Kochbuch von Erin Gleeson: Ein Fest im Grünen – Vegetarische Köstlichkeiten bunt & gesund

Kochbuch von Erin Gleeson: Ein Fest im Grünen – Vegetarische Köstlichkeiten bunt & gesund ★★★★☆

Ein Fest im Grünen
Vegetarische Köstlichkeiten bunt & gesund

Erin Gleeson
Knesebeck Verlag (2014)

Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Eine Frau, die eine Hütte am Waldrand bewohnt und regelmäßig das Unterholz durchstreift, um Beeren, Pilze und Moose zu sammeln – so möchte ich mir Erin Gleeson vorstellen, die ihrem Buch im US-amerikanischen Original den verheißungsvollen Titel „The Forest Feast – simple vegetarian recipes from my cabin in the woods“ gab. Damit liege ich leider ziemlich komplett daneben. Ihr Buch hat mir trotzdem gut gefallen.

Nein, Erin Gleeson ist keine verschrobene Einsiedlerin, sie ist Künstlerin und Bloggerin und hat einige Jahre als Food-Fotografin in New York gearbeitet – und sie ist leidenschaftliche Gastgeberin. Als ihr Ehemann Jonathan 2011 eine Stelle in Kalifornien angeboten bekam, fassten die Beiden den Entschluss, an den Stadtrand von San Francisco umzusiedeln, in ein Häuschen, das sie etwas kokett als ihr „cabin in the woods“ bezeichnet. Tatsächlich muss man sich wohl eher ein rustikales, aber recht komfortables und großzügiges Anwesen vorstellen, mit einer herrlichen Terrasse und umgeben von märchenhaftem Wald, wie geschaffen für stimmungsvolle Feste. The Forest Feast heißt eines ihrer Blogs und jetzt auch dessen erster Kochbuch-Sprössling.

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Für die deutsche Ausgabe wurde der prachtvolle Wald gerodet, jedenfalls im Titel: Aus dem „forest feast“ wurde ein schlichtes „Fest im Grünen“, aus den „simple vegetarian recipes from my cabin in the woods“ wurden kurzerhand „vegetarische Köstlichkeiten bunt & gesund“. Beliebigkeit statt Inspiration, finde ich. Aber dafür hat der Verlag zwei Lesebändchen spendiert, was zumindest aus praktischer Perspektive ein prima Tausch ist.

Und tatsächlich hat der Verlag nicht ganz unrecht: Die Wälder sind für Erin Gleeson eher visuelle Kulisse als kulinarisches Thema. Ihre durchweg vegetarischen Rezepte sollen vor allem zwei Kriterien erfüllen – sie sollen so einfach nachzubauen sein, dass sie auch nach einem langen Arbeitstag noch funktionieren, und zugleich auch partytaugliche Hingucker liefern.

Beim Blättern offenbart sich mir ein Fest für die Augen. Rezepte und Gerichte sind opulent in Szene gesetzt, groß und bunt. Dazwischen sind Impressionen von der „Waldhütte“ eingestreut, von dem grandiosen Blick auf die hohen Bäume, im Nebel oder Abendlicht, die Terrasse mit Gästen, Lampions und Feuerstellen. Ein wenig feenhaft wirkt Erin Gleesons Stil auf mich, gelegentlich hart an der Grenze zum Kitsch, aber mit düsteren und geheimnisvollen Akzenten fängt sie mich immer wieder ein.

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Sehr gelungen finde ich die visuelle Präsentation der Rezepte. In einer Mischung aus Foto, Zeichnung, Schreibmaschinentext, handschriftlichen Notizen und kleinen Pfeilen sind sämtliche Zutaten und Zubereitungsschritte auf einen Blick zu erfassen. Jedes der Rezepte füllt eine Doppelseite – links die Anleitung, rechts ein Portrait des vollendeten Werks. Keine separierten Zutatenlisten, minimale Temperatur- und Mengenangaben, keine langwierigen Erklärungen zu einzelnen Arbeitsschritten, keine Warenkunde, keine Tipps, keine Anekdoten.

Diese Bastelanleitungen funktionierten auch beim Nachkochen bestens. Manches erschien mir fast zu einfach, um das Prädikat „Rezept“ zu verdienen, aber alles gelang optisch ansprechend und geschmacklich stimmig. Tatsächlich – mit geringem Aufwand ließen sich im Handumdrehen kleine Köstlichkeiten zaubern.

Erin Gleeson kocht sich quer durch den gut ausgestatteten Grünmarkt, von Aprikose bis Zucchini, dazu gibt es die üblichen mediterranen Kräuter und Käsesorten und hat auch keinerlei Berührungsängste mit Butter, griechischem Joghurt und anderen köstlichen Außenseitern der „gesunden“ US-amerikanischen Küche. Ich hätte mir gewünscht, dass sie das Thema Wald in den Rezepten und Zutaten stärker aufgreift. Auch eine jahreszeitliche Abfolge oder einen regionalen Fokus gibt es nicht, die Natur bleibt pure Kulisse. Aber dafür habe ich kulinarisch einige kleine und größere Überraschungen erlebt: Rotkohl wird im Ofen knusprig geröstet, Avocado wird durchgebacken und warm genossen, und zum Schluss gab es einen echten Kracher: Schokoladeneis, mit Schwarzbier geflutet – am Ende ein Ausrufezeichen!

Ist das nun dekoratives Essen oder essbare Dekoration? Egal, bei Erin Gleeson wäre ich gerne zu Gast. Sie versteht es, Atmosphäre zu erzeugen, ohne das leibliche Wohl ihrer Gäste aus den Augen zu verlieren. Lauter unkomplizierte, aber wirkungsvolle Farbtupfer. Das schmeckt nicht nur Gästen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2014

6 Kommentare

  1. Andrea

    Interessant! Bisher kannte ich nur die Rezension (zwei Sterne) dieses Buches von Sylvia Peters aus dem Jahr 2018, die recht vernichtend ausfiel. Dass das Buch vier Jahre zuvor doch durchaus begeistern konnte, freut mich, denn auch ich war und bin ganz angetan von dem Werk.

    • Katharina

      Ja, der Erstling hatte uns richtig gut gefallen, Dank dir für die Zeilen!

  2. PollyEsther

    Rotkohl – gebraten und mit Pistazien gibt es auch im „Greenbox“ Kochbuch, kann ich mir auch gut aus dem Backofen und mit Pekannüssen vorstellen!

  3. Hanna

    Ich habe das Kochbuch auch und es ist aktuell mein Lieblingskochbuch!

  4. Alice

    Danke für diese tolle Rezension! Das Buch hatte ich bis jetzt noch nicht wirklich auf dem Schirm, aber jetzt wandert es auf meine Wunschliste 🙂

    Viele Grüße
    Alice

    • Katharina

      Kochbuch-Wunschlisten – über das Werden und Nicht-werden sollte man mal schreiben. Ein harter Prozess. .-)

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