Kochbuch von Die Hauswirtschafterei: Frische bayerische Landküche

Kochbuch von Die Hauswirtschafterei: Frische bayerische Landküche ★★★★☆

Frische bayerische Landküche –
Neue Rezepte von der Hauswirtschafterei
Rezepte: Silvia Schlögel & Christine Schilcher
Fotos: Bettina Eder
Dorling Kindersley Verlag (2020)
Mehr über den Verlag

Susanne Hohmann

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sie hat ihn immer noch, die bayerische Küche: den Ruf als deftige Küche, bei der nach Schweinsbraten und Weißwurst erst mal lange nichts kommt. Dabei kann man bodenständiges Essen auch so gestalten, dass der Schweinsbraten zur Nebensache wird. Die drei Frauen von der Hauswirtschafterei machen das schon länger mit großem Erfolg.

Ich bin in Bayern aufgewachsen und mit bayerischer Hausmannskost groß geworden – deftig und fleischlastig. Das war durchaus in Ordnung, aber als ich auszog, hatte ich Lust auf anderes. Ich arbeite mich heute noch gerne durch die Länderküchen dieser Welt. Aber hin und wieder darf es dann gerne etwas Traditionelles sein, wobei ich dann dankbar bin für frischen Wind bei der Umsetzung.

Kochbuch von Die Hauswirtschafterei: Frische bayerische Landküche

Und hier kommt die Hauswirtschafterei ins Spiel. Die drei Frauen aus dem oberbayerischen Peiting betreiben ein Catering. Sie legen großen Wert auf eine bodenständige, regional und saisonal ausgerichtete Küche. Auf ihr Konto gehen bereits einige Kochbücher, die bisher im Eigenverlag veröffentlicht wurden – da gibt es Hüttenküche für zu Hause, Bayerisches Superfood und auch ein vegetarisches Kochbuch ist dabei. Nun hat man sich bei Dorling Kindersley mit ihrer Leidenschaft für frische, bodenständige Küche befasst.

Zum Weiterlesen

Website der Hauswirtschafterei und Instagram

Aus Feld, Wald und Stall

Ihre Rezepte haben die Autorinnen nach Zutatengruppen geordnet. Da finden sich viele Wildkräuterrezepte aus Wald und Wiese, es wird frisches Gemüse vom Feld verarbeitet, aber auch Fleisch aus dem Stall und Fisch aus dem See gibt es sowie Süßes von Bäumen und Sträuchern.

Es macht Spaß, in dem Buch zu blättern. In der Hauswirtschafterei kocht man nicht nur leidenschaftlich, man hat es auch gerne schön. Die Autorinnen haben Foodstyling und Fotografie selbst übernommen und beides spiegelt das Wesen der Rezepte wunderbar wieder: hübsch, verspielt, handmade, aber nicht gekünstelt.

Deftiges mit Wildkräutern und Urgetreide

Die Rezepte setzen auf traditionelle bayerische Küche – aber mit einem frischen Twist. Viel Gemüse, frische (Wild-)Kräuter, Urgetreide statt immer dem gleichen Weizenmehl. Ich habe da noch viele Einmerker kleben – ich freue mich, darauf die süße Wildrosenbutter auszuprobieren, die deftige Nudelrolle mit Buchweizenfüllung auf Sauerkraut oder den eingelegten Käse mit Sommergemüse. Und ich muss ausprobieren, ob das Weißbier-Tiramisu mit unserem bewährten Lieblingsrezept mithalten kann.

Man legt Wert auf Bodenständigkeit in der Hauswirtschafterei, und so werden nur Zutaten verwendet, die gut zu bekommen sind. Auch was den zeitlichen Aufwand und die Nachvollziehbarkeit der Rezepte angeht, habe ich mich leicht getan – es ging alles glatt beim Nachkochen. Bei vielen Gerichten findet man noch kleine Einführungen, in denen man mehr über die Zutaten erfährt, oder man bekommt weiterführende Küchentipps. Praktisch sind auch kleine warenkundliche Einschübe, die Haferlgucker zu den Themen Wildkräuter und Urgetreide. Mit kleinen Zeichnungen illustriert sind sie hübsch gemacht, wobei ich beim Thema „Wildkräuter“ Fotos etwas praktischer gefunden hätte.

Bodenständig, frisch und alltagstauglich

Die Gerichte schmecken traditionell – aber gleichzeitig auch etwas frischer und peppiger. Insgesamt werde ich auf die Ideen immer wieder gerne zurückgreifen – was aber nicht bedeutet, dass es nicht hin und wieder auch ein ganz klassischer Schweinsbraten sein darf. Manchmal hätte ich mir ein wenig mehr Mut gewünscht – so ist das Pilzgulasch zwar durchaus nett, aber der rechte Schwung fehlt.

Das Buch hat mich die Küche meiner Kindheit wieder aus der Mottenkiste holen lassen. Die traditionsbewussten und doch aufgefrischten Rezepte machen Spaß und sind gut umsetzbar. Vielseitig sind sie auch – Heimatküche, wie sie sein soll.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2020

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