Kochbuch von Dieter Moor & Sabine Schneider: ganz & einfach

Kochbuch von Dieter Moor & Sabine Schneider: ganz & einfach ★☆☆☆☆

ganz & einfach: tempofrei kochen
Dieter Moor und Sabine Schneider, Kindler Verlag (2010)

Stefanie Czybik

Von

Ein Stern: Am besten umtauschen.

Ärgerlich – der Dieter!

„Wie ist denn das Kochbuch von Dieter Moor?“ – Meine Antwort lautet: „Das ist gar nicht von dem. Auch wenn er auf dem Cover den Kochlöffel schwingt. Denn die Rezepte sind von Sabine Schneider. Ihre Name steht in kleinerer Schrift unter dem vom TV-Dieter.

Dieter Moor kennen viele, immerhin ist er auch ein viel beschäftigter Mann: Moderator, Bauer und Autor. Seit dem Erscheinen von ganz & einfach gilt er auch als Kochbuchautor. Und wirklich: Sein Name steht klar erkennbar auf dem Cover, von dem er mich großformatig ansieht wie ein Koch, mit einem Brett voller Klöße in der Hand. Aber was genau hat Dieter Moor neben Namen und Bild auf dem Buchumschlag zu diesem Kochbuch beigetragen? Weitere Ich-koche-Bilder, Texte allgemeiner Art zwischen den Rezepten und wohl den entscheidenden Kontakt zum Verlag, seinem “Hausverlag”. Aber auch die Bekanntschaft zu Sabine Schneider. Sie spielt hier überraschend die Hauptrolle. Denn aus ihrer Feder stammen die Rezepte. Ihr Name steht allerdings nur kleingeschrieben auf dem Cover. Wie nennt man sowas?

Sechs Kapitel zählt das Kochbuch. Das erste davon – „Mit Gemüse und Kräutern durch das Jahr“ ist dabei das umfangreichste und für mich gelungenste. Hier folgt man dem Verlauf des Gartenjahres. Viele vegetarische Rezepte finden sich hier. Für mich das beste Kapitel des Buches, weil es den Blick schärft: Welches Gemüse wächst zu welcher Zeit und wie kann man es verarbeiten? Zunehmend mein Ausgangspunkt beim Kochen. Es folgen die Kapitel: „Die fünf Säulen der bäuerlichen Küche“, „Die traditionelle Küche rund um das Fleisch“, „Das liebe Federvieh”, „Die Fische“ sowie „Der fruchtige Abschluss“.

Die Rezepte spiegeln sicherlich Sabine Schneiders Kochbiographie wieder: Da wird süddeutsch, französisch, in Anklängen auch osteuropäisch gekocht. Dabei wirkt alles sehr bodenständig, sehr einfach, Kategorie „von Generation zu Generation weitergegeben“. Ihre Lieblingszutaten erkennt man auch: Zucchini und gern reichlich Speck und Sahne – alles Dinge, die man auf dem Markt, beim Fleischer nebenan oder im Hofladen bekommen könnte. (Eigenartigerweise gibt es ein Rezept, in dem Gambas vorkommen, das passt so gar nicht hinein. Kommt das von Dieter?) Die Zubereitung der Gerichte gelang mir ohne Mühe, hier ist vieles eher unaufwändig gehalten. Die meisten der ausprobierten Gerichte gehören zu der schnellen Küche (wobei insbesondere bei den Fleischrezepten auch Gerichte mit langer Vorbereitungszeit dabei sind). Warum das Buch tempofrei kochen heißt, hat sich mir letztlich nicht erschlossen. Zwei Details noch: Eher ungewöhnlich und nicht praktisch ist die Rezeptbeschreibung als Fließtext. Nicht entdeckt habe ich außerdem den Hinweis, für wie viele Esser die Gerichte gedacht sind.

ganz & einfach ist bei Kindler erschienen, der eher ein Exot in der Kochbuchszene ist, aber zu der Verlagsgruppe gehört, bei der Dieter Moor seine Bücher über Brandenburg veröffentlich hat. Die Fotos stammen von Manuel Krug, auch er eher ein Neuling in der Foodfotografie. Das merkt man auch: Während die Bilder der Gerichte sehr authentisch wirken, scheinen insbesondere die Landlebenstimmungsbilder einem Werbeprospekt entsprungen. Das passt nicht wirklich zusammen.

Würde auf dem Cover nur Sabine Schneiders Name stehen, würde mein Fazit lauten: ganz & einfach ist ein Buch (mit Defiziten in der Gestaltung) einer erfahrenen Köchin, die sich der saisonalen Küche verschrieben hat. Aber so ist es ja nicht, deshalb: Mich ärgert die offensichtliche Werbemasche durch ein TV-bekanntes Gesicht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2011

4 Kommentare

  1. Katja

    Dieter Moor nennt sein(eigentlich interessantes) Projekt “arschlochfreie Zone” – das sagt doch mehr über ihn selbst als über sein Feindbild. Peinlich, finde ich…

  2. Sebastian Dickhaut

    Ja, das hatte mich dann auch das Buch im Laden stehen lassen, da ich ebenso auf die Dieter-Moor-Küche neugierig war (und immer noch bin), das aber so zu platt fand. Es wäre interessant zu erfahren, wie Susanne Schneider das selbst findet… Mache da gerade eigene Erfahrungen mit einem vergleichbaren, aber ganz anderem Projekt, und es sind im Grunde gute Erfahrungen.

  3. Katharina

    m letzten SZ-Magazin (Nr 22) wurden Kochbücher von Prominenten vorgestellt. Dabei auch Dieter Moor. Es wurde mit keinem Wort Frau Schneider erwähnt. Passte es nicht ins Konzept oder haben es die Redakteure schlicht übersehen vor lauter Dieter.
    Ironischerweise wurde er dann noch zitiert: “Weißt Du, viele Köche schreiben ihre Bücher nicht, um andere das Kochen zu lehren, sondern um zu zeigen, wie toll sie doch selber sind.” Warum hat er es denn “geschrieben”? Mensch, Dieter, hast doch gar nicht nötig.

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