Kochbuch von Eschi Fiege: Mittagstisch. Leidenschaftlich vegetarisch

Kochbuch von Eschi Fiege: Mittagstisch. Leidenschaftlich vegetarisch ★★★★☆

Mittagstisch. Leidenschaftlich vegetarisch
Eschi Fiege, Fotos Vanessa Maas
Brandstätter Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Annick Payne

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wenn auf einem Balkon hoch über Wiens Naschmarkt eine rot-weiß-karierte Tischdecke weht, dann lädt Eschi Fiege zum Mittagessen. Wer eingeladen ist, darf jemanden zum vegetarischen Dreigangmenü mitbringen. Wer noch kein Freund einer Freundin oder umgekehrt ist, der kann sich den “Mittagstisch” der Österreicherin im Buchformat in die eigenen vier Wände holen.

Gekocht wird österreichisch mit zeitgenössisch internationalen Noten, so landet schon einmal ein Yorkshirepudding auf den Erbsen, mal gibt es Älplermagronen, dann wieder ein indisches Linsengericht. Wer die österreichische Küche liebt, wird hier viele Varianten bekannter Themen wiederfinden, ein erstes Schmökern zeigt appetitanregende, kreative Ideen, liebevoll in Szene gesetzt. Ein freundlicher, leicht verspielter Band, der erst einmal Nähe schafft und Freude macht.

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Die Idee der genüsslichen Ruhepause

Doch wie kommt die Autorin (links) dazu, ihre Wohnung den mittäglichen Bedürfnissen anderer zu öffnen, und warum kocht sie ausgerechnet vegetarisch? Die Idee zum Mittagstisch basiert auf ihrem festen Glauben daran, dass eine genüssliche Ruhepause zur Mittagszeit nicht weniger schafft, als mehr Lebensfreude und Achtsamkeit in den Nachmittag zu bringen.

“Operation Mittagstisch” ist der Supperclub für alle, für die das Mittagessen der zentrale Angelpunkt des Tages ist. Natürlich kann man die Rezepte aber auch abends kochen.

Und warum vegetarisch? Auch hier ist der Mittagstisch in der Jetzt-Zeit verortet, in der vegetarische Küche nicht unbedingt Verzicht oder Weltanschauung bedeutet, sondern immer öfter auch als Herausforderung wahrgenommen wird. Die Autorin schreibt, sie wollte herausfinden, wie weit vegetarische Küche gehen könne.

Bunt, lebensfroh und leidenschaftlich solle ihre Gemüseküche sein, fröhlich, genießerisch und undogmatisch. Ein entspannter Ansatz, mit dem man sich sicherlich viele Leser identifizieren können.

Die Menüfolge als Patin

Nun ist es eine Sache, als Gastgeberin all diese Kriterien zu erfüllen. Aber kann z.B. auch ein Kochbuch Lebensfreude versprühen? Wenn sich eine ausgebildete Künstlerin darin austobt, ganz sicher. Stil und Layout können den Leser sofort für sich einnehmen, der Autorin ist ein ausnahmslos attraktiver Band gelungen, der auch vom Format her gut in der Hand liegt.

Entzückend: die Umschlagmanschette als Kleinsttischtuch. Konzeptionell steht die Menüfolge von Vorspeisen über Hauptspeisen zu Nachspeisen Patin, Grundrezepte und Tipps zum Erstellen eines Menüs runden den Band ab.

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Zwetschgentarte mit Camparicreme …

Die Vorspeisen bestehen v.a. aus Suppen und Salaten, verlockend klingen beispielsweise Radieschencremesuppe mit Schüttelbrotstückchen und Pfifferlingstartar mit Anishaube. Oder Bohnenparfait mit Joghurtsauce? Unter den Hauptspeisen finden sich verschiedene Tartes und Tortillas, Knödel, Gnocchi und Nudelgerichte, und immer wieder Ankläge an die großen Klassiker der österreichischen (und deutschen) Küche.

So findet man “Birnen, Bohnen und Speck” in einer vegetarischen Variante, Blumenkohl mit Béchamel oder ein Kartoffelgulasch. Und die Desserts? Das Kapitel beginnt mit einer wunderhübschen, blumengeschmückten Torte mit roten Johannisbeeren und Baiserhaube. Wenn endlich die nächste Pflaumenernte ansteht, werde ich sicherlich noch die Zwetschgentarte mit Camparicreme und Rosmarin ausprobieren.

Dill als gustatorische Leitlinie

Gut gefallen hat mir, dass die Rezepte tatsächlich eine Melange darstellen, die zeigt, wie facettenreich das Gemüsespektrum doch ist. Auch die Zutaten sind durchweg ohne Aufwand zu beschaffen, lediglich bei der Mangopulpe, die man wiederholt in diesem Band trifft, rät die Autorin zu Asialäden. Dill wiederum, der ebenfalls eine gustatorische Leitlinie ist, findet man in türkischen Läden, sollte man sonst nicht fündig werden.

An mancher Stelle hapert es zwar aus meiner Sicht. Ein Problem, dass sich durch den Band zieht, ist, dass die Portionensmengen von Rezept zu Rezept variieren, hier zu viel, da zu wenig und auch von der Würzung iSv Motto “viel hilft viel” war ich nicht immer überzeugt, aber wer nicht sklavisch dem Text folgt, sondern dem eigenen Gaumen und Küchenverstand, wird sein Vergnügen finden.

Eschi Fiege ist ein sehr persönliches Manisfest für das genüssliche Mittagessen gelungen. Wir sind alle aufgerufen, eine derartige Entschleunigung so oft wie möglich in unseren Alltag einzubauen. Dieses Buch ist Inspirationsquelle dafür.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2015

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