Kochbuch von Emma Christensen: Getränke naturrein & hausgemacht

Kochbuch von Emma Christensen: Getränke naturrein & hausgemacht ★★★★☆

Getränke naturrein & hausgemacht
Emma Christensen, Fotos Paige Green
Dorling Kindersley Verlag (2014)
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Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Was wäre ein Hobbykoch ohne Neugier? Immer nur Altbewährtes zu kochen, kann auf Dauer nicht befriedigen, also auf zu neuen Ufern. In diesem Sinne war meine Erwartungshaltung groß, verspricht doch das Getränkebuch der Amerikanerin Emma Christensen allerlei spannende Experimente.

Bereits in der Einleitung macht sie dem Leser Mut: „Es ist wirklich so einfach. Sie könnten gleich zum Supermarkt losstarten. 4 Liter Traubensaft kaufen, einen Teelöffel Hefe hinzugeben und in ein paar Wochen Ihren eigenen Wein verkosten.“ Ähnlich einfach soll die Herstellung von Bier, Limonade, Kombucha, Wasser- und Milchkefir, Cider, Met, Sake und Fruchtwein gehen. Nun, so ganz darf man der verheißungsvollen Einleitung dann doch nicht trauen. Für Wein, Bier und Cider benötigt man nicht gerade wenig Zubehör, das, sollte das Experiment schief gehen oder die Begeisterung nachlassen, in die Riege der ausrangierten Küchengerätschaften überzuwechseln droht. Da ich kein Biertrinker bin und vor der Arbeit des Winzers so viel Hochachtung habe, dass ich mir nicht anmaßen möchte, ihm hobbymäßig Konkurrenz zu machen, konzentrierte ich mich auf die Getränke, die wirklich mit relativ geringem Aufwand zu bewerkstelligen sind.

kochbuch-emma-christensen-valentinasMit Kombucha, Wasser- und Milchkefir habe ich schon einige Erfahrungen gesammelt. Was die Autorin dazu schreibt, stimmt damit überein. Die jeweiligen Kulturen lassen sich leicht über das Internet bestellen, sofern man nicht jemanden kennt, der sie (meist kostenlos) abgibt, schließlich haben sie mitunter einen ungestümen Drang zur Vermehrung. Wer möchte, kann sogar versuchen, den Kombuchapilz mit Hilfe von Tee und gekauftem fertigen Kombucha selbst zu züchten. Für die Gärung braucht man dann nur noch ein paar wenige Zutaten, die in der Regel nicht extra besorgt werden müssen. Nach einigen Tagen ist das Getränk fertig und kann in den Kühlschrank umziehen und genossen werden. Emma Christensen liefert natürlich mehr als die Grundrezepte, sie verrät auch, wie man mit verschiedenen Zutaten ganz besondere Geschmacksrichtungen erzeugen kann, etwa Hibiskuskombucha oder Mango-Lassi-Kefir-Smoothie. Hilfreich sind auch ihre zahlreichen Tipps, u.a. für den Fall, dass man beim Kefir-Brauen eine Pause einlegen möchte. Denn darüber sollte man sich klar sein, Kombucha und Kefir sind so etwas wie Haustiere und wollen gepflegt werden.

Neuland für mich war die Limonade. Aus verschiedenen Gründen (zu süß, die Schlepperei!) kaufen wir schon lange keine Limo mehr. Stattdessen verrichtet ein Wassersprudler seinen Dienst, und zum Aromatisieren verwende ich selbst gemachten Sirup. Mithin besteht bei uns eigentlich kein Bedarf für Limonade. Und doch hat mich die im Buch vorgestellte Methode fasziniert, vielleicht auch, weil sie ein wenig an Chemieexperimente aus längst vergangenen Kindertagen erinnert. Und es geht so einfach: nur ein wenig Zucker mit Wasser zu einem Sirup kochen, die gewünschte Geschmackszutat hinzufügen, alles in eine große Plastikflasche füllen, diese mit Wasser auffüllen und am Schluss ein wenig Trockenhefe nicht vergessen. Nach einigen Stunden hat die Hefe ihre Arbeit verrichtet, die Flasche fühlt sich prallvoll an und sollte jetzt noch gekühlt werden. Nur das Öffnen der ersten Flasche gestaltete sich etwas heikel: es schäumte wie aus einer kräftig geschüttelten Colaflasche. Beim nächsten Versuch habe ich dann etwas weniger Hefe genommen. Schön ist, dass man in Sachen Geschmack seiner Kreativität freien Lauf lassen kann (z.B. Ginger Ale, Melonen-Minze-Limo) und dass auch die Süße selbst bestimmt werden kann. Ja, es ist sogar möglich, den Zuckeranteil auf einen Esslöffel pro 2-Liter-Flasche zu reduzieren.

Auch wenn ich nun kein Bier gebraut und keinen Wein vergoren habe, möchte ich doch auch diese Kapitel allein schon dafür loben, dass Emma Christensen gezielt auf die Bedürfnisse von Anfängern eingeht, indem sie ihre Rezepturen auf relativ kleine Mengen begrenzt (maximal 4 Liter). Überhaupt kann das übersichtliche, gut konzipierte und die eigene Kreativität anregende Buch in vielerlei Hinsicht gefallen. Also: Mutige und Neugierige vor! Der Sommer wird heiß!

P.S.
Meine anfängliche Begeisterung für die selbstgemachte Limonade ist inzwischen ein wenig abgeflaut. Mal sind die Ergebnisse auf Anhieb sehr fein, mal tut sich nichts in Sache Gärung, so dass ich mich manchmal nach einigen Stunden entschlossen habe, noch etwas mehr Hefe dazuzugeben. Keine Ahnung, woran das liegt. Zu wenig Hefe, zu alte Hefe, zu wenig Zucker? Verwendet man normale Trockenhefe, macht sich natürlich die größere Hefemenge geschmacklich negativ bemerkbar. Vielleicht hat ja jemand einen Tipp.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2014

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