichkeit mit den „Hollerkiacheln“ (Holunderkrapfen), die in meiner Familie ebenfalls sehr beliebt sind. So wird es also im Frühjahr ein Aufeinandertreffen geben.

Die gekochten Gerichte mundeten und die Beschreibung der Zubereitung ist einfach und Köchin gut nachzuvollziehen. Die Artischocken in Cidre harren noch dem Nachkochen, konnte noch keinen großen Exemplare auftreiben, die meinen Erwartungen entsprochen hätten. Vor meiner nächsten Frankreich-Reise werde ich das Büchlein erneut zur Hand nehmen, um mich durch die anvisierten Gegenden zu schmecken.

Ein Potpourri von Geschichte, Landeskunde, Literarischem und Persönlichem zur französischen Küchenkunst, mit Liebe erzählt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2014

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