Kochbuch von Elissavet Patrikiou: Griechische Meze

Kochbuch von Elissavet Patrikiou: Griechische Meze ★★★★☆

Griechische Meze – Mein
kulinarischer Ausflug
nach Thessaloniki
Elissavet Patrikiou
Hölker Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Griechenlands Küche hat viel mehr zu bieten als die Grillfleischplatte „Olympia“ mit Tomatenreis und Krautsalat. Ihre wohl schönste Seite sind die Meze mit all ihren kleinen Köstlichkeiten. Elissavet Patrikiou ist nach Thessaloniki gereist und hat eine Auswahl zusammengestellt.

Meze, Mezze, Mese … diese köstlichen kleinen Speisen, die vornehmlich in Südosteuropa und im Nahen Osten beheimatet sind, sind so vielfältig wie diese Regionen und ihre Menschen. Für mich verkörpern sie vor allem eine wundervolle Kultur des gemeinsamen Essens in geselliger Runde, rund um einen reichlich gedeckten Tisch, je größer der Kreis, desto vielfältiger die Auswahl.

Auch als Gastgeberin sind Meze ungemein beruhigend: In zwangloser Reihenfolge wandert Kaltes und Warmes auf den Tisch und findet sein Plätzchen – keine Tellergerichte, kein starres Menükorsett, kein anspruchsvolles Timing und schweißtreibende Multitasking-Akrobatik. Und das Beste: Jeder Gast speist nach eigenem Appetit, keiner läuft Gefahr, zwangsbeglückt zu werden. Ich finde, das sind mehr als genug Gründe, weitere Inspiration zu suchen und der griechischen Meze-Kultur einen Blick zu gönnen!

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Fotografin & Autorin

Die Fotografin und Autorin Elissavet Patrikiou (links) hat selbst griechische Wurzeln (Kochbuchfans dürfte ihr Buch „Echt griechisch“ mit Familienrezepten ihrer Mama Anastasia geläufig sein). Für „Meze“ hat sie nun einen kulinarischen Ausflug nach Thessaloniki unternommen, eine gewachsene, lebendige Hafenstadt, die zweitgrößte Stadt Griechenlands. Das Ausgehviertel Ladadika hat sie nach Tavernen, Ouzerias, Cafés und Bars durchkämmt, Meze probiert, Rezepte notiert. Das Ergebnis: Knapp 50 Meze-Rezepte, ergänzt durch fünf kleine Portraits von Tavernen und Bars samt Adressen, alles hübsch fotografisch in Szene gesetzt.

Querbeet geht die Auswahl mit Salaten und Gemüse, Fisch und Fleisch, Reis und Kartoffeln, Käse und Dipps. Einige alte Bekannte der griechischen Küche sind darunter, Tzatziki etwa, andere Gerichte kenne ich so oder ähnlich auch aus benachbarten Regionen.

Kurz & simpel

Die Rezepte sind kurz und simpel, lediglich einige spezielle griechische Wurst- und Käsespezialitäten tauchen hier und da auf, für die aber auch leichter erhältliche Alternativen genannt werden. So fällt es nicht schwer, eine nette Auswahl für eine Meze-Tafel zusammenzustellen.

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Ich will einen ganzen Abend mit diesem Buch bestreiten, und erst jetzt fällt mir allerdings auf, dass die Autorin tatsächlich nur die Essentials einer Meze-Tafel liefert. Es gibt ausschließlich Rezepte für die deftigen, warmen oder kalten Meze-Speisen, die das Herzstück der Meze-Tafel darstellen. Ein, zwei Rezepte für schlichtes Fladenbrot, ein paar kleine Süßspeisen für danach, einige Tipps zu Kaffee und Alkohol hätten das Programm hier gut abgerundet.

Aber das lässt sich improvisieren. Ruckzuck sind die Kostproben gemacht, wir schlemmen und genießen mit viel Freude (und krassem Knoblauch-Kater am Tag darauf).

Vertrautes in der Hauptrolle

Und der Gesamteindruck? Nun, die Küche ist eher robust, das Nachkochen ging bestens von der Hand, und geschmeckt hat uns alles. Wäre ich in Thessaloniki und dieses Büchlein das Speisenangebot einer netten Taverne, ich würde viel bestellen und prima satt und zufrieden wieder aufstehen.

Was ich mir allerdings noch mehr gewünscht hätte, wäre ein Blick tiefer hinein und über den Tellerrand hinaus, vielleicht auch mal einen Abstecher in Gefilde abseits der bekannten Pfade. Hier ist Elissavet Patrikiou nicht sehr abenteuerlustig und auch nicht sehr mitteilsam. Als kulinarische Reiseführerin bleibt sie auf altbekannten Hauptrouten. Ihre Sprache sind die Fotos und die Rezepte, nicht die Worte. Aber in dieser Sprache kann sie wirklich punkten.

Eine ansprechende kleine Rezeptsammlung: Geradlinige Rezepte, stimmig zusammengestellt und stimmungsvoll in Szene gesetzt – kein kulinarisches Schwergewicht, aber mit zuverlässiger Fernwehgarantie.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2016

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