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Katharina Höhnk

Kochbuch von Elisabeth Grindmayer & Stephanie Haßelbeck: Farmmade ★★★★

Farmmade – Rezepte & Geschichten vom Leben auf dem Land, Elisabeth Grindmayer & Stephanie Haßelbeck, Hölker Verlag (2021)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ulrike Thyll

Von

Mit einem eigenen Obst- und Gemüsegarten kann man nur gewinnen. Das zeigen die Schwestern Elisabeth und Stefanie in ihrem Blog, aus dem nun ihr Kochbuch hervorging. Als ehemalige Gastronominnen haben sie sich schon länger mit gesunder, vielfältiger Ernährung auseinandergesetzt, und auf der Suche nach Entschleunigung ihres Lebensstils kehrten sie zu ihren Wurzeln auf dem Land zurück, wo sie nun auf dem Gehöft der Familie einen Küchengarten bewirtschaften. Es geht ihnen um gesunde saisonale Ernährung und Nachhaltigkeit, Aspekte, die inzwischen bei vielen Gärtnern und Verbrauchern breiten Anklang finden.

Kochbuchautorinnen Elisabeth Grindmayer & Stephanie Haßelbeck (© Carina Pilz)
Kochbuchautorinnen Elisabeth Grindmayer & Stephanie Haßelbeck (© Carina Pilz)

Zeitgemäße Grundideen

Was kann mir als Hobbygärtnerin und Familienköchin ein solches Kochbuch bringen? Zunächst einmal trifft es genau meine Gartenphilosophie durch den Verzicht auf Pestizide und den Einsatz von Mischkulturen im Garten sowie das Umdenken im Bereich der Unkräuter (Neusprech: Beikräuter).

Der Einsatz von Fleisch und Fisch bei den Rezepten ist ausgesprochen rar, die Grundstruktur des Buches saisonal angelegt. Bei den Gerichten finde ich eine ganze Reihe von Variationen vertrauter Rezepte und auch gelegentlich Neuland. All das zusammen genommen entspricht meiner Vorstellung von einem zeitgemäßen Kochbuch. Darüber hinaus ist das Buch auch noch schön anzusehen durch zahlreiche stimmungsvolle Bilder von Garten, Zutaten und Gerichten.

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Und die Rezepte?

Die Durchsicht der Rezepte und die ersten Kochversuche bestätigen den guten ersten Eindruck. Mir fällt zunächst eine Reihe von reizvollen Drinks ins Auge wie z. B. Apfelblüten-Whiskey, Sloe Gin Fizz, Johannisbeer Shrub und Gurkendrink mit Holunder. Bis auf den altbekannten Sloe Gin sind das interessante neue oder wiederentdeckte Kombinationen. Interessant sind ebenfalls eine Handvoll Rezepte mit Wildkräutern, die in ein modernes Gartenkochbuch einfach gehören.

Radieschen-Wildkräuter-Tortilla und Giersch-Apfelminz-Couscous mit Salzzitrone schmeckten uns gut, zu Brennnessel-Spätzle habe ich mich noch nicht durchringen können. Darüber hinaus sind ungewöhnliche Kombinationen wie grüner Spargel mit Erdbeeren und Parmesan, Rosenkohl-Kimchi und Rotkohlpuffer mit Feldsalat und Walnüssen wirklich lohnend und natürlich solche Rezepte, die zufällig den „Kochstand“ der jeweiligen Leser treffen.

Kochbuch von Elisabeth Grindmayer & Stephanie Haßelbeck: Farmmade
Kochbuch von Elisabeth Grindmayer & Stephanie Haßelbeck: Farmmade

In meinem Fall die gerade ausgeprägte Vorliebe für Pavlovas (hier mit Rhabarber und Erdbeere), meine Entdeckung des Winterportulaks vor zwei Jahren und die unterschätzte Stoppelrübe für Eintöpfe und Suppen. In diesem Bereich werden alle Leser sicher ihre eigenen gerade aktuellen Favoriten finden können, weil alle Jahreszeiten durch pfiffige Obst- und Gemüserezepte abgedeckt sind.

Unübersehbar

Mein erster durchweg positiver Eindruck wandelte sich aber. Je länger ich das Kochbuch in Benutzung hatte, desto deutlicher trat auch sein Coffee-Table-Book-Charakter mit vielen stimmungsvollen Fotos und luftigen Seiten in Erscheinung für alle, die gerne einen Garten hätten, aber nicht wirklich haben. Denn nicht nur in Sachen Gärtnern, sondern auch bei der immer wieder angesprochenen Nachhaltigkeit offenbart das Kochbuch Farmmade schmerzlich Leerstellen, wenn es über das Atmosphärische hinausgeht.

Elisabeth Grindmayer & Stephanie Haßelbeck:

„Saisonale, regionale Küche ist fordernd, weckt aber auch die Kreativität. Das macht das Kochen im Rhythmus der Natur für uns so spannend.“

Ein Beispiel: Die Autorinnen betonen selbst, dass mit viel Mühe erzeugtes Gemüse im Garten nachhaltig verwertet werden sollte. Darunter verstehen sie aber lediglich frisches Zubereiten und Konservieren, das sie leider mit nur wenigen Rezepten nachgeordnet in ein Extrakapitel (Unsere Speisekammer) verbannen, also nicht in die tägliche Küchenroutine einbeziehen. Dabei bieten ihre Rezepte viel Raum für solche Ideen. Hier hätte ich mir mehr gewünscht.

„Farmmade“ ist ein persönliches Kochbuch von zwei sympathischen Schwestern. Seine Stärken sind die vielfältigen Anregungen für die direkte saisonale Verarbeitung von Gartenprodukten von Frühling bis Winter. Alle Rezepte sind wunderbar geeignet, Gartenerzeugnisse vielseitiger und häufiger auf den Speisezettel zu bringen, ein Plus, das man dem Buch unbedingt zurechnen muss. Das Anliegen der Nachhaltigkeit und des Gärtnerwissens muss man als eher als Bühnendekor für der Rezepte verstehen.

Veröffentlicht im November 2021

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