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Katharina Höhnk

Kochbuch von Emily Scott: Zu Gast in Cornwall ★★★★

Zu Gast in Cornwall – Rezepte & Geschichten, Emily Scott, Fotos: Kim Lightbody, Gerstenberg Verlag (2021)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ming Cao

Von

Bereits das Cover von „Zu Gast in Cornwall“ vermittelt die maritime Ruhe und Heimeligkeit, die man mit dem englischen Sehnsuchtsort in Verbindung bringt. Die Geschichten und Rezepte im Buch spiegeln den geerdeten Flair Cornwalls wider. Aufpassen sollten jedoch Liebhaber der britischen Küche. Auch wenn der deutsche Titel anders vermuten lässt, haben die Speisen der patenten Profiköchin Emily Scott einen gänzlich anderen Einschlag.

Kochbuchautorin Emily Scott
Kochbuchautorin Emily Scott

Das Buch hat definitiv Coffee-Table-Charakter und erinnert eher an einen Roman als an ein Kochbuch. Emily Scott (Foto links) verwebt biografische Erzählungen mit stimmungsvollen Fotos und ihren Speisen. Sie nimmt uns erzählerisch mit auf Spaziergänge durch Cornwall. Die einsame Natur und unendliche Weite erscheinen kristallklar vor meinen Augen. Cornwall zieht mich nach den ersten Seiten in den Bann.

Ähnlich muss es Scott ergangen sein, als sie sich 1999 in Port Isaac in einen Fischer verliebte und sich dort niederließ. Nach der Trennung zog sie mit den drei Kindern nach St. Tudy im Landesinneren von North Cornwall und unterhielt dort bis 2020 ein Restaurant. Heute kocht sie im Watergate Bay Hotel, das sich an der Küste befindet.

Zum Weiterlesen:

Leseprobe beim Verlag

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„Im Laufe der Zeit musste ich einige harte Lektionen lernen und habe erst spät erkannt, dass man die nötige Balance zwischen Kreativität und Geschäftssinn finden muss“, sagt die Lokalpersönlichkeit, die auch schon für Angela Merkel kochen durfte. Doch alles in allem gehe es in Cornwall geruhsam vor, so Scott.

Angelehnt an die französische Küche

Die entspannte Umgebung scheint sich auch auf Scotts Art zu kochen abgefärbt zu haben. „Meine Gerichte sind einfach, saisonal und ansprechend präsentiert“, schreibt sie. Sie koche im Einklang mit dem Lauf der Jahreszeiten und richte sich unangestrengt nach dem Besten, was die Natur jeweils zu bieten habe.

Kochbuch von Emily Scott: Zu Gast in Cornwall
Kochbuch von Emily Scott: Zu Gast in Cornwall

In ihrer Rezeptsammlung finden sich viele Basisrezepte und familientaugliche Gerichte, die Zutatenlisten sind überschaubar, die Anleitungen unkompliziert. Häufig verwendet Scott Meeresfrüchte, Fenchel oder Estragon. Mediterrane und französische Gerichte wie Bœuf bourguignon, Hähnchen mit Orangen oder Tarte Tatin lassen Emily Scotts gastronomische Vergangenheit erkennen.

Bei einigen Cornwall-Spezialitäten stört es mich nicht, dass sie im Buch nicht vertreten sind (man suche im Internet nach Stargazing Pie). Aber über ein Rezept für Cornish Pasties oder Scones hätte ich mich schon gefreut. Ersteres erwähnt Scott lediglich im Zusammenhang mit Bezugsmöglichkeiten. So sehr ich ihre unangestrengte Art mag, an dieser Stelle ist es mir eine Spur zu nonchalant. Einen Vorwurf machen kann man ihr mit Blick auf den Originaltitel des Buchs jedoch nicht. Dieser lautet nämlich „Sea and Shore“. Diese kleine Übersetzungsungereimtheit führte bei mir zu einer falschen Erwartungshaltung.

Unangestrengtes Kochen und überraschend raffinierte Ergebnisse

Und dass eine Spitzenköchin hier kocht, vermutet man auf den ersten Blick auch nicht, denn alles erscheint recht einfach gehalten. Der Reiz liegt darin, dass Emily Scott oft die Zeit für sich arbeiten lässt. Die Hauptarbeit macht, so fiel mir bei vielen Rezepten auf, der Backofen oder Herd.

Beim ersten Testgericht, einem Kohleintopf, ist die Vorbereitung nach etwa zehn Minuten abgeschlossen. Nach zwei Stunden stetem Köcheln halte ich einen wirklich aromatischen Seelenschmeichler zwischen den Händen.

Emily Scott:

„Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich einen Ort vor, an dem sich das Meer mit dem Himmel vereint, an dem das Wetter von einem Moment zum anderen umschlägt, wo eindrucksvoll zerklüftete Küsten endlosen Sandstränden weichen, wo die rauschende Brandung alles andere übertönt. Das ist Cornwall.“

Was den Geschmack betrifft, hat mich mehrfach die zuverlässige Raffinesse und schlichte Eleganz der nachgekochten Rezepte überrascht. Sei es der stimmige und subtil-säuerliche Fischeintopf, das erfrischend-würzige Brathähnchen, das raffinierte Estragon-Hühnchen oder das süchtig machende Frosting der Rübli-Torte. Alles hat durchaus Spitzenqualität.

Das Lebensgefühl der beschaulichen englischen Halbinsel wird dank Emily Scotts’ Erzählweise sowie ihrer unaufgeregten Art zu kochen vortrefflich rübergebracht. Sie lässt die Zeit für sich arbeiten und kombiniert gekonnt einfache Zutaten miteinander. Das Ergebnis sind schnörkellos elegante Gerichte mit französischem Touch. Nur Rezepte für Scones oder Cornish Pasties, einige der Spezialitäten Cornwalls, sucht man hier vergeblich.

Veröffentlicht im Oktober 2022

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