Kochbuch von Enikö Gruber: Food, Friends & Love

Kochbuch von Enikö Gruber: Food, Friends & Love ★★★☆☆

Food, Friends & Love – Entspannt
kochen und mit Freunden genießen
Enikö Gruber
Thorbecke Verlag (2019)
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Julia Eckl-Dorna

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Welcher Typ sind Sie, wenn es um Einladungen geht: Der Perfektionist, der ausgiebig plant und bei dem alles beim Menü genau passen muss? Oder eher der spontane Typ, den es nicht stört, wenn er kurz vor Ladenschluss erfährt, dass sich zum Abendessen Freunde ankündigen? Wenn Sie sich – so wie ich – eher letzterem Typ zugehörig fühlen, werden Sie sich vom Untertitel des Buches – „Entspannt kochen und mit Freunden genießen“ – vermutlich auch angezogen fühlen. Denn genau das ist es, was für mich einen gelungenen Abend ausmacht.

Enikö Gruber, eine 3-fache Mutter in ihren späten 20ern, bloggt seit 2017 auf „No taste like home“. Ihr Schwerpunkt ist das Kochen, aber es finden sich auch Reiseimpressionen, Lifestyle- und DIY-Tipps. Ihr Motto „Essen soll vor allem eines machen, nämlich glücklich“ gilt für ihren Blog und ihr jüngst erschienenes Kochbuch.

„Rundum-Sorglos-Paket“

Und glücklich strahlt auch Enikö Gruber auf dem Kochbuch-Cover an einer atmosphärisch arrangierten Tafel. Die Autorin – kurz Eni genannt – begleitet durch das Kochbuch als gute Freundin, die Tipps für ein gelungenen Zusammensein gibt. „Um ein entspanntes Essen für Freunde und Familie auszurichten, braucht man im Grunde ja nur drei Dinge: etwas gute Vorbereitung, ein paar gelingsichere Rezepte und ein bisschen Improvisationstalent.“, schreibt sie.

Die Kapitel klingen vielversprechend – und etwas traditionell: Rezepte für den Sonntagsbrunch, fürs Buffet sowie „geniale Hauptgerichte mit Gelinggarantie“. Enis Geheimtipps für entspanntes Genießen begleiten fast alle Rezepte – immer mitdenkend. So rät sie zum Beispiel, Eintopf mehrere Stunden im Voraus zuzubereiten oder Naan-Brot bis zum Eintreffen der Gäste bei 50 °C warm zu halten.

Liebevoll arrangiert sind die Foodfotos, manchmal leise unscharf, wie mir schien. Die Autorin ist auch Foodstylistin und Fotografin des Kochbuchs. Das wertig hergestellte Buch umweht so ein Hauch DIY-Charakter. Es gibt viel Keramik, Dunkelgrau, Creme- und Bronzetöne sind zu sehen, auch farbiges Glas und Vasen mit Blauem Eukalyptus fehlen nicht – zweifellos ein zeitgemäßer Interior-Look.

Spätestens beim „Rundum-Sorglos-Paket“ mit Einladungs- und Menükarten zum Downloaden, Mottodinners und Tipps, wie man Wohlfühlatmosphäre herstellt, dämmert mir deutlich, dass Enikö Gruber das Thema Gastgeben zwar in einem stilistisch modernen Sinne, aber inhaltlich klassisch bespielt. Es geht weniger um Spontaneität des Zusammenseins, wie ich erhofft hatte, sondern eher darum, dass hier alles vorausbedacht wird und somit der Stress-Level der Perfektionisten unter gen Null geht für den Fall, dass Freunde kommen, am Tisch Platz nehmen und Leckeres erhoffen.

Viele Aromen, viel Sahne

Kulinarisch ist in Enikö Grubers Kochbuch die ganze Heimat zu Hause – von Topfenpalatschinken (die vielleicht ihrer Heimat Ungarn entstammen) über Börek-Zigarren bis hin zu Linsencurry findet sich eine ansprechende Breite. Hier ist eine kreative Köchin am Werk. Die Auswahl sagt mir daher sofort zu, denn auch ich liebe Vielfalt auf der Tafel.

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Beim Geschmack liegen wir allerdings auseinander, das wird mit jedem Rezept deutlicher. Entweder fehlt mir das gewisse Etwas oder es werden zu viele Gewürze eingesetzt, die im Endeffekt kein stimmiges Ganzes für uns ergaben, so bei der Pasta mit Scampi-Wodka-Sahnesauce oder dem fruchtigen Linsencurry. Bei ersterem Rezept geht der zarte Wodkageschmack, der mich beim ersten Kosten begeistert, in der später zugefügten Passata und Sahne unter. Ein ähnliches Schicksal trifft auch das Linsencurr, wo die Würze der reichlich eingesetzten Kokosmilch zum Opfer fiel.

Gastgeben bedeutet großzügig sein, und so ist es an und für sich willkommen, dass die Portionsgrößen hier generös sind, wie etwa beim Linsencurry, an dem wir als Familie mehrere Tage essen (obwohl es für 4–6 Personen konzipiert ist). Allerdings ist das eigentlich nicht nötig, denn der Sättigungsgrad der Gerichte ist dank des ausgiebigen Einsatzes von Sahne, Crème fraîche, griechischem Joghurt und ähnlich fetthaltigen Zutaten beachtlich, so bei unseren Erlebnissen.

„Food, Friends & Love“ ist ein wertiges und ansprechend gestaltetes Kochbuch für jene, die bei der Aussicht, dass Gäste kommen, dringend eine gute Freundin benötigen, die an alles denkt. Autorin und Bloggerin Enikö Gruber kocht dabei weltumspannend und kreativ. Avocado-Minz-Hummus und Miso-Lachs mit Koriander-Gremolata und Sesam versprechen für sich ein schönes Zusammensein. Allerdings lagen wir leider geschmacklich doch weit auseinander.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2020

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