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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | June 22, 2017

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Kochbuch von Eve O’Sullivan & Rosie Reynolds: Die Vorratskammer ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Eve O’Sullivan & Rosie Reynolds: Die Vorratskammer
Rezension

Die Vorratskammer
Eve O’Sullivan & Rosie Reynolds
Fotos Andy Sewell
Phaidon (2016)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sabine Cikic Von

Die Vorratskammer ist eine tückische Angelegenheit – mal hat man (vermeintlich) nichts da und bemüht allzu rasch den Lieferservice. Mal bersten die Regalböden und manche Vorräte (hier denke ich zum Beispiel an getrocknete Hülsenfrüchte) sind dann schnell mal überlagert. Gut, dass Eve O’Sullivan und Rosie Reynolds uns beim Aufräumen und Organisieren helfen.

Was in eine gute ausgestattet Vorratskammer gehört, dürfte nach individuellem Empfinden und persönlichen Vorlieben ganz unterschiedlich aussehen. Eve O’Sullivan und Rosie Reynolds haben sich der schwierigen Aufgabe gestellt, eine Art allgemeingültige Liste zu erstellen. Ihre Idee: hat man die darauf genannten Zutaten im Haus, braucht man maximal zwei frische Zutaten einkaufen und kann schwuppdiwupp ein wohlschmeckendes Gericht zu jeder Tageszeit zaubern.

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Wer darf auf die Liste?

Ganze 30 Nahrungsmittel haben es auf die Liste geschafft und ich bin beeindruckt von dem klaren, übersichtlichen Design, mit dem die Autorinnen (auf dem Foto: links Rosie Reynolds, rechts Eve O’Sullivan) ihre Idee zu uns Lesern transportieren. Zehn der Zutaten bilden die Kapitelstruktur: „Dose Kichererbsen“, „Beutel Reis“, „Dose Tomaten in Stücken“, „Tüte Mehl“, „Glas Erdnussbutter“, „Karton Eier“, „Tüte Pasta“, „Dose Kokosnussmilch“, „Tafel Schokolade“ und „Flasche Milch“.

Nein, die anderen 20 Zutaten zähle ich nicht alle auf. Es sind u. a. Salz, Pfeffer, Zucker, einige weitere Gewürze, Olivenöl, Weißweinessig, Backpulver, Knoblauch, Zwiebeln und Sardellen in der Dose. Ja, über die Sardellen und Kichererbsen dürften sich manche vielleicht wundern, mich stört das nicht. Und klar, es gibt Vorräte, die mir persönlich wichtiger wären als die Dose Sardellen, z. B. meine heiß geliebte chinesische Chilisauce (nicht nur in unserem Haushalt aka „Böse Frau“), aber auch das macht ja nichts. Die Zutaten der Liste sind insgesamt in meinem Haushalt tatsächlich schon vollständig vorhanden.

Feierabendküche, wie sie sein soll

Vor allem nach den jüngsten Kochorgien, die ich im Rahmen meiner Rezensionen ausleben dufte (Robuchon! Ducasse!), freut sich der gesamt Haushalt samt meiner Wenigkeit, dass nun wieder alltägliche, schnelle Gerichte auf den Tisch kommen. Dass diese trotz der vermeintlich eingeschränkten Zutaten noch dazu durchaus wohlschmeckend sind – wunderbar!

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Es ist nämlich so, dass die Autorinnen ihr Versprechen einhalten. Maximal zwei Zutaten müssen frisch besorgt werden, dann ist die Mahlzeit gesichert. Koriandergrün + Hühnchenschenkel = Kokos-Hühnchen-Suppe. Rote Paprikaschoten + Babyspinat = Westafrikanische Erdnusssuppe. Kondensmilch = Milchreis Brûlée. Einzig die Kürbisklöße haben mich (zumal unter der Woche) nicht glücklich gemacht.

Hier waren die Zeitangaben viel zu knapp bemessen und die Autorinnen hätten für nicht so erfahrene Klößchenmacher wie mich ruhig ein paar mehr Tipps zur gewünschten Konsistenz des Teiges springen lassen dürfen. So war die Masse dann doch letztlich noch zu feucht, als ich begonnen habe, sie löffelweise als Nocken in das siedende Wasser zu geben. Sehr hübsch sahen sie dann nicht mehr aus, und nach den Qualen am Herd wollten sie mir auch nicht so ganz überzeugend schmecken.

Im Alltag und vor allem als Koch-Anfänger (!) kann man sich mit der „Vorratskammer“   einfach und unkompliziert jederzeit ohne großen (zeitlichen und finanziellen) Aufwand sehr leckere Mahlzeiten zubereiten. Ich würde das Buch jedem schenken, der in seine erste eigene Wohnung zieht.

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Nachgekochte Rezepte:

Milchreis Brûlée
Diesen leckeren Milchreis gab es bei uns nun schon öfter. Er wird mit Olivenöl, Basmatireis, normaler Milch und Kondensmilch zubereitet. Geht ganz fix und schmeckt entweder mit der hier genannten Brûléekruste, aber natürlich auch mit Obst, leckerem Sirup usw.

Zerdrückte Kichererbsen, knuspriger Parmaschinken und perfekt pochierte Eier
Ein bisschen irritierend und unerwartet waren die zerdrückten Kichererbsen, die quasi als Quick-Hummus kalt zu dem knusprigen Schinken und den pochierten Eiern serviert werden. Hat alles aber harmonisch zusammengepasst, und wer mag, kann die Kichererbsen ja auch kurz erwärmen.

Kürbisklöße
Diese Klöße wollten in der Herstellung nicht so ganz funktionieren. Leider gibt es im Rezept keine Beschreibung dazu, wie die Konsistenz des Kürbisteiges sein muss, bevor man ihn dann zu Nocken abstechen kann. Offensichtlich war meiner noch zu feucht, denn das hat alles nicht so doll geklappt. Aber Versuch macht kluch, beim nächsten Mal gehe ich dann nach eigenem Gutdünken vor.

Geschrieben im März 2017