Kochbuch von Donna Hay: Jahreszeiten

Kochbuch von Donna Hay: Jahreszeiten ★★★★☆

Jahreszeiten: 200 Rezepte – schnell und unkompliziert
Donna Hay, Fotos Gary Heery, AT-Verlag (2010)
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Barbara Meyer

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

„Stellen Sie sich Brot vor…“

Nach dem ersten Schock ob des Formats, des Layouts und der Landhaus-Frauenzeitschriften-Fotos entpuppte sich das Kochbuch Jahreszeiten der australischen Kochbuchikone Donna Hay als alltagstauglicher Begleiter für schnelle und unkomplizierte Rezepte. Kulinarische Wunder oder tiefere Einblicke in die Kunst des Kochens darf man aber nicht erwarten.

„Kein Buch für mich“, das war mein erster Gedanke, als ich das großformatige Softcover-Werk „Jahreszeiten“ der australischen Kochbuchikone Donna Hay das erste Mal in den Händen hielt: unhandlich, schnell unansehnlich, unpraktisch. Und dann auch noch doppelseitenweise gutaussehende, gertenschlanke Model-Menschen beim Essen oder auf dem Weg dorthin – am Strand, auf dem Boot, unter Bäumen, unterwegs mit dem Fahrrad. Am meisten schreckten die sinnfreien Kommentare zu den Rezepten und Bildern ab: „Vergessen Sie Ihre Zurückhaltung. Stellen Sie sich Brot vor, getränkt mit süßer Schokolade und fruchtigen Beeren. Warm machen, abbrechen, reinbeißen! Da bleibt bestimmt nichts übrig!“ Auweia. In welchen Pseudo-Frauenzeitschriften-Landhaus-Albtraum war ich denn da geraten?

Manchmal lohnt es sich dann aber doch, ein bisschen genauer hinzuschauen. Beim Kochen erwies sich das Format als erstaunlich gut handhabbar. Das Buch blieb dort aufgeschlagen, wo es aufgeschlagen bleiben sollte; die Gebrauchsspuren am Buchrücken hielten sich trotz intensiverer Nutzung in Grenzen. Zu jedem der 200 Rezepte wird ein Foto vom fertigen Gericht mitgeliefert. Der Shabby-Chic-Stil der Bilder ist zwar nicht mein Fall, sie vermitteln aber immerhin einen ganz ordentlichen Eindruck davon, wo die Kochreise hingehen könnte. Offenbar geht es weniger um kulinarische Perfektion als um ein entspanntes Koch- und Esserlebnis. Einige der großformatigen australischen Landschaftsaufnahmen sind wirklich sehenswert. Sie zeigen ein Bild von Down Under, das über das Touristen-Klischee von Wüste, Regenwald und Korallenriff hinausgeht. Ein Foto vom Uluru (Ayers Rock) wird man hier vergeblich suchen. Ich hatte mich immer gefragt, wie Captain Cook dazu kam, in seinen Reiseberichten von lieblichen englisch-gleichen Landschaften am anderen Ende der Erde zu berichten. Hier bekommt man sie zu sehen.

Donna HayDie Rezepte sind eine Quintessenz der Arbeit von Donna Hay als Herausgeberin der Kochzeitschrift donna hay magazine. Dem Titel des Buches gemäß sind sie nach Jahreszeiten und entsprechendem Produktangebot geordnet. Die vier Hauptkapitel hat die Autorin (linkes Foto) jeweils in pikant und süß untergegliedert. In der Tat erfüllen die meisten Rezepte die Cover-Ankündigung, „schnell und unkompliziert“ zu sein. Die Arbeitsschritte der von mir nachgekochten Rezepte waren solide und zuverlässig beschrieben; die Zutaten sind in der Regel entweder ohnehin vorrätig oder mit einem Gang in den Supermarkt zu beschaffen. Der Aufwand in der Küche hält sich in Grenzen. Gekocht wird querbeet – eher rustikal als raffiniert. Es finden sich sowohl einfache Standards wie eingemachte Rote Beete oder gedämpfter Rhabarber, als auch Klassiker wie Lammschulter mit Rosmarin und auch etwas ausgefallenere Varianten wie das Espresso-Birnen Pannacotta oder Entenkeulenkonfit mit Rotweinessig-Dressing. Spezifisch Australisches wird man in dem Buch nicht finden. Kein Känguru-Fleisch, keinen Barramundi-Fisch, stattdessen gutbürgerliche „cross-over“ Küche mit europäisch-amerikanischem Schwerpunkt, wie man sie inzwischen vermutlich fast überall auf der Welt finden kann. Alles soweit sehr alltagstauglich, aber auch nicht besonders aufregend.

Entgegen früherer Donna-Hay-Publikationen sind die Zutatenmengen übrigens nicht mehr anglo-amerikanisch in Cups und Spoons angegeben, sondern ganz kontinental-europäisch in Gramm und Milliliter, so dass das lästige Umrechnen entfällt. Leider fehlen aber auch all die kleinen Dinge, an denen man in Donnas Büchern bisher immer die Liebe zum Detail erkennen konnte: In Jahreszeiten werden Zubereitungszeiten, Kalorien und Nährwerte der Gerichte nicht mehr angegeben. Es finden sich nur spärliche Hinweise zu Haltbarkeit, Lagerung oder Kombinationsmöglichkeiten. Das Glossar am Ende des Buches ist soweit ganz hilfreich. Hier werden einige ausgefallenere Rezeptzutaten erläutert und allgemeine Bezugsquellen angegeben („Erhältlich im Asialaden“). Zudem findet sich auch noch das eine oder andere Grundrezept und ein paar Küchenpraxishinweise im Kapitel „Gut zu wissen“. Wer regelmäßig am Herd steht, wird hier allerdings kaum Neues dazulernen.

Alles in allem ist Jahreszeiten ein solides Koch-Bilderbuch mit recht zuverlässigen, wenig aufwendigen aber auch nicht allzu aufregenden Rezepten. Wer sich von der verspielten Aufmachung und den Bildern angesprochen fühlt, für den mag es eine lohnende Investition sein. Der kulinarische Mehrwert der Rezepte und der Lerneffekt beim Nachkochen halten sich jedoch in Grenzen. Nur ihretwegen lohnt die Anschaffung des Buches nicht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2011

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