Kochbuch von Ed Baines: BritCuisine

Kochbuch von Ed Baines: BritCuisine ★★★☆☆

BritCuisine – Die neue britische Küche
Ed Baines, Egmont vgs Verlag (2010)

Sabine Cikic

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Gute Rezepte für Köche mit Übung

Einfach, aber nicht alltäglich. Bodenständig, aber nicht langweilig. Raffiniert, aber nicht überkandidelt. In BritCuisine zeigt uns Ed Baines, dass die moderne britische Küche weitaus besser ist als ihr Ruf und leistet Überzeugungsarbeit mit einer beachtlich vielfältigen Auswahl an Rezepten, von ganz simpel bis durchaus anspruchsvoll. Ein Buch aber vor allem für Köche, die auch gerne einmal improvisieren und sich von manchmal ungenauen Zutatenbeschreibungen, Mengenangaben und Anleitungen nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Ed Baines, der illustre Starkoch aus London, hat sein Handwerk im ehrwürdigen Hotel The Dorchester in London erlernt, in Hotels und auf Yachten im nahen und fernen Ausland gearbeitet, sich als Model verdingt und betreibt ein erfolgreiches Restaurant in der britischen Hauptstadt. Bekannt geworden in Großbritannien ist er vor allem als Jurymitglied der Kochshow „Britain’s Best Dish“ sowie als Fernsehkoch. Mit seinem zweiten Kochbuch BritCuisine setzt er nun an der Welt zu zeigen, dass die britische Küche weit mehr zu bieten hat als Fish & Chips oder Rührei mit Baked Beans.

BainesDie Rezepte sind klassisch unterteilt. (Links: der Autor) Neben Standardkapiteln wie „Warme Vorspeisen“, „Kalte Vorspeisen“, „Fleisch & Geflügel“ oder „Desserts“ gibt es auch drei Kapitel, die einen eindeutigen Bezug zur britischen Küche herstellen: „Pasteten“, „Currys“ und „Teatime“. Die Kapitel „Brot & Gebäck“ sowie „Brühen, Saucen, Marmeladen & Gelees“ runden die Palette sehr schön ab. Verwunderlich ist das Kapitel „Frühstück“ – hier kamen bei mir kurz Zweifel auf, ob die Auswahl der Rezepte tatsächlich eine moderne britische Küche widerspiegelt. Limonaden, frittierte Rotzungen, Dorschrogen oder Würstchenfrikadellen mit Wachteleiern dürften jedenfalls nicht jedermanns Geschmack am frühen Morgen treffen und auch vermutlich eher seltener in britischen Küchen (morgens!) aufgetischt werden. Schade fand ich, dass es kein eigenes Kapitel zu Gemüse gibt, das darf meiner Meinung nach in keinem zeitgemäßen Kochbuch fehlen.

BainesEine große Zahl der Rezepte ist berechnet für 1-2 Personen, was mir persönlich gut gefällt. (Links das Cover der englischen Ausgabe) Ärgerlich fand ich mangelhafte Anleitungen und schlechte Rezeptstrukturierungen! Die Zutatenlisten sind leider mitunter ungenau. „1 Dose Sardellen“ – wieviel Gramm sind da gemeint? „50 g getrocknete Aprikosen“ – werden in Milch eingeweicht und unter einen Teig geknetet. Wo ist die Anweisung, die Aprikosen klein zu schneiden? Ein Anruf bei Freunden in Großbritannien brachte die Lösung, dass es dort durchaus üblich ist, getrocknete Aprikosen bereits klein geschnitten zu kaufen. Ich wunderte mich, wie übertrieben genau Ed Baines an anderer Stelle ist: „Wachteleier weich kochen (ich gebe ihnen immer 2 Minuten und 16 Sekunden)“.

Und apropos Zeit… Vermisst habe ich Zeitangaben für die Zubereitung der Gerichte. Vor allem auch weil die Rezeptbeschreibungen sehr textlastig sind und ohne jede Strukturierung auskommen, egal, wie groß der tatsächliche Aufwand sein mag. Das ist zudem mühsam, wenn man während des Kochens zwischendurch mal nachlesen muss. Manche Arbeitsschritte hätte Ed Baines einfacher beschreiben können, um Geschirrberge zu minimieren. Der Behauptung des Autors, dass lediglich simple Küchentechniken vonnöten wären, um die Rezept nachzukochen, möchte ich zumindest nicht uneingeschränkt zustimmen: die Verarbeitung eines lebenden Hummers beispielsweise gehört sicher nicht in das Standardprogramm.

Und doch: So unschön einige Punkte sein mögen, für mich als geübte Köchin sind das gerade noch Schönheitsfehler, die ich gerne verzeihe. Denn BritCuisine ist ein Kochbuch, das ich wegen seiner Rezepte schätzen gelernt habe. Ed Baines punktet mit überwiegend alltagstauglichen Rezepten, die mit einer übersichtlichen Anzahl von überwiegend leicht beziehbaren Zutaten auskommen. Die eher gehaltvollen Rezepte, die ich nachgekocht habe, waren geschmacklich durchaus fein und lecker.

BritCuisine ist auch ein schönes Kochbuch: Mir gefällt das minimalistische Cover-Design der deutschsprachigen Ausgabe, das einen sofort an die Londoner U-Bahn denken lässt. Es ist bebildert mit stimmungsvollen Stadt- und Landschaftsaufnahmen und ansprechender Food-Fotografie, die etwa ein Fünftel der Rezepte begleitet. Und nicht zuletzt schafft es Ed Baines zu zeigen, dass die moderne britische Küche, die kulinarische Einflüsse aus aller Welt in sich aufgenommen hat, dabei überraschende, schmackhafte Variationen auch klassischer Gerichte hervorbringt. Ein britisches Aushängeschild, das zwar manchmal Improvisieren beim Kochen einfordert, aber mich weiter zum Ausprobieren inspiriert.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2011

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