Kochbuch von Douce Steiner: Cuisine Douce

Kochbuch von Douce Steiner: Cuisine Douce ★★★☆☆

Cuisine Douce: Klassisch, klar, schlicht
Douce Steiner, Fotos Michael Wissing, AT-Verlag (2008)
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Christiane Schwert

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Das ist ein Kochbuch, welches mich, kaum hatte ich davon gehört, gleich interessiert hat. Zum einen, weil Douce Steiner eine ziemlich hochdekorierte Köchin ist (sie hatte zwei Michelin-Sterne, einen hat sie bei der diesjährigen Wertung verloren). Zum anderen, weil sie dafür eher unbekannt, und zu guter Letzt, weil sie eine Frau ist! In diesem männerdominierten Umfeld haben es im deutschsprachigen Raum bisher nur wenige Köchinnen soweit gebracht.

Das Buch kommt mit einem glänzenden Umschlag daher, den ein großes Foto Douce Steiners ziert. Sie wirkt darauf mit kurzem Haar und geradem, freundlichem Blick sympathisch, bescheiden, bodenständig. Aber auch jung und definitiv unglamourös.
Anscheinend hat der Verlag dieser Ausstrahlung seiner Protagonistin und der Qualität ihrer Rezepte jedoch nicht ganz getraut und gemeint nachlegen zu müssen. So tauchen zwischen den Rezepten einige Familienfotos mit nicht immer passenden Zitaten Douce Steiners auf, die wohl persönliche Nähe erzeugen sollen. Das ist an sich nicht verwerflich. Auch ein Jamie Oliver präsentiert mit viel Gerede den Plumpudding seiner Granny. Und wenn Schuhbeck mich in sein Bayern mitnimmt, dann weiß ich das hier Authentizität hergestellt werden soll. Das liest sich aber stets angenehmer als die echte Nähe zu Douce Steiner, der es einfach an einer souveränen Distanz mangelt (Neben einem Bild ihres Mannes: „Wir sind eigentlich grundverschieden, aber halten immer zusammen.“). Ihre persönlichen Anmerkungen sind beinahe wie Tagebuchnotizen und folgen dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht (Neben einem Foto mit Tomaten: „Tomaten gibt es nur im Sommer – aber unser Team ist zum Glück das ganze Jahr für mich da.“). Hier spricht keine selbstbewusste Jungköchin, sondern eine junge Frau, die ihren Erfolg nicht sich selbst zuschreibt, sondern fast ausschließlich ihrem Umfeld. Das ehrt sie und nervt mich, zerstört aber nicht den eigentlich positiven Gesamteindruck der Cuisine Douce, da der Fokus trotzdem auf den Rezepten liegt.

Das Buch ist saisonal gegliedert, also den Jahreszeiten entsprechend, wobei es im Anhang noch einen Teil mit Grundrezepten gibt. Das ist nichts Neues und schon gar nichts Besonderes, aber gut und bewährt. Beschreibung plus Fotografie befinden sich immer auf einer gegenüberliegenden Doppelseite. Die Rezepte sind übersichtlich, sprich für die einzelnen Komponenten eines Gerichtes sind die Zutaten deutlich voneinander getrennt. Die Zutatenlisten sind, was ihren Umfang angeht, maßvoll.
Die Gerichte hat Michael Wissing in einer klaren, eindeutigen Bildsprache reduziert in Szene gesetzt: ganz puristisch, nur das Gericht selbst auf weißem Hintergrund oder Teller. Das ist sehr schön, aus dieser Inszenierung spricht Können und Selbstvertrauen. Hier in den Gerichten und ihrer Präsentation liegt die Stärke des Buchs, in der Zurücknahme zeigt sich das Vertrauen in die Eigenwirkung der kulinarischen Kreationen.

Die Auswahl der Rezepte ist fast durchweg von hoher Qualität, doch tauchen dazwischen einige auf, die mich ähnlich irritieren, wie die persönlichen Zitate Steiners. So z. B. Apfelkuchen mit TK-Blätterteig oder ein super-simpel Rezept für Himbeermarmelade (1kg Himbeeren, 1 Päckchen Gelfix 1:2, 500g Zucker). Auch Oma Steiners Käsekuchen gibt sich mit einem Paket Sahnepuddingpulver von Dr. Oetker volksnah. Komisch ist dabei auch das kaum verhüllte Product-Placement. Diese Rezepte sollen vermutlich die Praktikabilität der Sterneküche für zuhause beweisen. Doch es stellt sich die Frage: Wer wird hier eigentlich als Leser angenommen? Oder soll vielleicht einfach eine möglichst große Zielgruppe angesprochen werden, im Sinne von Es-ist-für-jeden-etwas-dabei?

Der hohe Standard der anderen Rezepte liegt allerdings nicht unbedingt in ihrer Zubereitung – sie verlangen natürlich einen kenntnisreichen Nachkoch -, sondern vielmehr in der Erlesenheit der verwendeten Zutaten (Kaviar, Wachteleier, Hummer, Langustinen …). Zutaten von denen man denkt, das sie für den Laien die Sterneküche ausmachen?
Aber vielleicht ist es das Konzept der Sterneküche für zuhause, das sie eben nicht zu kompliziert ist. Eine Sterneküche für zuhause suggeriert zumindest, dass ich die Zutaten, auch im Umfeld meines Zuhauses, bekommen kann. Das ist jedoch nicht der Fall.
Ich hätte mir einfach etwas mehr Tiefe in der Zubereitung als im Einkauf gewünscht. Die Exklusivität der Ingredienzien ist eben nicht gleichbedeutend mit der Qualität eines Gerichts. Und auch die Sterneküche sollte sich nicht ausschließlich durch die eingesetzten Produkte auszeichnen – wenn auch alle Produkte von bester Qualität sein sollten – sondern auch durch besondere Kreationen, ungewöhnliche Zubereitungsarten etc.

Das Kochbuch Cuisine Douce ist ein gute Kochbuch, wenn auch mit einigen Schwächen und nicht ganz aus einem Guss. Aber es ist Douce Steiners erstes Kochbuch und dafür ein vielversprechender Anfang.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2009

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