Kochbuch von Emelie Holm: Süßes ohne weißen Zucker

Kochbuch von Emelie Holm: Süßes ohne weißen Zucker ★★★☆☆

Süßes ohne weißen Zucker
Emelie Holm
Fotos Jenny Grimsgard
AT Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Theresa Kellner

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

„Süßes ohne weißen Zucker“. Kochbuchpoesie klingt anders. Aber vielleicht sollte man es dem Kochbuch der Schwedin Emelie Holm anrechnen, dass es nicht lange um den heißen Brei herumredet? Es verspricht sündig süße Desserts und gesunden Genuss in einem. Ob es dieses Versprechen auch halten kann?

Das Thema Zucker beschäftigt mich seit mehr als zwei Jahren – vor allem wie man weißen, raffinierten Kristallzucker durch gesündere, naturbelassene Süßungsmittel ersetzt. Das kleine, ca. 140 Seiten starke Buch von Emelie Holm hat daher sofort mein Interesse geweckt, auch wenn es wohl eher das liebevoll arrangierte Cover voller köstlicher Zutaten war als der eher nüchterne Titel.

Emelie Holms Botschaft ist kaum zu überlesen. Schon das Cover macht klar, dass es um gesunde Zuckeralternativen gehen soll und auch der Klappentext verspricht Süßes für gesunden Genuss. Holm, eine schwedische Patissière, Fernsehbäckerin und Kochbuchautorin möchte ihren Lesern zeigen, wie wenig sich Süßes und gesunde Ernährung widersprechen müssen. Das ist ganz in meinem Sinne!

emilie-holm-valErste Wahl für Rohkostrezepte: Agavensirup

Begeistert stürze ich mich in das Getümmel der 60 Rezepte. Sie gliedern sich in die Kapitel „Kuchen, Tartes und Torten“, „Backen ohne Ofen“, „Kleingebäck und Energieriegel“, „Kalte Getränke und Smoothies“, „Eis“ und „Garnituren“, denen ein kurzer Überblick zu den im Buch verwendeten Süßungsmitteln und Grundzutaten vorangestellt ist. Holm präsentiert hier Ahornsirup genauso wie exotischen Kokosblütenzucker oder Birkenzucker, aber auch Kokosöl und -milch oder Vanilleschoten lobt sie als wichtige Zutaten für die gesunde Küche.

Bei Kokosmilch verwendet sie die Flüssigkeit beispielsweise zum Backen, die feste Creme, die sich beim Kühlen absetzt, als Ersatz für Schlagsahne oder ein gesundes Frosting auf Kuchen. Agavensirup wiederum ist Holms erste Wahl bei Rohkostrezepten, da er durch seinen milden Geschmack andere Aromen nicht überdeckt, während sie den mineralstoffreichen und intensiven Ahornsirup lieber klassisch für Pancakes verwendet.

Für mich neu: Birkenzucker

Die verschiedenen Zuckeralternativen, die im Gegensatz zu ihrem entfernten Verwandten nicht so stark den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen lassen und mit deutlich mehr Nährstoffen daherkommen, sind mir längst keine Unbekannten mehr und bis auf Birkenzucker in meinem Vorratsschrank vorhanden. Für Rezepte wie Limettenkuchen mit Kokoscreme, Kalte Schokoladentarte mit Brombeerkompott oder Pistazien-Aprikosen-Kugeln bin ich also bestens gewappnet. Und siehe da, die Rezepte gelingen allesamt problemlos und entlocken, wie z.B. der Brownie-Erdnussbutter-Cheesecake, das ein oder andere zufriedene Lächeln. Und doch, der Wow-Effekt bleibt leider aus, der Funke will nicht überspringen. Es fehlt mir das geschmacklich Besondere, Neue, das mich die Rezepte in verzückter Erinnerung behalten lässt. Darüber können mich auch nicht die ansprechenden Fotos und die feinen, frechen Illustrationen im Buch hinwegtrösten.

Aber – alles wird enorm gesüßt

Was mich außerdem in kurzer Zeit stutzig macht, sind die enormen Mengen an Süßungsmitteln, die Holm teilweise in ihren Rezepten ansetzt. Während sie bei den Smoothies oder Müsliriegeln eher zurückhaltend ist, geht sie bei den Kuchen und Torten umso mehr in die Vollen. Der Zitronen-Himbeer-Kuchen lässt mich ratlos vor dem Buch zurück – bei über 200 g Agavensirup zusammen mit 200 g Kokosöl und fast 500 g Cashewkernen bringt es ein Stück gefühlt locker auf 1000 Kalorien. Klar, das Buch möchte Alternativen aufzeigen, aber nur weil man keinen weißen Zucker verwendet, soll es doch nicht süßer werden bzw. es ist doch eher so, dass es sogar weniger sein darf. Und gesunder Genuss ist das auch nicht mehr.

kochbuch-2-emelie-holm-suesses-ohne-weissen-zucker-inside-valentinasEmilie Holm scheut sich auch davor, den Leser an ihrem Wissen teilhaben zu lassen, so dass der Leser selber probieren und experimentieren kann. Ebenso vermisse ich den Vorschlag, die natürlichen Süßungsmittel nach und nach auszuprobieren und nach Gusto in den Alltag zu integrieren – zumindest bei dem Vorhaben gleich alle auf einmal zu besorgen, dürfte ein kostenintensiver Ausflug in den Supermarkt oder Bioladen bevorstehen.

Trend-Schnellschuss?

Je mehr ich mich mit dem Buch von Emelie Holm befasse, desto weniger werde ich das Gefühl los, dass die Autorin hier vor allem auf der trendigen zuckerfreien Welle mitreiten wollte. „Süßes ohne weißen Zucker“ wirkt an der ein oder anderen Stelle wie ein Schnellschuss, nicht ganz zu Ende gedacht. Dass der Vorname der Autorin auf dem Buchumschlag Emilie und nur im Buch richtigerweise Emelie geschrieben wird, lässt Rückschlüsse zu, die sich auch im Register wiederholen. Es wirkt geradezu unzureichend und oberflächlich, denn man findet die Rezepte nur mit ihrem genauen Namen. Suche ich nach Crumble, werde ich nicht fündig, da das Rezept den Titel „Beeren-Crumble mit Chiasamen und Granatapfel“ trägt. Hier ist viel Luft nach oben.

„Süßes ohne weißen Zucker“ ist ein gelingsicheres Kochbuch, das solide ausgearbeitet ist. Mir fehlte hier vor allem der Blick über den Rezepttellerrand hinaus, der sich mit dem Thema alternativer Süßungsmittel auseinandersetzt. Immerhin betritt der/die Leser/in kulinarisches Neuland.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2016

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