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Katharina Höhnk

Kochbuch von Elisabeth Raether: Frisch vom Wochenmarkt ★★★★

Frisch vom Wochenmarkt – Kochen und genießen mit Rezepten aus dem ZEITmagazin, Elisabeth Raether, Fotos: Silvio Knezevic, Riva Verlag (2021)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Laura Skandy

Von

Das bereits vierte Kochbuch der „Wochenmarkt“-Reihe richtet sich wie immer an Alltagsköch*innen mit Vorliebe für Gemüsegerichte. Wiederum beweist Elisabeth Raether, dass man mit minimalem Aufwand in der Küche ziemlich weit kommt – und dass ein Kochbuch große Unterhaltung sein kann.

Kochbuchautorin Elisabeth Raether
Kochbuchautorin Elisabeth Raether

Elisabeth Raether (Foto links) ist eine echte Großproduzentin von Rezepten. In ihrer ZEIT-Kolumne „Wochenmarkt“ präsentiert sie seit 2011 wöchentlich ein Alltagsgericht und erzählt dazu Geschichten aus ihrem (Küchen-)Alltag. Knapp 600 Kolumnen sind es bisher. Ob es ihr schwerfällt, wöchentlich ein Rezept bereitzuhalten? Gar nicht, schreibt Raether, es gebe ja so viel auszuprobieren und zu entdecken. Dass sich in ihrer Beziehung eine etwas klassische Rollenverteilung eingeschlichen habe (Frau ständig in der Küche, Mann fast nie), sei da auch verschmerzbar.

Der Titel „Wochenmarkt“ verweist, so lässt sich mutmaßen, auf die Vorliebe der Autorin für die frische, saisonale Küche. Raether ist, wie sie im Buch auch erwähnt, bekennender Gemüsefan und Biokisten-Abonnentin, ihren Rezepten ist die Gemüsevorliebe anzumerken. Man kann das Wochenmarkt-Motto aber auch als Verweis darauf lesen, dass es sich um Rezepte handelt, die in den Alltag passen sollen – was der Markt/die Gemüsekiste so hergibt, will verarbeitet werden und das möglichst köstlich, aber ohne zusätzlichen Ausflug ins Feinkostgeschäft.

Zum Weiterlesen:

Leseprobe beim Verlag

Viel Text, viel Bild

Das erste Lesen im Buch gestaltet sich tatsächlich als Lesen, weniger als Durchblättern: Es handelt sich um eine Kollektion bereit erschienener Kolumnen, weshalb man zu jedem Gericht einen Kommentar, eine Alltagsnotiz, manchmal auch ein persönliches Bekenntnis der Autorin zu lesen bekommt. Das ist ungemein unterhaltsam, intelligent und immer witzig. Zum lässigen Schreibstil passen auch die Gerichte: Auf Kapriolen wird verzichtet, jedes der Rezepte ist anfängergeeignet, die Zutatenliste ist meist überschaubar und die Zutaten sind fast alle im Supermarkt auffindbar.

Kochbuch von Elisabeth Raether: Frisch vom Wochenmarkt
Kochbuch von Elisabeth Raether: Frisch vom Wochenmarkt

Sehr leser*innenfreundlich: Zu jedem Rezept findet sich ein Foto, die Formatierung ist übersichtlich gestaltet, ebenso der Index. Vorbemerkungen zu Zutaten, Werkzeugen oder Techniken gibt es keine, auch hier liebt es Raether schlicht. Es handelt sich also um ein gut strukturiertes „Best of“ erschienener Kolumnen, aber eben auch nicht mehr – wer regelmäßig die „Zeit“ liest, für den dürfte sich die Anschaffung eher nicht lohnen.

Einfach und erprobt

Mein erstes Rezept teste ich quasi aus Verlegenheit, ich brauche eine Begleitung zum schnell zusammengewürfelten Ofengemüse. Der Erdnussdip mit Honig, Limettensaft, Ingwer, Limette und Sojasauce ist gleich ein Volltreffer. Luxuriös-cremig, aromatisch und potenziell endlos wandelbar. Dazu in fünf Minuten servierfertig. Das Fenchelgratin, das ich für Gäste zubereite, ist da deutlich klassischer, aber sehr solide. Hier zeigt sich allerdings auch schon eine Minischwäche des Buchs: Grammangaben gibt es nur wenige, Einfachheit wird hier vor Präzision gestellt. Ob „4 Fenchelknollen“ allerdings eher 800 g oder 1,5 Kilo sind, macht eben doch einen Unterschied. Bei mir reichen die 4 EL Sahne entsprechend nicht ganz.

Elisabeth Raether:

„In diesem Buch geht es nur um Freude und Genuss, nicht um Stress, Leistung, Können. Alle Rezepte sind leicht nachzukochen, man braucht nicht zwei Töpfe und drei Pfannen, die Zutatenlisten sind kurz, und die Zutaten nicht rar, sondern fast überall gut zu bekommen; es geht also um nichts anderes als einfaches, gutes Essen.“

Mein persönliches Highlight ist die Pasta mit Pilzen, Esskastanien und Speck: Ganz der Philosophie des Buchs entsprechend äußerst einfach in der Zubereitung, dabei geschmacklich fein abgestimmt und sehr köstlich. Bei einigen anderen Rezepten könnte man vielleicht monieren, dass die Schlichtheit der Zubereitung ein wenig auf Kosten der Raffinesse geht – die Blumenkohlpasta haute mich nicht vom Hocker. Im Durchschnitt aber gelingt es mit Raethers Buch, ein köstliches Ergebnis mit minimalem Aufwand zu erkochen – genau das also, was man sich in der Alltagsküche erhofft.

Insgesamt vier Sterne: Ein Kochbuch für jeden Tag, das man auch einfach nur lesen kann. Nicht für Fans von Präzisionsrezepten, dafür perfekt für Anfänger*innen und eigentlich jeden, der Inspiration für einfache Gerichte sucht.

Veröffentlicht im Oktober 2022

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