Kochbuch von Eva Reichert, Thomas Sadler: Bioladen Kochbuch

Kochbuch von Eva Reichert, Thomas Sadler: Bioladen Kochbuch ★★★☆☆

Bioladen Kochbuch
Eva Reichert, Thomas Sadler
Trias Verlag (2013)

Annahita Aryafar

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Das „Bioladen Kochbuch“ klingt nach dem Hofladen auf dem Land, oder? Frisches Gemüse, ökologische Erzeugung, tiergerechte Haltung – ein besseres Gewissen kann man beim Essen nicht haben. Verfechter dieser Lebensweise ersehnen sich ein goldenes Werk herbei, das aller Welt beweist, nach diesem Standard zu kochen birgt Spaß und Genuss. Kann aber ausgerechnet dieses Buch so herausragen?

Allein vom visuellen Aspekt her, leider nein. Das Cover kann grüner nicht sein, und damit meine ich keine politische Richtung. Ein Produkt für sich sprechen zu lassen, finde ich eigentlich klasse. Knackige Erbsen können so herrlich sein und dem Kenner Vorfreude auf das Bisserlebnis und die milde Süße bereiten … Dann braucht es aber mehr Pepp, eine schönere Typografie, einen interessanteren Hintergrund – irgendwie ETWAS, das das Ganze interessant macht.

Schlagen wir das Kochbuch auf. Die Kapitelstruktur ist klassisch. Sie richten sich nach den Hauptkomponenten der Rezepte. Aber Fleisch & Geflügel bekommen hier nur eines. Vorbildlich. Bevor es an die Rezepte selbst geht, erfährt man Wissenswertes zum Anbau, zur Lagerung und zur Verwendung. Eine schöne Idee ist, dass die Autoren dann ihre Top-10 der Rezepte vorstellen, ein Rezept aus jedem Kapitel. So persönlich an die Hand genommen gelingt die Auswahl leichter. Denn die fällt nicht leicht. Rezeptbilder sind rar und nicht das, was man inspirierend nennen kann. Man hat sich für Sachlichkeit entschieden.

Nimmt man sich die Zeit und liest die Überschriften, springen neue Zutaten und aussergewöhnliche Produkte ins Auge – hier also verstecken sich die interessanten Details! Der Fokus liegt auf der Vielfalt, die die Natur zu bieten hat. Hülsenfrüchte in allen Formen und Farben, vegane Fleischalternativen wie Tofu, Tempeh und Seitan, asiatische Geschmackskompositionen zu deutschen Klassikern. Die Autoren verfeinern sie jedoch nur wenig. Ein Spiel mit Gewürzen und Kräutern wäre aus meiner Sicht interessant gewesen.

Ups – was ist denn das? Produkt-Marketing? Immer wieder stolperte ich über Produkte oder Gewürzmischungen, deren Handels- und Markenname fällt – faktisch eine Art Werbekampagne für Reformhäuser und Bioläden. Muss das sein? Verliert ein Kochbuch dadurch nicht seine Seriosität? In meinen Augen schon…

Das „Bioladen Kochbuch“ verspricht eine gesunde Ernährung und impliziert das ruhige Gewissen mit dieser Lebensweise. Es steht für tiergerechte Haltung und Ökologie ein und will vergessenes Gemüse sowie Getreide wieder auf den Speiseplan zu bringen. Ein Vorhaben, das Applaus verdient. Aber dem Buch gelingt es nicht, ihn in die Küche mitzunehmen. Das liegt für mich an der sachlichen und schlichten Umsetzung – kulinarisch und optisch. Ich hätte mir ein Werk gewünscht, das nicht nur hartgesottene Verfechter, sondern auch Skeptiker mit ins Boot holt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2014

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