Kochbuch von Douce Steiner: Meine liebsten Desserts

Kochbuch von Douce Steiner: Meine liebsten Desserts ★★☆☆☆

Meine liebsten Desserts
Douce Steiner, AT-Verlag (2013)
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Sabine Cikic

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Douce Steiner hat sich als erste deutsche Köchin zwei Michelin-Sterne erkocht – verheißungsvoll also die Aussichten, aus ihrem neuen Buch Desserts nachzuzaubern und ein wenig Glanz in meine Hütte zu holen, sozusagen. Der Buchrücken verspricht „genial gute und doch ganz einfach zuzubereitende Desserts“, das klingt doch prima und ein erster Blick ins Buch und auf die Rezepte lässt nichts Gegenteiliges vermuten.

Die Rezepte sind nach Jahreszeiten gegliedert ergänzt um Grundrezepte. Jedes Rezept ist mit einem Foto versehen. Dazu noch einige Bilder aus Douce Steiners Restaurant-Alltag, auch Personal aus Küche und Service wird namentlich vorgestellt. Mir gefällt das, vor allem auch, weil es gerade nur so viele Fotos sind, dass ein Eindruck entsteht, aber keine Ermüdung auftritt ob der Selbstdarstellung der Protagonistin. Alles wirkt leicht und aufgeräumt und ich freue mich schon darauf, den Kochlöffel zu schwingen.

Die Gäste schreien: Haribo auf dem Teller

Allzu kompliziert scheinen die Rezepte nicht zu sein und ich beginne mit „Rhabarber ganz frisch“. Obwohl ich mich akribisch an jede Zutat und an jeden Schritt im Rezept halte, weist das Ergebnis zumindest optisch keine allzu große Ähnlichkeit mit dem Foto auf. Schade, aber geschmeckt hat’s trotzdem, und so schnell lasse ich mich nicht unterkriegen. Ein paar Donnerstage später traue ich mich an „Apfelstrudel mit Quittensüppchen“. Was für eine Gaudi! Auch hier habe ich wirklich keinerlei Ähnlichkeit zum Foto erreicht. Meine Gäste schreien vor Vergnügen als sie feststellen, dass sich die Quittensuppe kein Stück bewegt, wenn man den Teller senkrecht oder gar über Kopf hält. Das AgarAgar in der Zutatenliste hat mich sowieso verwundert und wie erwartet zeigt es seine Wirkung. Geschmeckt hat es nicht, aber da wir so viel Spaß hatten mit dem Dessert, ist mir zumindest keiner böse deswegen, uff.

Ich zweifle an meinen Fähigkeiten und lasse bei den „Macarons mit Apfelkompott“ die Apfelsuppe vorsichtshalber gleich weg – da sollen wieder 5g Agar-Agar rein, das kenne ich jetzt schon… meint Frau Steiner vielleicht Agar-Flakes und nicht pulverisiertes Agar? Letzteres nahm ich für die Quittensuppe und es bindet stärker als die Flocken. Aber ich habe irgendwie keine Lust auf nochmal Haribo im Teller. Die Macarons waren jedenfalls auch ohne Suppe lecker, wenn auch nicht spektakulär oder gar sterneverdächtig. Und sie gelingen übrigens auch ganz wunderbar ohne das Eiweißpulver, das Frau Steiner dringend für das sichere Gelingen nebst Bezugsquellen empfiehlt.

Da verliert man die Lust – am Buch und an den Rezepten

Die Zuordnung einzelner Rezepte zu bestimmten Jahreszeiten kann ich nicht immer nachvollziehen. Melonen oder reife Kirschen im Frühjahr? Tamas Helenentorte, die vom Foto her doch sehr an Christstollen erinnert – ebenfalls im Frühjahr. Auch erscheinen manche Rezepte fehlplatziert in einem Buch, das sich „Meine liebsten Desserts“ nennt, z. B. Zimtschnecken oder Marmeladen.

Nach vier mehr oder weniger überzeugenden Desserts verliere ich die Lust. Vielleicht habe ich ja nur die falschen Rezepte ausgewählt? Vielleicht kann ich ja gar nicht so gut kochen und backen, wie ich immer dachte und stelle mich einfach zu ungeschickt an? Irgendwer sagte mal, man solle immer ein Dessert bestellen, denn ein guter Koch/eine gute Köchin würden stets versuchen, damit noch einmal richtig beim Gast zu punkten, um in guter Erinnerung zu bleiben. Mit diesen Desserts möchte ich lieber nicht in Erinnerung bleiben.

MEHR Douce Steiner: Kochbuch Cuisine Douse (2008)

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2013

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