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Viel Freude
Katharina Höhnk

Kochbuch von Emily Ezekiel: Volles Korn ★★★★

Volles Korn – Power- und Genussrezepte mit Reis, Hirse, Roggen & Co., Emily Ezekiel, Fotos: Issy Croker, Dorling Kindersley Verlag (2020), Mehr über den Verlag

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Charlotte Schrimpff

Von

Ein Blick in Ihre Vorräte, bitte: Mit Weizen, Dinkel oder Roggen sind Sie dabei, richtig? Bei Hafer und Reis mutmaßlich auch. Aber wie schaut’s mit Gerste, Emmer und Freekeh aus? Hirse, Buchweizen, Bulgur, Quinoa? Nach Emily Ezekiels Erstling kennen und lieben Sie sie alle, versprochen!

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website & Instagram der Autorin

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Es muss irgendwann Mitte der Neunziger gewesen sein, als sich meine Mutter einer „Sieben-Tage-Körner-Kur“ unterzog; unerreichter Höhepunkt ihrer bisherigen Vollwertambitionen. Wir Kinder sahen diesem Projekt mit einer Mischung aus Befremden und Interesse zu. Eine ganze Woche – nur Getreide!

Wellen wie diese rollen mit schöner Regelmäßigkeit durch den Westen. Zwar spricht man inzwischen eher von „Clean Eating“ und „Wholegrain“, wenn man den Verzehr naturbelassener Cerealien meint, aber rein inhaltlich geht es um das Immergleiche: Junge, vornehmlich weibliche Individu(alistinn)en leisten sich Rohzutaten mit Gesundheits- und Distinktionsbenefit. Denn einigermaßen paradox ist es ja schon, dass das, was weitgehend pur von den Feldern kommt, am Ende für teuer Geld im Bioladen liegt – und nicht auf der untersten Regalebene im Supermarkt.

Kochbuchautorin Emily Ezekiel (© privat)
Kochbuchautorin Emily Ezekiel (© privat)

Voll funktional

In diese Gemengelage tritt Emily Ezekiel (Foto links). Die Britin, die sonst als Co-Autorin und „Food & Prop Stylistin“ für prominente Landsleute wie Jamie Oliver, Melissa Hemsley oder Anna Jones agiert (mit letzterer und der Fotografin Issy Croker betreibt sie sogar ein eigenes Studio), legt mit „Volles Korn“ ihren ersten Alleingang vor. Es geht auf gut 220 Seiten um Getreide und Pseudogetreide und wenig sonst.

Das dafür ungewöhnlich fundiert: Nach einer knappen Einführung zu den Vorteilen von Vollkorn (= höherer Nähr- und Ballaststoffgehalt) sind jedem Kapitel zu einer der 12 behandelten Sorten ein Kurzporträt (Verwendung, Lagerung, Gesundheitsplus) und eine tabellarische Übersicht zu verschiedenen Garoptionen vorangestellt. Anschließend folgen Rezepte im Tagesverlauf – von Frühstück über Hauptmahlzeit bis Kuchen und Dessert.

Kochbuch von Emily Ezekiel: Volles Korn
Kochbuch von Emily Ezekiel: Volles Korn

Dass diese Funktionalität weder dröge noch unsinnlich gerät, ist dem schlanken Layout und Issy Crokers Bildern zu verdanken. Durch ihre Linse verlieren die Körner auch das letzte bisschen Jutebeutel und könnten so auf jedem Clean-Eating-Insta-Profil zu sehen sein. Auch die Rezepte stehen auf den ersten Blick ganz in dieser Tradition: Es gibt viele Porridges und Overnight Oats, Salate, Pancakes und Granola, rohe Cookies und Pflanzendrinks. Aber eben nicht nur: Emily Ezekiel passt auf angenehme Art nicht ganz ins Bild, weil sie beispielsweise ihr fantastisches Hirse-Brathähnchen in Butter tränkt, der Vollkornreis-Paella echte Garnelen gönnt und in die Ganache der Buchweizentarte viel Schokolade und noch mehr Sahne rührt.

Was ist eigentlich Vollkorngetreide?

„Körner sind die Samen von Getreidepflanzen. Als Vollkorn bezeichnet man sie, wenn sie noch die drei folgenden Bestandteile enthalten: die äußere ballaststoffreiche Schicht, Kleie genannt, den nährstoffreichen inneren Teil, den Keimling, und den stärkereichen Teil, den Mehlkörper.“

Voll Geschmack

Das führt dazu, dass viele dieser Vollkorngerichte wirklich schmecken. Nach dem jeweils verwendeten (Pseudo-)Getreide, ja, aber eben auch wie ein Essen, das nicht nur ausschließlich ob seiner ernährungsphysiologischen Benefits zusammengestellt wurde. Am liebsten mochten wir besagtes Hirse-Huhn, eine ultraschnelle Buchweizenpizza und DIY-Vollkornnudeln. Alle Rezepte passen auf eine Seite und der DK-Verlag hat diesem Handbuch einen küchenfreundlichen Softcover-Einband verpasst. Beides ist insofern praktisch, als es durchaus passieren kann, dass es an Ort und Stelle liegen bleibt und man sich unvermittelt in einer Körner-Kur à la Ezekiel wiederfindet, weil man einfach nicht aufhören kann, nach ihren Ideen zu kochen und zu essen.

Allen, die die letzte Vollwertwelle mit ähnlichen Erfahrungen verbinden wie ich und jetzt in einem Alter sind wie unsere Mütter einst, rate ich sehr zu diesem handlichen Band: Er ist bunt, schön, lehrreich, zeitgeistig und auf dem Teller sehr, sehr schmackhaft. Wer hat, profitiert übrigens von Getreidemühle und/oder -flocker – aber die sind Kann, kein Muss.

Veröffentlicht im Oktober 2021

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