Kochbuch von Emily Elyse Miller: Breakfast – The Cookbook

Kochbuch von Emily Elyse Miller: Breakfast – The Cookbook ★★★★☆

Breakfast – The Cookbook
Emily Elyse Miller
Fotos: Haarala Hamilton
Autorenfoto: privat
Phaidon Verlag (2019)
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Laura Skandy

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Eines vorab: Ich bin keine große Frühstückerin. Am Rezensieren des Buches reizte mich weniger die Aussicht auf eine üppige Morgenmahlzeit, sondern vielmehr das grandiose Buchdesign und die Fülle an Material: über 450 Seiten zu internationalen Frühstücksgerichten, unterfüttert mit kurzen Einführungen zum Frühstück in einzelnen Ländern. Es machte wie erwartet wahnsinnig Spaß, in diesem Buch zu lesen – und auch die Rezepte überzeugen mit wenigen Ausnahmen.

Food-Journalistin Emily Elyse Miller (Foto unten) hat sich in New York schon lange als Frühstücksexpertin etabliert: Seit 2015 kuratiert sie den BreakfastClub, der Kreative über ein Frühstück zusammenbringt – in Restaurants, die üblicherweise keines anbieten. Miller interessiert sich für Frühstück als Mahlzeit insbesondere deshalb, weil dieses häufiger als andere Mahlzeiten mit bestimmten Ritualen verbunden sei, die sich je nach Kultur unterschieden. Entsprechend hat Miller mit „Breakfast“ nicht nur eine Rezeptsammlung erstellt, sondern sich auch intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, welche Bedeutung dem Frühstück je nach Region zukommt.

Kochbuchautorin Emily Elyse Miller

Die Rezepte des Buchs sind nach Zutaten/Speisentypen unterteilt („Eggs“, „Pancakes“, „Fish and Meats“, „Cakes“ u. a.). Innerhalb eines Kapitels sind dann jeweils Rezepte aus unterschiedlichen Nationen versammelt. Bildmaterial zu den Frühstücksgerichten ist nur teilweise vorhanden, das Buch beschränkt sich hier auf ein Foto alle paar Seiten – bei insgesamt 380 Rezepten eine sinnige Beschränkung. Über das Buch verteilt finden sich zweiseitige Erläuterungen zur Frühstückskultur in spezifischen Ländern, verfasst von Landsleuten.

Überfordernde Vielfalt

Bevor es bei mir ans Nachkochen ging, blätterte ich mich zunächst ausgiebig durchs Buch und war schnell leicht überfordert ob der Vielzahl an Rezepten. Meine Risikofreude hielt sich gerade bei jenen Rezepten in Grenzen, zu denen kein Foto vorlag: Ohne ansprechende Illustration kam bei mir einfach keine rechte Lust auf, eine asiatische Fischsuppe zum Frühstück zu servieren. Ich hielt mich daher letztlich an Frühstücksklassiker und an einige wenige exotische, aber bebilderte Rezepte.

Kochbuch von Emily Elyse Miller: Breakfast – The Cookbook

Die Rezeptbeschreibungen in „Breakfast“ überzeugen durch Klarheit und Präzision. Bei keinem der gewählten Rezepte kamen Fragen auf, was die Umsetzung angeht. Einzig beim Einkauf der Zutaten war bisweilen Fantasie gefordert: Zwar gibt die Autorin bei länderspezifischen Zutaten mögliche Alternativen an, diese beschränken sich aber auf den amerikanischen Markt. Die deutsche Leserin muss daher selbst noch einmal kreativ werden und/oder Detektivarbeit leisten, um alle Rezepte umsetzen zu können.

Gutes Gelingen mit wenigen Ausreißern

Was die Gelingsicherheit der Rezepte angeht, war bei meiner Auswahl das ganze Spektrum von „klappt eher gar nicht“ bis „grandios“ vertreten. Beim Karamellisieren von Grapefruithälften etwa gerieten mein Backofengrill und ich an unsere Grenzen. Die gewünschte Kruste bildete sich nicht, dafür trat sehr viel Saft aus. Meine Vermutung: Hier wäre ein Crème-Brulée-Brenner das Werkzeug der Wahl gewesen, welcher im Rezept aber nicht erwähnt wird. Am anderen Ende des Gütespektrum fand sich eine echte kulinarische Entdeckung georgischer Herkunft: Chatschapuri, ein mit Käse gefüllter Teigfladen, serviert mit leicht flüssigem Ei als Topping. Hier stimmte einfach alles: die Teigkonsistenz, die Füllung, der Gesamtgeschmack und auch die Optik.

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Zwischen den Extremen lagen mehrere Rezepte, die mein Frühstück durchaus bereicherten, die ich aber nach dem angegebenen Rezept nicht noch einmal zubereiten würde. Mitunter hatte ich den Eindruck, dass dies auch eher vorhersehbar war: Beispielsweise sind die Hefemengen bei eigentlich allen Brotvarianten sehr großzügig bemessen, was geschmacklich zu Einbußen führen muss. Ebenso war mir nicht ganz klar, warum man in einem Sconesrezept komplett auf Ei verzichten sollte, wenn man Sahne verwendet und damit keine vegane Variante ansteuert. In diesen Fällen hätte dem Buch vermutlich etwas mehr Akribie bei der Recherche und/oder ein ausgiebiges Testen der Rezepte gutgetan – was sich vermutlich etwas mit dem Anspruch beißt, das Thema Frühstück erschöpfend zu behandeln.

Insgesamt ein Kochbuch, das hohen ästhetischen Ansprüchen genügt und dessen Lektüre eine intellektuelle Bereicherung darstellt. Die Rezepte gelingen im Durchschnitt gut, es lohnt sich aber hier und da, kritisch mitzudenken. Knappe vier Sterne von meiner Seite!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2020

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