Kochbuch von Donna Hay: schnell, frisch, einfach

Kochbuch von Donna Hay: schnell, frisch, einfach ★★★★☆

schnell, frisch, einfach: 160 schnelle Rezepte
Donna Hay, Fotos William Meppem, AT Verlag (2011)
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Janina

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Dafür reicht die Zeit immer

Ja, ich liebe es zu kochen, aber nein, im Moment habe ich kaum Zeit dafür. Der Grund ist 15 Monate alt und hat blonde Löckchen über den Ohren. – Meine Tochter verhindert seit einiger Zeit sehr erfolgreich alle ernsthaften Kochversuche, die länger als 10 Minuten dauern. – Wenn sie wach ist. Nach gefühlten Monaten mit Milchkaffee, Stehbroten und Brezeln fiel mir Donna Hays neuestes Werk schnell, frisch, einfach in die Hände – genau mein Programm. Endlich eine Möglichkeit mich wieder etwas vielseitiger zu ernähren? Oh ja.

Donna Hay. Der Name steht inzwischen wohl für sich. Herausgeberin einer Kochzeitschrift, australische Kochikone und erfolgreiche Autorin. Beeindruckend? Stimmt, und trotzdem lernte ich sie erst mit schnell, frisch, einfach kennen. – Das verhindert immerhin Vorschusslorbeeren.

Na dann mal sehen, ob ihr Kochbuch wirklich so frisch daherkommt.
Auf den ersten Blick verliebe ich mich in das sommerliche Design des Kochbuchs, das meinen gesamten Küchentisch einnimmt, sobald ich es aufschlage. Halt nichts für kleine Küchen. – Trotzdem lädt es mich mit seinen klaren, hellen Fotos zum Blättern ein. Ganz offensichtlich hat Frau Hay besonderen Wert auf die Bilder zu ihren Gerichten gelegt. Auf mich wirkt das Kochbuch wie ein Food-Bildband mit den bewusst in Szene gesetzten Speisen. Mehreren Seiten Fotos, mal riesig, eine ganze Seite füllend, mal zwei, drei überlappend, folgt eine mit den Rezepten. Die Fotos dominieren dieses Kochbuch ganz eindeutig. Sollte nicht das Kochen mehr im Vordergrund stehen, frage ich mich manchmal, blättere aber gleichzeitig weiter, um mir von den trotz allem sehr gelungenen Fotos die Vorfreude auf meine nächste Mahlzeit auf die Zunge zaubern zu lassen.

Dennoch habe ich den Eindruck, dass einige Gerichte nur für die Linse und nicht für den Gaumen entwickelt wurden. Der Salat Caprese besteht zum Beispiel aus einer geschälten ganzen (!) Tomate neben einem Klops Mozzarella, umrahmt von einigen Spritzern Olivenöl. Sieht hübsch aus, ist aber nicht wahnsinnig innovativ. Auf solche aufgestylten Rezepte hätte Frau Hay ruhig verzichten können, ich jedenfalls möchte so aufgeräumte Speisen nicht essen. Muss ich auch nicht, denn glücklicherweise präsentiert mir Donna Hay ansonsten jede Menge Köstlichkeiten.

Ihre Gerichte sind ausgeklügelt, ohne mit ungewöhnlichen Zutaten den Tatendrang zu bremsen. Selten benötige ich mehr, als ich ohnehin vorrätig habe. Vor allem sind sie aber richtige Seelentröster. Innerhalb von 15 Minuten (selten länger) steht das Essen auf dem Tisch. Genau das Richtige für meine kurzen ruhigen Kochmomente. Ob Pasta mit Pistazien, Ofenhühnchen oder auch ultimativer Schokoladenkuchen: Donna Hays Gerichte sind vielseitig, allerdings auch etwas fleischlastig. Vor allem das Hühnchen hat es Frau Hay angetan: Im Sesammantel, würzig, Hühnersalat, Hühnchen-Tortilla oder pikant glasiert mit Chili. Ich muss nie mehr aus einem anderem Buch kochen, wenn ich Appetit auf Hühnchen habe.

Vegetarische Rezepte muss ich dafür aber erst suchen. Dabei erschweren mir die Kapitelnamen „schnell“, „frisch“, „einfach“ das Blättern. Hinter welchem Titel verbirgt sich wohl Vegetarisches? Antwort: Hinter allen. Ich komme also nicht ums mühselige Durchblättern herum. Aber es lohnt. Seit den schnellen Steinpilz-Spaghetti habe ich die Pilze immer getrocknet im Regal und schon jetzt freue ich mich auf die Kürbiszeit, um endlich den Couscous-Salat mit geschmortem Kürbis wiederholen zu können.

Nur den Anhang hätte Frau Hay in meinen Augen kürzer fassen können.
Das Kapitel „Style“ ist programmatisch für dieses Buch und zumindest in meinen Augen überflüssig. Dort verrät die Autorin, wie sie durch kleine Details Gerichte in Szene setzt oder welche Tricks sie anwendet, um Selbstgebackenes schick zu verpacken. Eine Offenbarung ist es für mich nicht zu lesen, dass Muffins in einer Eierschachtel schöner aussehen, aber das ist in Ordnung. Ich bin halt nicht so der Typ, der viel Wert auf die perfekte Dekoration legt. Manch anderer könnte sich daran freuen.

Mich reizt da mehr das letzte Kapitel Glossar und Küchentipps. Zwar stellt Frau Hay in der Küchenpraxis nur einige Standardkochverfahren wie die Stäbchenprobe oder Zesten abziehen vor. Nichts Neues für Koch-Erfahrene, aber hilfreich für -Novizinnen. Im Glossar finde ich jedoch alle ausgefallenen Zutaten. Das ist interessanter. Za’atar, steht da, ist ein afrikanisches Gewürz, das ich am besten beim Gewürzhändler finde. – Stimmt.

Inzwischen habe ich mich auch mit dem Blättern angefreundet: Auch absolute Koch-Unlust verfliegt dabei, so dass ich mich doch immer wieder aufrappeln kann und die TK-Pizza weiter in der Kühltruhe bleibt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2012

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