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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | April 23, 2017

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Kochbuch von Duval Timothy, Jacob Fodio Todd & Folayemi Brown: The Groundnut Cookbook ★ ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Duval Timothy, Jacob Fodio Todd & Folayemi Brown: The Groundnut Cookbook
Rezension

The Groundnut Cookbook
Duval Timothy, Jacob Fodio Todd & Folayemi Brown
Fotos Toby Glanville & Sophie Davidson
Penguin / Random House (2015)

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut!

Katja Böttger Von

Ist die afrikanische Küche „The Next Big Thing“, wie britische Gazetten unlängst verkündeten? In den Metropolen vielleicht – hier in der deutschen Provinzgroßstadt deutet nicht viel darauf hin. Shops gibt’s reichlich, ein paar Esslokale auch, aber von einem Foodie-Trend zu sprechen, wäre doch arg übertrieben. Macht nichts, ich kann warten – und blättere derweil schon mal im „Groundnut Cookbook“.

Auf dem Radar der internationalen Küchen sind Afrikas Regionen südlich der Sahara kaum auszumachen, auf dem Kochbuchmarkt ist die Ausbeute erst recht dürftig, und auch Valentinas Fundgrube macht hier keine Ausnahme. Drei junge Männer aus South London wollen dies ändern. Duval Timothy, Jacob Fodo Todd und Folayemi Brown haben familiäre Wurzeln in Ghana, Nigeria, Sierra Leone, Kenia und im Südsudan. Vor gut fünf Jahren, im Januar 2012, hoben sie „The Groundnut“ aus der Taufe, einen Supper-Club (hier ein paar Impressionen). Alle zwei Monate stellen sie ein Event auf die Beine. Aus den ersten neun „Menüs“ – darunter ein Brunch – entstand dieses kraftvolle, bunte Buch.

Und der Funke springt sofort über – ach, was sag ich, ein ganzer Funkenregen! Griffiges Papier, warme, leicht körnige Fotos, lauter sympathische Menschen, die drei „Groundnut-Boys“ immer mittendrin. Da mischen sich alte Familienfotos mit Porträts von Freunden und Verwandten, Szenen aus dem Supper-Club, wechselnde Locations, improvisierte Küchen und Tafeln. Sehr gelungen finde ich, wie die Gerichte inszeniert sind, so ganz unprätentiös, ohne Kräuterdeko, kein teures Geschirr, erst recht keine afrikanische Folklore, eher schon mal Plastik in klaren Farben, eben ganz wie in Afrikas Restaurants und Garküchen. Da hat das Fotografenteam mal wirklich gut hingeschaut!

kochbuch-groundnutEin panafrikanisches Konzept

Dass es von Spitzbergen bis Sizilien nicht „die“ europäische Küche gibt, leuchtet unmittelbar ein. Ebenso wenig gibt es „die“ afrikanische Küche. Dennoch haben die drei Jungs die unterschiedlichen regionalen Strömungen nicht kapitelweise eingezäunt oder systematisch nach Gemeinsamkeiten abgeklopft, sondern ganz ungezwungen zu einem panafrikanischen Strom zusammenfließen lassen. So treffen westafrikanische Straßenklassiker wie Groundnut Soup, Red-Red, Palava Sauce und Jollof Rice ganz lässig auf kenianisches Nyama Choma, Ugali und Sukuma Wiki oder äthiopisches Wot und Injera. Nicht alle Gerichte sind traditionell oder nach „Großmutters Rezept“, hier und da basteln die drei auch weiter, probieren neue Zutaten, kombinieren neu, auch Einflüsse internationaler Küchen schimmern gelegentlich durch. Dies mag Traditionalisten irritieren – ich finde, es passt perfekt zu den drei Jungs, die eine so lebendige Kochkultur leben.

Mein Kochplan ist sonnenklar – ein geselliger Abend soll es mal wieder sein, gemeinsam mit Freundinnen wollen wir kochen und dann üppig tafeln, so wie es hoffentlich auch dem Groundnut-Team gefallen würde (nur ein paar Nummern kleiner, versteht sich). Die Zusammenstellung des Menüs fällt leicht, alles sieht lecker aus, nur vor den blasslila Hühnerherzen schrecke ich zurück. Auch der Einkauf gelingt reibungslos, auch was die „exotischen“ Zutaten betrifft, denn wunderbarerweise beheimatet unsere Provinzgroßstadt eine größere afrikanische Community. Nichts muss ich austauschen, und sogar ein paar Flaschen Star-Bier kann ich aufzutreiben.

Ansprechende Optik, aromatische Vielfalt

Auch das Kochen geht uns ganz prima entspannt von der Hand. Die Rezepte sind eher robust, da lässt sich auch gut verkraften, dass der Fehlerteufel ein paar kleine Spuren hinterlassen hat. Und am Ende werden wir dann tatsächlich mit einem kleinen, aber sensationellen Festmahl belohnt. Optisch ansprechend, aromatisch vielfältig – wir sind uns einig: Diese Festtafel hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen! Auf dem Weg dahin hatten wir vermutet, dieses würde zu scharf, jenes zu fade, aber zusammen war alles rund. Wir essen viel zu viel, von allem, alle zehn Finger können wir uns danach ablecken (was beim ungeübten Essen mit den Fingern zumindest teilweise wörtlich zu verstehen ist).

Klarer Fall – dieses Buch macht glücklich! Nur eine klitzekleine Bitte: Für den nächsten Band wünsche ich mir ein Fufu-Rezept, hausgemacht. Danke!

Dieses Buch leuchtet vor Herzenswärme. Ein Leuchtturm in der kargen Steppe afrikanischer Kochbuchliteratur, modern und urban, dabei erfrischend undogmatisch – raus aus der Multikulti-Ecke, erst recht weg vom Luxus-Safari-Camp mit Straußensteak. Afrika hat einen Platz in der internationalen Küche verdient. Es wird Zeit.

Merken

Nachgekochte Rezepte:

Aubergine & Pomegranate
Afrikanisch – oder doch eher orientalisch? Egal, es passt und schmeckt vorzüglich, mit viel Öl, aber noch mehr Gewürzen.

Green Beans & Sesame
Marktfrische grüne Bohne mag ich eigentlich am liebsten ganz schlicht. Ich finde, ihr köstlicher Eigengeschmack kommt so am besten zur Geltung. Hier bekommen sie Sesam dazu, ganz unaufdringlich. Eine stimmige Ergänzung.

The Groundnut Stew
Das Signatur-Gericht. Hähnchenteile in Erdnusssauce. Die sehr scharfe Scotch Bonnet Chili wird angepiekst mitgekocht und dann wieder entfernt. Kräftig scharf, aber zugleich fruchtig-süßlich und somit keineswegs eindimensional. Göttlich!

Chickpea Egusi
Eine Art afrikanisches Curry mit gerösteten Melonenkernen („Egusi“). Pfiffig: Der Babyspinat wird nur unter das warme Essen gehoben, wo er „anwelkt“, aber vergleichsweise grün und frisch bleibt. Fehlerteufel: Die Zubereitung erfordert 200 ml Gemüsebrühe, die in der Zutatenliste fehlen, dafür hat es 1 TL Salz nicht von der Zutatenliste in die Zubereitung geschafft. Dafür hat es das Grundrezept für die Gemüsebrühe in sich: zwei Knoblauchknollen – ja, wirklich – auf 1,5 Liter Wasser.

Ugali
Das absolute Grundnahrungsmittel in Ostafrika. Wird beim Zusammenrühren auf wundersame Weise immer mehr, wie der Brei im Märchen. Nur aus Maismehl und Wasser, nicht einmal eine Prise Salz ist dabei – aber ergibt zusammen mit den scharfen Saucen perfekten Sinn.

Roasted Aubergine & Tomato with Peanut Sauce
Gegrillte Aubergine mit köstlicher Erdnusstunke, dazu geröstete Tomaten – geht es noch köstlicher?

Banana Almond Cake
Ein Bananenbrot ohne Mehl, zusammengerührt in Rekordzeit – intensiv im Geschmack, wunderbar saftig. Beim zweiten Anlauf hatte ich keine Mandeln zur Hand und habe Haselnüsse genommen – nussiger, fast noch besser.

Tamarind Juice
Eine Limo aus Tamarindensaft und Zucker, in der vorgeschlagenen Dosierung recht süß, nicht sehr intensiv. Gut gekühlt genießbar.

Sweet Cashews
Cashews, geröstet in Honig und Salz. Unwiderstehlich, gleich weggenascht.

Fried Plantain/Dodo
Der Cayenne-Pfeffer macht, dass die Kochbananen mehr als nur nahrhaft schmecken. Überraschend lecker!

Geschrieben im Januar 2017