Kochbuch von DiMarco & Ferré: La cucina siciliana

Kochbuch von DiMarco & Ferré: La cucina siciliana ★★★★☆

La cucina siciliana – Ein Fest der Sinne
Maria Teresa DiMarco & Marie Cécilie Ferré, Fotos M. Maurizi, Styria Verlag (2011)
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Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Authentischer Flair mit kleinen Stacheln

Eine kulinarische Reise, von der ich mir wünsche, dass sie nicht so bald zu Ende geht. Diesen Eindruck hat „La Cucina Siciliana“ hinterlassen, ein Kochbuch mit wunderschönen Fotos, viel mediterranem Flair und authentischen Rezepten, von denen allerdings einige in der Fremde Stacheln zeigen wie eine Kaktusfrucht.

Erinnerungen werden wach, an die engen Marktgassen von Palermo, an das Gewühl im Fischmarkt von Catania, an die verführerischen Schokoladenläden von Modica, all die vornehmen Pasticcerien, dampfenden Garküchen, die überquellenden Marktstände mit reifem Gemüse, fremdartigen Fischen und duftenden Gewürzen. Schon beim Durchblättern wächst in mir der Wunsch, sofort aufzubrechen. Aber gemach! Erst einmal zurück zum Buch, denn das hat es verdient, genauer betrachtet zu werden.

Bücher über die sizilianische Küche gibt es reichlich, sogar ein Mafia-Kochbuch und eines, das sich um die Geschichten Andrea Camilleris rankt. Bei diesem hier fallen zunächst einmal die Fotos auf, unendlich viele und eigentlich alle ganz wunderbar (naja, bis auf das Meersalz aus Trapani, das ist nun mal vor allem auf weißem Hintergrund nicht sonderlich fotogen). Nichts Überkandideltes, mal archaisch angehaucht, mal mit nostalgischer Grandezza und einmal sogar leicht frivol. Frivol? Neugierig geworden? Okay, ich verrate es: da trägt eine leicht bekleidete Schönheit zwei halbkugelrunde mit Ricotta gefüllte Küchlein, mit schneeweißer Glasur überzogen und oben drauf sitzt keck jeweils eine rote Cocktailkirsche. Eigentlich hätte ich das Rezept hier vorstellen sollen, doch ich konnte keinen Schafricotta bekommen. Was für eine blöde Ausrede. Ich Schaf.

Zurück zu anderen Formen der Sinnlichkeit. Also zu den Speisen. Das Buch ist zunächst so aufgeteilt, wie ich das erwartet hatte: Antipasti, Primi (Pasta, Reis und Suppen), Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Gemüse, Desserts. Dann folgen noch zwei Kapitel, die etwas überraschen: eines über Eingemachtes und eines unter dem Motto „Traditionelles mal anders“. Bei den Rezepten stehen natürlich die für Sizilien typischen Zutaten stets im Mittelpunkt (Bekanntes wie Oliven, Tomaten, Zitronen, Mandeln, Pistazien, aber auch wilder Fenchel, Zucchiniranken und Jasminblüten). Und das kann hier im kalten Norden zum Problem werden. Denn ab und zu tauchen Zutaten auf, die bei uns nur schwer oder überhaupt nicht zu bekommen sind. Womit wir wieder beim schon erwähnten Schafricotta wären. Bei der eigentlich simplen Pasta mit Ricotta frustriert mich folgende Warnung: „Dieses Rezept steht und fällt mit der Qualität des Ricotta. Wenn Sie keinen frischen Ricotta zur Hand haben, sollten Sie lieber etwas anderes kochen …“ Wer vom Italienurlaub weiß, wie gut Ricotta schmecken kann, wird das verstehen, aber es bleibt ein bitterer Beigeschmack. Ähnliches gilt für die gerösteten Kichererbsen, für die man Vulkanasche bräuchte, oder den Vino cotto, der mit Weinrebenasche hergestellt wird. Und Meeresgetier wie Hornhecht, Löffelstör, Seeigel und Drachenfisch wird man bei uns wohl auch vergeblich suchen. Aber was soll’s. Schließlich basieren die meisten Fischrezepte auf gängigeren Arten wie Schwertfisch, Sardinen und Sardellen.

Hatte ich jedoch die erforderlichen Zutaten zur Hand, gestaltete sich das Kochen bis auf wenige Ausnahmen recht einfach. Da werden Sardellen nur mit Minze oder Pecorinokrümeln gemischt, Frikadellen auf Zitronenblättern gegrillt oder aus Espresso und Zuckersirup und nichts anderem wird ein Sorbet bereitet. Feierliche Gerichte sind schon mal aufwändiger, etwa der berühmte Rollbraten Falso Magro, die vornehmen Reis- und Pasta-Timbalen oder die prächtige Cassata. Bei weit über hundert Rezepten ist den Autoren eine gute Mischung aus bekannten traditionellen Gerichten, einfacher Alltagsküche und kreativen Kombinationen gelungen. Maria Teresa di Marco, Marie Cécile Ferré und der Fotograf Maurizio Maurizi betreiben das Foodblog Die Küche von Calycanthus. Unter dem Tag „Sicilia“ kann man sich einen guten Eindruck von ihrem Buch verschaffen, allerdings auf Italienisch.

Fazit: ein rundum gelungenes, stimmungsvolles und Appetit machendes Kochbuch, das mich einmal mehr für die sizilianische Küche begeistert hat. Dass einiges sich sträubt nachgekocht zu werden, ist zwar etwas ärgerlich, hat aber nichts daran geändert, dass das Buch bella figura macht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2012

1 Kommentare

  1. Grit

    Mh werde es mir zum Geburtstag wünschen, hoffe dass es noch zu bekommen ist.

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