Kochbuch von Eleonora Galasso: La Dolce Vita

Kochbuch von Eleonora Galasso: La Dolce Vita ★★★★☆

La Dolce Vita – Alte und neue
Klassiker der römischen Küche
Eleonora Galasso
Fotos: David Loftus
Knesebeck Verlag (2017)

Heike Hartmann

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Farbenfroh, gut gelaunt und fröhlich: Schon allein die Bilder auf dem Cover machen Lust auf das Erstlingswerk von Eleonara Galasso, Expertin für #foodhappiness. Eleonora Galasso ist Food-Autorin, Bloggerin, Lehrerin und eine Instagram-Sensation mit 47.000 Abonnenten. Ihre Liebe zum Essen nahm nach eigener Aussage schon in jungen Jahren ihren Anfang, und das Hobby wurde zum Beruf.

Rom reloaded: Alte und neue Klassiker aus der Ewigen Stadt

Für ihr erstes Kochbuch bereiste Eleonora die Region um Rom, das Latium, und sammelte Rezepte und Geschichten von den unterschiedlichsten Menschen. Sie pendelt als Journalistin zwischen Rom und Paris und leitet Kochseminare. Selbst bezeichnet sie sich auf ihrem englisch-französischen Blog als „Life Style Expert & Food Interpreter“ – die Interpretation ist ja für viele Blogger eine Einflugschneise, um aus Bekanntem etwas Besonderes zu machen.

Umso spannender, was es jenseits von Pizza und Pasta aus der römischen Küche herauszuholen gibt . Für Eleonora (Foto links) ist Essen eine Sprache, die entschlüsselt werden muss; sie selbst sieht sich als kulinarische Botschafterin, ja sogar als „Kreuzritterin des guten Geschmacks“.

E pronto a tavola – Und nun zu Tisch!

In munterem Plauderton erzählt Eleonora sowohl in der Einleitung als auch in dem jedem Rezept vorgeschaltetem Teaser davon, was sie an italienischem Lebensgefühl im Allgemeinen oder an einem Rezept im Besonderen so schätzt.

Allgemein ist es das wohlige Gefühl, das sich nach einer guten Mahlzeit einstellt, die liebevoll zubereitet und zusammen mit Freunden oder der Familie eingenommen wurde. Die römische Küche, in der sich die Vielschichtigkeit der Vergangenheit der Ewigen Stadt widerspiegelt, passt besonders gut zu dem sprudelnden Ansatz.

Optisch veredelnd wirkt einmal mehr David Loftus als Foodfotograf, der die attraktive Lifestyleexpertin wie gewohnt häufig mit aufs Bild bringt, beim Probieren, auf dem Markt, in der Bar: Selbstinszenierung gehört natürlich für eine Lifestyleexpertin dazu …

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Eine umfassend wichtige Ansage in Italien: Eleonoras Intention ist die Vermittlung von bodenständigen, einfachen und unkomplizierten Rezepten, die sich leicht nachkochen lassen. Dies wird jedoch nicht ganz eingehalten. Schon die Zutatenlisten sprengen mitunter die Seiten, und dass hier und da Sojasauce, Erdnüsse und Limettenblätter dazukommen, mag der Internationalität der Autorin geschuldet sein – in italienischen Küchen dürften diese Zutaten im Allgemeinen kaum vorrätig sein.

Spannende Kapitelaufteilung, auch mit Mitternachtsschlemmereien

Die Kapitelaufteilung des Buches kommt mit ganz eigenen Kategorien daher, was ich überaus ansprechend fand, und die Überschriften lauten einmal nicht Pizza und Pasta. Gleichwohl finden sich 14 Pastarezepte im Inhaltsverzeichnis – aber wer will schon italienische Küche ohne Pasta?

So beginnt das Werk mit allerlei Rezepten für Gebäck für das Frühstücksritual „Al bar“ (die Römer frühstücken lieber in der Bar als zu Hause). Kapitel 2 lautet „Für zwischendurch“ und beginnt mit Anekdoten aus der Klosterschule, die die Autorin besuchte, und der Erinnerung an Schwester Fortunata, der sie ihre Liebe zu allem, was gut schmeckt und riecht verdankt – hübsch.

Die nächsten Kapitel widmen sich dem Mittagessen, unterwegs oder mit der Familie. Weiter geht’s mit dem Aperitivo, Ideen für romantische Abendessen, Abendessen, die besondere #foodhappiness verströmen. Es gibt ein Kapitel für die Zeit zum Feiern, für Kuchen & Co., Rezepte für die Vorratskammer und Mitternachtsschlemmereien. Rezepte für jede Tages- und Nachtzeit quasi. Alle werden mit einem liebevollen Teaser eingeleitet, in dem Eleonora die Besonderheiten des Rezepts und ihren Bezug dazu erläutert, das ist atmosphärisch und mit Freude zu lesen.

Mit Aah und Ooh habe ich das Buch durchstöbert und viele Rezepte mit einem Post It versehen. Aber bei näherem Hinsehen und Studieren der Kochanleitungen fragte ich mich, wie ich den Aufwand in meinen Alltag integrieren könnte und siehe da, die hochgepriesene Einfachheit konnte ich vielfach nicht recht ausmachen.

Die glasierten Schalotten für die Hackbällchen habe ich dann beispielsweise bereits am Vortag zubereitet, um den Kochprozess dann am nächsten Tag etwas zu beschleunigen. Ähnlich bei der Gemüsepaste, in die unter anderem karamelisierter Lauch hineinkommt, der mit über einer Stunde Kochzeit zu Buche schlägt. Zum Schmunzeln fand ich die vielfach dezidierten Angaben zu den Kantenlängen von Gemüse (1cm), aber das ist ja wohl der Ästhetik geschuldet und muss wohl nicht zwangsweise eingehalten werden.

Dolce Vita ist ein fachkundiges, Lebenslust versprühendes Buch, das neue Ideen und Aspekte der italienisch-römischen Küche, über Pizza und Pasta hinausgehend, ermittelt. Das Buch ist eher Fortgeschrittenen als Anfängern der italienischen Küche zu empfehlen: Die angekündigte Einfachheit möchte ich mit Fragezeichen versehen. Die einzige Herausforderung dann ist, kleine violette Artischocken, das Herzstück der römischen Küche, zu beschaffen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2018

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