Kochbuch von Eric Treuille, Victoria Blashford: Fingerfood

Kochbuch von Eric Treuille, Victoria Blashford: Fingerfood ★★★★☆

Fingerfood: Leicht & raffiniert
Eric Treuille, Victoria Blashford-Snell, Dorling Kindersley Verlag (2000)
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Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Jede verzweifelte Suche nach einem Fingerfood-Rezept findet zwischen diesen Buchdeckeln ein jähes Ende. Eric Treuillé und Victoria Blashford-Snell haben ihr Kochbuch bis zum Rand gefüllt mit klassisch-köstlichen Rezepten. Fingerfood, das machbar und erschwinglich ist. Weich gebettet auf sehr präzisen Anleitungen, die für Menschen, die gerne genau planen, eine Freude sind.

Was ist das: Ein Redner und 30 Zuhörer stürzen auf zwei Kellner zu? – Na? Bestimmt gleich wiedererkannt. Ein Empfang mit Häppchen. Ein Elend. Die Aussicht, dass es ETWAS zu essen gibt, scheint bei uns den Reflex auszulösen, dass man bereits mit Appetit erscheint. Daraus wird ein ernster Hunger, wenn der Redner erst so richtig loslegt. Die Folgen sind bekannt: der Applaus ist kurz, die Manieren werden vergessen, Häppchen verschlungen. Vom Genießen der aromatischen Sprengsätze kann in diesen Fällen nicht die Rede sein. Zuhause ist das anders. Hier haben sie alle Zeit der Welt auf dem Gaumen zu schmelzen, zu knuspern und zu betören. Wenn man nur schneller die passenden Rezepte finden würde. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber trotz meiner kleinen Bibliothek Kochbücher, braucht es immer eine Weile und mitunter vergesse ich beim Kochbuchstöbern mein eigentliches Vorhaben … Aber das hat jetzt eine Ende.

1999 ging das Kochbuch Fingerfood das erste Mal über den Ladentisch. Die zwölf Jahre sind dem Buch anzusehen. Optisch nagt die Zeit wie ein Mäuschen an einem guten Hartkäse. Kühle Fotos, ein Panoptikum an Perspektivwechsel und ein Blumenstrauß an Schriften. Aber – der erste Eindruck ist gut, kulinarisch und praktisch. Denn die Kapitel Zutaten, Ausrüstung, Rezepte, Techniken, Party sind zum Bersten gefüllt.

Die Autoren Blashford-Snell und Treuillé sparen nicht mit detaillierten Angaben, z. B. zu dem wichtigen Thema der Menge. „Als Grundregel sollten für die erste Stunde 6 Stück Fingerfood pro Gast und 4 Stücke für jede weitere Stunde eingeplant werden. Bei Fingerfoods, die anstelle des ersten Gangs vor einem Mittag- oder Abendessen serviert werden, rechnen Sie 5 Stücke pro Person und bereiten 5 verschiedene Sorten vor.“ Hochzeiten, als klassischer Anlass für Häppchen, statten sie großzügig aus: „Für einen Stehempfang bei einer Hochzeit rechnen Sie 12 Stücke pro Person.“ Da habe ich schon anderes erlebt.

Einen Taschenrechner bräuchte man. Die Rezeptanzahl fürs Knabbern und Dippen, für Hauben, Spieße, Becher und Rollen lassen sich kaum überschlagen. Es sind viele, sehr viele. Wohl sortiert. Und sie sehen machbar aus. Erst die Basisrezepte, dann die Variationen. Bei den schrittig bebilderten Filotorteletts kann man nur denken, mein Gott, so einfach. Die Zubereitung der Croustades, kleine Teigbecherm wecken mein Staunen: Weißbrotscheiben werden ausgerollt, Kreise ausgestochen, eine Muffinform damit ausgelegt, mit zerlassener Butter begossen – und dann gebacken. Fingerfoods können Luxusteilchen sein, für den Geldbeutel. Das ist hier anders. Die Autoren greifen selten zum Edel-Feinkost: kleine Ofenkartoffeln mit saurer Sahne und Kaviar oder Hummerpastetchen mit Estragon und Senf sind Ausnahmen.

Die Mehrheit trägt den Stempel klassisch-köstlich, immer-appetitanregend: Dillscones mit geräucherter Forelle und Meerrettichsahne, Kartoffel-Rosmarin-Foccacine, Schnittlauchpfannkuchen mit Crème Fraiche und Confit von Roten Zwiebeln, Miesmuscheln mit Salsa Cruda. Nicht das kulinarische Abenteuer, die überraschende Raffinesse, sondern das Verlässliche hat hier Priorität. Das ist die Qualität von Fingerfood. Sehr schätzenswert. Nur ein Wermutstropfen: Das Buch schwächelt bei den vegetarischen Rezepten. Im Jahr 2000 tickte die Welt eben noch anders. Das vergisst man so schnell.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2011

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