Kochbuch von Diana Henry: Food from Plenty

Kochbuch von Diana Henry: Food from Plenty ★★★★★

Food from Plenty –
Good Food made from the plentiful, the seasonal and the leftovers
Diana Henry, Jonathan Lovekin, Mitchell Beazley (2010)

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Es gibt ein paar Dinge, die waren früher besser. Inzwischen grinsen uns TV-Moderatoren von Kochbuchcovern an, obwohl sie kein einziges Rezept darin verfasst haben. Und es gibt Buchkonzepte, die von Menüs verlangen, dass sie in 30 Minuten zuzubereiten sind, egal ob sie schmecken oder es tatsächlich klappt. Verkaufen tut sich das. Diana Henrys Food from Plenty ist so gesehen altmodisch. Hier schreibt jemand mit Erfahrung, Sorgfalt und viel Gefühl für ihre Leser.

Die britische Autorin hat uns einmal tief in die Augen geschaut und den roten Faden für ihr Buch gefunden: Wir wollen saisonal kochen, Bewährtes fortsetzen und Neues in Maßen entdecken. Und Überbleibsel wollen wir nicht in den Müll schmeißen.

Ihre Rezepte könnten dabei nicht zeitgemäßer sein. Was sie uns auf die Teller zaubern lässt, ist weltläufig doch bodenständig, raffiniert und einfach. (Und preiswert, wenn die Gewürze schon da sind.) Sie bediente sich in allen Küchen dieser Welt und wählte Gerichte, die zuhause gekocht werden. Verfeinert mit Frische, aromatischen Kontrasten und Texturen. Sehr balanciert, nie zuviel, aber immer genug.

Ein Blick hinein. Das Kochbuch startet mit dem Sonntag. Es gibt Braten: The roast and „les restes“. Es folgen Vegetable love, Racing pulses (Hülsenfrüchte), Good grains, Where the wild things are (Von Fasan über Holunderblüten – alles, was die Natur frei anbietet. Auch wenn es einen Jagdschein erfordert.) u.v.m. Die Einführungen lohnen sich zu lesen. Sie folgen der Küchenweisheit: Das Kochen fängt beim Einkauf an. Beim Fisch listet sie die Arten, welche nicht gekauft werden sollte, gibt Hinweise zu Fischfarmen. Beim Reis stellt sie Klassiker mit ihrer Zubereitung vor: Pilaf, Spanish rice dishes, Risotto und Leftover rice. Sehr gelungen ist, dass kein Rezept sich über mehr als eine Seite erstreckt. War noch Platz, so finden sich Variationen unter der Überschrift „Also try“ und Tipps für die Überbleibsel „Leftovers“.

In meiner Küche kam Ostern das erste Gericht aus Food from Plenty auf den Tisch. Indian beef with pies. Wir waren angetan, sehr gut gewürzt. Die Rezeptbeschreibung führte gut und gab mir Tipps, was dazu gereicht werden kann. Das nächste Rezept Greek potatoes eroberte mein Herz. Zu den Kartoffeln gesellten sich Lauch, Spinat, Minze, Zitronesaft, Dill, Knoblauch und „Curly Endives“ , krauser Endiviensalat. Hups, dachte ich. „Curly endives cooks to softness and the bitterness is pacified.“, beruhigte mich die Autorin, aber Rukola wäre auch prima. Das Gericht ist sehr schnell gemacht, wird mit griechischem Joghurt und etwas Olivenöl serviert – und ist sehr, sehr köstlich. Bei den Saigon Crepes war es dann um mich geschehen. Nicht nur, weil der Name so sensationell klingt, sie sind der Knaller, zubereitet aus Coconut cream, Reismehl, Kurkuma und Frühlingszwiebeln. Sie eignen sich besonders, um gebratene Fleischreste weiterzuverwenden. Unglaublich.

Ein Teil des Zaubers liegt in den Fotos von Jonathan Lovekin. Er ist der Zauberkünstler vieler toller Bücher zur Zeit: Die Kochbücher von Ottolenghi, Nigel Slater, Simon Hopkinson bebilderte er. Direkt, klar und natürlich blicken sie in die Welt. Das alles im eleganten, entspannten Nachmittagslicht. So möchte ich mein Essen erleben und so ist es dann auch. Hätte er doch alle Rezepte von Diana Henry fotografiert. Seine Fotos bringen meine Phantasie fast zum Stocken.

Food from Plenty ist in England ein Bestseller. Das ist gelungen, obwohl das Cover erst beim zweiten Blick funktioniert. Die karamellisierenden Birnen und Äpfel fangen dann an zu duften, die goldene Schrift auf Schwarz wirkt kostbar. Altmodisches Understatement in Zeiten, in denen manche Affentänze für die Zuschauer aufführen. Diana Henry und der Verlag haben sich für ein Kochbuch-Unikat entschieden. Das spricht sich rum. Wer immer den Sprung in ein englischsprachiges Kochbuch wagen will, hier ist das richtige Buch.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2011

14 Kommentare

  1. Ulla

    Eines der zahlreichen Bücher, auf das ich begehrliche Blicke geworfen habe.
    Oder sollte ich lieber sagen hatte – jetzt als Kindle erschienen und sofort zugeschlagen., toll!
    So habe ich es immer bei mir inclusive Übersetzung und die flüggen Kinder erfreut es auch.
    Danke für die schöne Rezension :))

    • Katharina

      Gerne!!! Immer noch eines meiner liebsten Kochbücher. Hast Du schon im neuen gestöbert? Wieder formidable ….

  2. Susanne

    Sag mal. ist dann die Ausgabe mit dieser ISBN 1845335732 die amerikanische Ausgabe? Ich bin verweirrt, weil es derselbe Verlag ist!?

    • Katharina

      Ups. In der Tat, sehr verwirrend. Ja, das schätze ich auch. Denn der UK-Verlag listet die Ausgabe mit dem anderen Cover nicht.

  3. Katja

    Nach langem Zögern hab ich das Buch nun doch bestellt. man kauft ja doch ein bisschen die “Katze im Sack”, wenn man es nicht mal vorher im Laden durchblättern kann… und was soll ich sagen, ich bin BEGEISTERT! Ein wirklich toller Tipp. Danke dafür!!

  4. Uwe

    Sehr schöne Rezension. Macht mich wirklich neuigierig auf das Buch!

  5. Julia

    Liebe Katharina,
    die Rezension ist so überzeugend, kurzweilig und liebevoll geschrieben, dass heute mein Exemplar in der Post war (recht günstig bei ebay uk bestellt). Ohne ein Rezept gekocht zu haben, bin ich von der Vielseitigkeit und der Auswahl der Zutaten begeistert und freue mich auf die nächsten Gelegenheiten und Gäste zum Ausprobieren. Vielen Dank!!!

  6. Daniela

    Ich glaub das Buch muss ich mir besorgen. Nein, ich weiß es. 🙂 Die Saigon Crepes klingen sehr spannend.

  7. Katja

    Liebe Katharina
    eine Rezension, die mir sofort das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt – danke! Eine Frage: Sind die Mengenangaben durchgehend auch metrisch angegeben, so wie in den übernommenen Rezepten? Von Umrechnerei bin ich nämlich überhaupt kein Fan…
    Grüße
    Katja

    • Katharina

      Freut mich!! Ja, alles so wie bei den hier veröffentlichten Rezepten – keine elende Umrechnerei nötig. Viel Vergnügen! Herzlichst Katharina

  8. nini laux

    Die Tarte ist toll und ich bin gespannt auf das Buch. Das muss her!

  9. Patricia

    Deine beste Rezension!! Gratulation und danke dafür!
    Gleich werde ich eine der Köstlichkeiten für einen gebührenden Anlass ausprobieren: eine Hochzeit.

  10. Sarah

    sehr schon, Katharina…Das Buch muss ich denn wohl haben?

    • Katharina

      Danke, Sarah. Ja, wenn Dich die Kochbuch-Lust überkommt und noch Platz im Regal ist, dann greif zu dem. Es ist richtig toll.

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