Kochbuch von Erin Gleeson: Ein Fest im Grünen für Gäste

Kochbuch von Erin Gleeson: Ein Fest im Grünen für Gäste ★★☆☆☆

Ein Fest im Grünen für Gäste – Einfache
Rezepte und Ideen für jeden Anlass
Erin Gleeson
Knesebeck Verlag (2017)

Sylvia Peters

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Was für ein opulenter Brocken, freue ich mich und wiege das Buch hin und her. Den Einband könnte man glatt als Schneidebrett verwenden, die beiden edlen Lesebändchen leuchten in Grün und Türkis, und beim Durchblättern locken festlich gedeckte Tische, liebevolle Dekorationen und Blumenarrangements, herrliches Geschirr und edle Gläser.

Ja, so möchte man seine Gäste empfangen. Aber die wollen ja unter Umständen auch was essen, und hier beginnt eine zuweilen ärgerliche, zuweilen unfreiwillig amüsante Reise durch ein kulinarisches Universum, das sich mir bis zum Ende nicht ganz erschlossen hat.

Es braucht eine Weile, bis ich bemerke, dass es sich um ein rein vegetarisches Kochbuch handelt, in dem sich leider nicht mal der kleinste Fisch verfangen hat. Das ist kein negatives Kriterium, auch wenn mir persönlich schon beim Wort „Fest“ erst mal ein zünftiger Braten vorm geistigen Auge erscheint.

Wahrhaftig Grün!

Allerdings muss ich dann feststellen – da ist ja alles grün!! Ob Zuckerschoten mit Parmesan, Kräutersalat, Zucchini mit Edamame, Spinat-Tortilla mit Pesto, Zucchini-Frittata, Grünkohlsalat – alles grün! Sogar die Sangria ist grün. Nämlich mit Gurke.

Kinder kriegt man damit definitiv nicht an den Tisch. Das Fest ist jedoch hauptsächlich für Erwachsene gedacht. Aber auch die wollen was essen, wenn man so volltönend und mit großem Trara an den Tisch ruft. Volltönend, da sich Erin Gleeson (Foto links) über mehrere Seiten hinweg darüber ergießt, wie sie planerisch vorgeht (die Gurke für den griechischen Salat kann schon am Vorabend geschnitten werden!), dass sie sich jahrelang mit der Entwicklung der Party-Rezepte beschäftigt und sich inzwischen viele Tipps und Tricks angeeignet hat.

Enttäuschend – die Wein- und Käseparty

Oha! Da sind wir doch gespannt. Toll sind in der Tat ihre wundervollen Tischdekos (außerdem sehr schön fotografiert) und ihre Idee, Eiswürfel in kleine Kunstwerke zu verwandeln: Da schwimmen Blüten im Bowlegefäß und Cupcakeförmchen werden bestückt mit Erdbeeren und Thymianzweigen zu großen Eiswürfeln. Zauberhaft! Aber wir wollen ganz profan auch was essen.

Das Buch ist mit jeweils vier bis sechs Gängen zu Jahreszeiten und anderen Themen gegliedert – da gibt es Frühlingsfest, Wein-Käse-Party, Eistee- und Sommerparty, Picknick, Brunch und Mittagseinladung und für die Puristen eine vegane und glutenfreie Party.

Enttäuschend fand ich die Rezepte für die Wein- und Käseparty – totale Fehlanzeige, wenn man etwa an Lauch-Käse-Quiche, französische Zwiebelsuppe, Blätterteighäppchen oder selbst gebackenes Brot denkt. Zuerst gibt es Baguettescheibchen, auf denen sich ein schmales Stückchen Camembert und etwas schüchterne Nektarine langweilen. Immerhin gibt’s Prosecco dazu. Daneben (oder danach?) gibt es gekauften (!) Pizzateig, mit dem Sparschäler geschnittene Zucchini, geriebener Parmesan, Frühlingszwiebeln und ein (!) Esslöffel Pinienkerne.

Ich erwähne nur mal so nebenbei, dass die Rezepte für 10 bis 12 Personen berechnet sind. Immerhin gibt es hier Pinot Grigio dazu und weitere nette Weinchen stehen parat. Alsdann sind Wassermelone-Feta-Häppchen mit Minze im Angebot (und wir sind leider immer noch zu zehnt und haben Hunger, aber wir sind wohl erzogen), außerdem einige Apfelscheibchen mit je einer Scheibe Cheddar und immerhin die Käsekugel, das Objekt der Begierde, denn es lässt auf Nahrhaftes hoffen.

Bei meiner extra um das Kochbuch und meinen großen Gartentisch herum gruppierten Einladung war das wirklich ein kulinarisches Highlight! Lecker!! Wir waren allerdings auch nicht 10 Erwachsene. Am Ende dieses Menüs beißen die Gäste im schlechtesten Fall vor Hunger in die Deko oder sind im besten Falle alle betrunken.

Nicht alle Rezepte sind so gänzlich spartanisch. Es gibt eine Kürbislasagne, eine Süßkartoffel-Cremesuppe, gebratene Zatar-Karotten und Kartoffelsalat mit Artischocken. Aber demgegenüber stehen etliche Rezepte, die an Lieblosigkeit kaum zu unterbieten sind. Mit Butter vermengte geraspelte Radieschen – Radieschenbutter –, etwas Meersalz darf drauf.

Oha!

Zwei Seiten sind dem Rezept Gnocchi mit Pesto gewidmet, wozu zwei Packungen gekaufte Gnocchi mit 120 Gramm gekauftem Pesto vermischt werden sollen. Ob es auch für dieses Rezept jahrelanger Vorbereitung bedurfte?

Irgendwie fehlen mir Röstaromen, etwas Geschmortes, kleine Häppchen, die wirklich Charme haben. Parmesan, der häufig als Geschmacksträger eingesetzt wird, kann nicht alles ausbalancieren. Bei einigen Salaten findet sich der lapidare Hinweis, man möge ihn mit einem Dressing seiner Wahl anmachen. Die Autorin hat ihr eigenes Lieblingsdressing an den Anfang des Buches gestellt: Essig, Öl, Sojasauce, Sesamöl, was sicher nicht zu jedem Salat die optimale Wahl ist.

Den Schluss des Bandes bilden „Partybüfetts im Barstil“, eine Spielerei, bei der um eine Hauptzutat (Tortillas, Reisnudeln, Polenta) Dutzende Schälchen mit Dips, Saucen, geschnittenem Gemüse und Kräutern herum gruppiert sind, wobei sich die Gäste selbst bedienen.

Die opulente Aufmachung des Buches ist optisch erstmal ein Hingucker. Wir sind Einfachheit zugeneigt, aber dann nicht dieser Ideenlosigkeit. Und die Gäste so gar nicht der minimalen Kalorienzufuhr. Nein, kulinarisch und mengenmäßig kein guter Ratgeber für eine Gastgeberin.

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Veröffentlicht im Juni 2018

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