Kochbuch von Eleanor Ford: Fire Islands

Kochbuch von Eleanor Ford: Fire Islands ★★★★★

Fire Islands –
Rezepte aus Indonesien
Eleanor Ford
Fotos: Kristin Perers
Knesebeck Verlag (2020)

Julia Eckl-Dorna

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Indonesien – etwa 17.000 Inseln umfasst der größte Archipel der Welt entlang des Äquators über eine Länge, die der Entfernung zwischen Deutschland und Afghanistan entspricht. Geprägt wird es aber auch von enormer kultureller Vielfalt. Denn die Bevölkerung setzt sich aus Hunderten ethnischer Gruppen zusammen. Das Kochbuch Fire Islands ist eine Brücke zu der Region und lädt auf eine kulinarische Reise dahin ein. Die Einladung nehme ich zu sofort an.

Wer könnte dabei eine bessere Begleiterin und Führerin sein als Eleanor Ford. Ihr erstes Buch Samarkand, bei dem sie gemeinsam mit Caroline Eden die Seidenstraße bereiste, hat nicht nur bei Valentinas für Begeisterung gesorgt, sondern ihr auch den renommierten „Guild of Food Writers“-Award für „Food and Travel“ eingebracht.

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Aufgrund des Architekturberufs ihres Vaters, der in Indonesien Hotels plante, ist Eleanor Ford (Foto unten) Indonesien seit ihrer Kindheit verbunden. In einem grauen Winter in London – diese sind besonders lang und trüb, wie ich aus eigener Erfahrung weiß – zog sie einfach mit ihrer Familie für einige Zeit auf den Archipel. Sie wollte ihren Kindern die Farben, Klänge und Düfte des Landes, das sie in ihrer Kindheit so geprägt hatte, näherbringen. Und bereits beim ersten Durchblättern des Buches bekomme ich Lust, es ihr gleichzutun und meine Koffer zu packen.

Kochbuchautorin Eleanor Ford

Essbare Reisesouvenirs

Auch wenn der Fokus in „Fire Islands“ auf dem Kulinarischen liegt, sind so gekonnt Fotos und Details über Land und Leute eingestreut, dass es weitaus mehr ist als „nur“ ein Kochbuch. Es ist ein erster Eindruck eines unendlich vielseitigen Landes. Die reich bebilderten, farblich perfekt inszenierten Rezepte machen die Auswahl schwer, am liebsten würde ich alles probieren.

Die Rezepte sind übersichtlich gegliedert, einzig eine Zeitangabe fehlt zur perfekten Orientierung. Die meisten Zutaten sind im Asiashop leicht zu bekommen, bei ausgefalleneren Zutaten, wie zum Beispiel Kemirinusskernen mit süßlichem Geschmack, wird immer eine Alternative (hier: blanchierte Mandeln) geboten. Das Ziel der Autorin, dass jeder mit in Europa verfügbaren Zutaten indonesisch kochen können soll, ist gut umsetzbar. Von Streetfood über Salat und Nudeln bis hin zu landestypischen Getränken reicht die Palette.

Bumbu, das Herz der indonesischen Küche

Grundlage der meisten indonesischen Gerichte sind diverse Variationen der Gewürzpaste „Bumbu“, wobei die Basiszutaten hierfür Knoblauch, Thai-Schalotten, Ingwer, Zitronengras, Chilischoten (hier habe ich aus Liebe zu meinen Kindern immer gespart …) und Kaffirlimettenblätter sind. Meine in einem thailändischen Kochkurs frisch erworbene Kenntnis, dass Pasten in der asiatischen Küche nur händisch in einem Mörser in mühevoller Handarbeit erzeugt werden sollten, kann ich hier gleich in der Praxis anwenden. Zwar ist die Bumbu damit etwas aufwendiger herzustellen als mit dem Mixer, aber das Gericht wird ungleich sämiger.

Kochbuch von Eleanor Ford: Fire Islands

Das Curry mit pfannengerührtem Gemüse wird sofort zum Erfolg. Auch wenn ich nur einen Bruchteil der angegebenen 200 g Chilis verwende, ist das Gericht scharf, aber geschmacklich unglaublich ausgewogen. Eleanor Fords Kommentar zu dem Gericht, dass ihre Freunde es so lecker finden, dass es sich allein dafür lohne, ein Kochbuch über die indonesische Küche zu schreiben, kann ich nach dieser ersten Erfahrung durchaus teilen.

Auch das Kartoffelcurry ist trotz schlichter Zutatenliste ein Traum. Der Geschmack von Limettenblättern und die erdige Kurkuma-Note nebst hübschem Farbeffekt mischen sich stimmig mit der Frische von Zitronenbasilikum und Minze. Gelernt habe ich, dass die Grundzutaten für die Bumbu zwar immer gleich sind, aber je nach Gericht abgewandelt werden, sodass jedes seine eigene Note erhält.

Das Spektrum der indonesischen Küche an Aromen und Kombinationen – vermutlich dank der kulturellen Vielfalt – beeindruckt mich. Meine Nachkochlist ist lang. So gerne möchte ich den fermentierten Kohlsalat mit Erdnussdressing und den gedämpften Schwarzreiskuchen einmal schmecken.

„Fire Islands“ von Eleanor Ford bildet einerseits die kulinarische Vielfalt des Inselstaates Indonesien ab, aber schlägt trotzdem den Bogen zu uns Leser*innen. Im Zentrum stehen Curry-ähnliche Gerichte mit Bumbu, der indonesischen Gewürzpaste, aber es gibt es eine Vielzahl weiterer Gerichte zu entdecken. Das Kochbuch erfüllt jedes Fernweh nach Fremde und Neuem. Mich begeistert es.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2020

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