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Katharina Höhnk

Kochbuch von Diana Henry: Vom Guten so viel ★★★★★

Vom Guten so viel – Die genussvolle Kunst des Haushaltens entdecken. Einfach, nachhaltig und saisonal kochen, Diana Henry, Fotos: Jonathan Lovekin, Ars Vivendi Verlag (2021)

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Katharina Höhnk

Von

Präambel | Die englische Kochbuchautorin Diana Henry ist erst in den vergangenen Jahren in Deutschland bekannter geworden, seit der fränkische „ars vivendi“-Verlag ihre Bücher nach und nach übersetzen ließ. Ich entdeckte die Autorin 2011 bei einem Sommerurlaub in England. Ihr Kochbuch Plenty war damals ein Bestseller und lag in jeder britischen Kochbuchhandlung stapelweise aus. Nun ist auch dieses mit dem Titel Vom Guten so viel hierzulande erschienen. Meine nachfolgende Rezension von damals für die englische Ausgabe habe ich dafür angepasst. An meiner Einschätzung hat sich nichts geändert, ich würde sogar sagen, dass es mein Favorit ihrer Werke ist.

Diana Henry | AutorinEs gibt ein paar Dinge, die waren früher besser. Inzwischen grinsen uns TV-Moderatoren von Kochbuchcovern an, obwohl sie kein einziges Rezept darin verfasst haben. Und es gibt Buchkonzepte, die von Menüs verlangen, dass sie in 30 Minuten zuzubereiten sind, egal ob sie schmecken oder es tatsächlich klappt. Verkaufen tut sich das. Diana Henrys Vom Guten so viel ist so gesehen altmodisch. Hier schreibt jemand mit Erfahrung, Sorgfalt und viel Gefühl für ihre Leser.

Die britische Autorin Diana Henry (Foto links) hat uns einmal tief in die Augen geschaut und den roten Faden für ihr Buch gefunden: Wir wollen saisonal kochen, Bewährtes fortsetzen und Neues in Maßen entdecken. Und Überbleibsel wollen wir nicht in den Müll schmeißen.

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Ihre Rezepte könnten dabei nicht zeitgemäßer sein. Was Henry uns auf die Teller zaubern lässt, ist weltläufig, doch bodenständig, raffiniert und einfach. (Und preiswert, wenn die Gewürze schon da sind.) Sie bedient sich in allen Küchen dieser Welt und wählt Gerichte, die zu Hause gekocht werden. Verfeinert mit Frische, aromatischen Kontrasten und Texturen. Sehr balanciert, nie zu viel, aber immer genug.

Vom Guten so vielEin Blick hinein. Das Kochbuch startet mit dem Sonntag. Es gibt: der Braten und „les restes“. Es folgen Kapitel für Gemüseliebe, Hülsenfruchtenthüllungen, Kerniges Korn, Wo die wilden Pflanzen wachsen u. v. m. Es lohnt sich, die jeweiligen Einführungen zu lesen. Sie folgen der Küchenweisheit: Das Kochen fängt beim Einkauf an. Beim Fisch listet Henry die Arten, welche nicht gekauft werden sollten. Der deutsche Verlag hat die Informationen 2020 für die Ausgabe aktualisiert. Beim Reis stellt sie Klassiker mit ihrer Zubereitung vor: Pilaf, Spanischer Reis, Risotto und Reisreste. Sehr gelungen ist, dass kein Rezept sich über mehr als eine Seite erstreckt. War noch Platz, so finden sich Variationen und Tipps für die Weiterverwertung.

In meiner Küche kam Ostern das erste Gericht aus dem Kochbuch Vom Guten so viel auf den Tisch: Indisches Rinderhackfleisch mit Erbsen. Wir waren angetan, sehr gut gewürzt. Die Rezeptbeschreibung führte gut und gab mir Tipps, was dazu gereicht werden kann. Das nächste Rezept Griechische Kartoffeln eroberte mein Herz. Zu den Knollen gesellten sich Lauch, Spinat, Minze, Zitronensaft, Dill, Knoblauch und Friséesalat. Hups, dachte ich. „Friséesalat wird beim Kochen ganz weich und schmeckt nicht mehr so bitter“, beruhigte mich die Autorin, aber Rucola wäre auch prima. Das Gericht ist sehr schnell gemacht, wird mit griechischem Joghurt und etwas Olivenöl serviert – und ist sehr, sehr köstlich.

Bei den Saigon-Crêpes war es dann um mich geschehen. Nicht nur, weil der Name so sensationell klingt, sie sind der Knaller, zubereitet aus coconut cream, Reismehl, Kurkuma und Frühlingszwiebeln. Sie eignen sich besonders, um gebratene Fleischreste weiterzuverwenden. Unglaublich.

Diana Henry:

„In diesem Buch geht es um einen verantwortungsvollen Umgang mit Nahrung. Aber ich will hier nicht predigen. Ich bin Kochbuchautorin. Mein Job ist es, Ihnen Vergnügen zu bereiten.“

Ein Teil des Zaubers liegt in den Fotos von Jonathan Lovekin. Er ist der Zauberkünstler vieler toller Bücher zur Zeit: Die Kochbücher von Ottolenghi, Nigel Slater, Simon Hopkinson bebilderte er. Direkt, klar und natürlich blicken die Gerichte in die Welt. Das alles im eleganten, entspannten Nachmittagslicht. So möchte ich mein Essen erleben und so ist es dann auch. Hätte er doch alle Rezepte von Diana Henry fotografiert. Seine Fotos bringen meine Fantasie fast zum Stocken.

Vom Guten so viel war in England vor einem Jahrzehnt ein Bestseller. Verdient. Aber seine Qualität hat das Buch seitdem nicht verloren. Denn Diana Henry hat darin konzeptionell auf Themen vorgegriffen, die heute aktueller denn je sind. Ihre Rezepte sind dabei von solch zeitloser Qualität, dass für mich das Kochbuch ein Klassiker geworden ist.

Veröffentlicht im April 2022

2 Kommentare

  1. Ulla

    Liebe Katharina, das war klar, dass dieses fantastische Buch von dir rezensiert werden musste 😀 Es begleitet mich wie zahlreiche andere Bücher der Autorin – keines was nicht fabelhaft wäre – auch schon seit Jahren. Zahllos die Autoren, auf die ich dank dieses hervorragenden Blogs schon gestoßen bin. Einiges gibt es nur auf Englisch, weshalb ich dem kindle gerne den Vorzug gebe, der Übersetzung wegen und auch aufgrund der zum Teil erstaunlich niedrigen Preise, gerade auch bei Büchern von Diana Henry. Schnell liest man sich auch in fremdsprachige Bücher ein, wenn man gute sprachliche Grundkenntnisse hat. Meine ausufernde Sammelleidenschaft ist zweifelsohne durch deinen Blog entfacht worden – danke auch an alle Rezensenten. Ganz großes Kino! Liebe Grüße, Ulla

    • Katharina

      Liebe Ulla, habe herzlichsten Dank für Deine Zeilen. Deine Wertschätzung freut mich und alle Valentinen außerordentlich. Merci auch für den Kindl-Tipp. Was ich in der Rezension nicht schrieb: Ich vermisse eine Stimme wie Henry auf dem deutschen Buchmarkt – auch in den Tageszeitungen. Henry schreibt schon lange für The Telegraph. Es wirklich schade, dass hierzulande der Kulturbegriff sich nicht auf das Kulinarische bezieht. Aber vielleicht ändert sich das irgendwann? Beste Grüße, Katharina

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