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Katharina Höhnk

Kochbuch von Ella Risbridger: Die Geschichte beginnt mit einem Huhn ★★★★

Die Geschichte beginnt mit einem Huhn –
Rezepte, für die es sich zu leben lohnt
Ella Risbridger
Illustrationen: Elisa Cunningham
Autorenfoto: Gavin Day
Callwey Verlag (2020)
Mehr über den Verlag

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Charlotte Schrimpff

Von

Die Geschichte endet mit einem Huhn. Zumindest bei uns: Ellas „Midnight Chicken“, das Essen, mit dem bei ihr alles begann, ist das letzte ihrer Rezepte, das ich nachkoche. Und das ich wirklich fast ganz genau so kredenze wie sie. Zwar nicht um Mitternacht, sondern zu einer „zivilisierten“ Abendbrotzeit von 19 Uhr, aber ebenfalls mit frischem Brot und einer Flasche Wein, mit einem Stapel Servietten, damit der Kerl und ich das Fleisch mit den Fingern und Zähnen von den Knochen zupfen können.

Es war nicht das beste Huhn, das ich je gegessen habe. Aber es war ein sehr, sehr angenehmes. Was einerseits an dem scharf-säuerlich-kräuterigen Bratensaft liegt, den man unbedingt vollständig aus der Form tunken sollte. Andererseits an der Art, wie man es verzehrt: zurückgelehnt, ohne Messer und Gabel, im Wechsel von gutem Gespräch und einvernehmlichem Schweigen.

Kochbuchautorin Ella Risbridger

Das ist in etwa die Stimmung, die einen auch beim Lesen umfängt. Und man liest viel, denn „Die Geschichte beginnt mit einem Huhn“ ist vor allem das: eine Geschichte. Erlebt und berichtet von Ella Risbridger (Foto links), einer mittlerweile 28-jährigen Schriftstellerin, Lyrikerin und Bloggerin aus London. Die Presse hypt sie wegen dieses „erzählten“ Kochbuchs als „neue Nigella“ und Branchengrößen wie Nigel Slater, Diana Henry und besagte Nigella Lawson liegen ihr zu Füßen.

Therapeutisches Kochen

Dabei war es einst Ella, die lag. Tiefdepressiv am Boden ihres Flurs, mit Blick auf einen Stoffbeutel, in dem ein Huhn von einer Stuhllehne hing. Unfähig, aufzustehen. Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen – außer dem, dass sie vielleicht einfach so lange liegen bleiben sollte, bis sie durch Laminat und Beton in die Erde gesunken wäre. Dazu ist es nicht gekommen, weil vorher der Große Mann die Wohnung betrat. Er half ihr auf und ging mit ihr in die Küche, wo besagtes Huhn seinen Weg in den Ofen fand. Und Ella von da an jenen zurück ins Leben. Ganz langsam – zwei Happen vor, einen zurück.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website & Instagram der Autorin

Mehr über die Autorin im Guardian (englischsprachig)

Das ist eine der Szenen, wegen der die Times meint, dass dieses Kochbuch verfilmt gehört. Eine Szene, die den Raum öffnet für alles, was dann kommt: der Gang durch Ellas studentisch-hedonistisch ausgestattete Küche. Frühstück mit Porridge, Oatcakes und Geschichten von ihrer Familie. Rezepte für Brote und Suppen, für Essen auf Picknickdecken mit Freunden, für Vorratsschrank-Cuisine, wenn gerade wirklich gar nichts anderes geht.

Ein Festlesebuch

Ella hat diese nonchalante, direkte Art, von Erinnerungen, Begegnungen, Momenten zu schreiben, die man kaum nicht mögen kann. Und weil man sich auch wegen dieses Sounds sehr lange mit ihrem Buch beschäftigen wird, hat der Callwey Verlag gut daran getan, das Ganze von Ariane Böckler (Bridget Jones) übersetzen zu lassen und in robuste Hardcover zu binden. Die zauberhaften Illustrationen von Elisa Cunningham tun ihr Übriges, weil sie einem nicht nur zeigen, wie man „unelegante“ Samosas faltet oder Pie isst (= mit Blick auf London), sondern einen schlussendlich in die Küche treiben. Irgendwann will man halt doch wissen, ob beispielsweise die Beeren-Crumble-Muffins in echt genauso herzig aussehen wie im Buch (tun sie).

Wie das schmeckt? Nun: Ella ist keine gelernte Köchin, sondern steht am Herd wie Sie und ich. Sie kocht Familienklassiker, Spezialitäten ihres fantastischen Großen Mannes, Favoriten von den Nigellas dieser Erde oder (wilde) Eigenkreationen. Das wird manchmal richtig toll und rund (z. B. Kürbispfannen-Pie), manchmal solide (z. B. Erbsen-Parmesan-Pasta) und manchmal ausbaufähig (z. B. der Feigen-Fenchel-Grünkern-Blumenkohl-Parmesan-Salat mit deutlich zu viel Kreuzkümmel- und Fenchelsamen für unseren Geschmack). Aber: Genau das macht sie so sympathisch. Mit Ella (zumindest schriftlich) neben sich bekommt man das Gefühl, dass alles vielleicht doch gar nicht so schlimm ist. Dass alles gut werden kann. Oder wenigstens erst mal warm im Bauch. Für den Anfang.

Dieses Buch werden Sie zweimal lesen (mindestens). Beim ersten Mal werden Sie denken: Wahnsinn! Wahnsinn, was diese Frau geschafft hat! Mithilfe des Großen Mannes, eines Huhns und ihres Willens, sich – verdammt noch mal – nicht von so was wie einer ausgewachsenen Depression unterkriegen zu lassen. Beim zweiten Mal – dann, wenn Sie erfahren haben, was die bittere, bittersüße Pointe all dessen ist – werden Sie denken: Wahnsinn! Wahnsinn, was diese Frau geschaffen hat! Wahnsinn, dass es dieses Buch gibt, dass es genau so vor Ihnen liegt. Was es hoffentlich dann tatsächlich tut.

Veröffentlicht im Februar 2021

2 Kommentare

  1. Thea

    Was für eine schöne Rezension. Liebevoll, begeistert, Lust machend. Wäre ich liquide, würe ich mir das Buch sofort kaufen. Danke.

    • Charlotte

      Danke, Thea! Setz‘ es auf Deinen Wunschzettel… lohnt!
      Herzlich: Charlotte

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