Kochbuch von Diana Henry: Change your appetite

Kochbuch von Diana Henry: Change your appetite ★★★★★

Change your appetite –
Besser essen, besser fühlen
Diana Henry
Fotos: Laura Edwards
Ars Vivendi Verlag (2019)

Ulrike Thyll

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Meine große Leidenschaft sind Streifzüge durch die Kochbuchabteilungen der Buchläden. Und da fiel mir das Neue von Diana Henry direkt als bemerkenswert ins Auge. Wonach suche ich eigentlich noch nach jahrzehntelanger Kochbuch-Sammelleidenschaft und Hunderten von Kochbüchern im Regal? Tatsächlich immer das Gleiche: das Kochbuch für unsere Jetztzeit mit Ausblick auf morgen. Eins, das die Mainstream-Trends hinter sich lässt und schon längst wieder zu neuen Ufern aufbricht.

Diana Henrys Buch verspricht schon bei flüchtigem Durchblättern genau das. Erstaunlich, denn das englische Original ist bereits vor 5 Jahren erschienen. Henry will gesund essen, hält aber nichts von einseitigen Trends und schon gar nichts von Verzicht. Essen soll vor allem schmecken. Das hört sich gut an, aber geht das zusammen?

Gesund essen ohne Selbstkasteiung

Schon als Person ist die Autorin (Foto links) eine Garantin für Qualität, denn sie hat zahlreiche Kochbücher veröffentlicht, von denen auch viele auf Valentinas positiv besprochen wurden, hat für ihre Bücher renommierte Preise gewonnen, schreibt in Großbritannien Rezeptkolumnen, macht Radiosendungen, kurz, ist seit vielen Jahren eine Größe in der britischen Kochbuch- und Rezeptszene.

Vielleicht hat sie als in London lebende Nordirin aber auch einen besonders günstigen Beobachtungsposten auf das Kochgeschehen in der Welt vom äußeren nordwestlichen Rand Europas aus, der ihr eine eigene Perspektive verleiht, gepaart mit jener Weltläufigkeit, die viele Briten auszeichnet. So ist es für sie selbstverständlich, sich an den aromastarken Küchen und den Traditionen des Nahen Ostens, Japans, Thailands und Vietnams zu orientieren. Aus persönlichen Gründen entschied sie sich, gesünder zu essen und abzunehmen. Doch Selbstkasteiung lehnt sie ab – sie will das Leben und Essen genießen. Das unterscheidet sie von vielen Ratgebern, die vor allem zum Verzicht raten.

Verzichten will sie fast vollständig auf industriell verarbeitete Lebensmittel und raffinierten Zucker stark einschränken. Da bin ich ganz bei ihr. Fette, Kohlehydrate und Kalorien betrachtet sie differenziert und nutzt dabei die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft, vor allem solche, die plausibel erscheinen und den gesunden Menschenverstand bedienen. Für mich eine frohe Botschaft, denn ich erinnere mich noch zu gut an die Vollwertwelle, die auch mich ergriff und lustlos und definitiv ohne Genuss auf ziemlich harten Körnern kauen ließ.

Ernährungsforschung, Vorlieben & Abenteuer der Autorin

Diana Henry kann überzeugen und mitreißen, sie bringt Kopf und Herz beim Kochen zum Einsatz. Was weiß die Wissenschaft über das Abnehmen und die Einflüsse von Nährstoffen auf den menschlichen Körper? Was macht japanische Küche so sensationell gut? Warum sind Farben der Gemüse so günstig für die Gesundheit, welche großartigen Getreidesorten könnte man mal probieren? Das liest sich alles schnell und leicht und kann durchaus lehrreich sein, denn man kann Vieles essen, ohne zuzunehmen oder Einbußen für die Gesundheit hinnehmen zu müssen, wenn man sich auskennt. Aber eigentlich braucht man nur die Rezepte nachzukochen, die all dieses Wissen direkt in köstliche Gerichte umsetzen. Denn hier illustriert Diana Henry, wie viele leckere gesunde Genüsse es gibt.

Die Qual der Wahl – und erst die Desserts …

Was kochen aus dieser Fülle von hinreißend bebilderten Rezepten? Selten habe mich so schwer getan bei der Auswahl. Viele Gewürze und Kräuter kommen zum Einsatz, was sowieso schon mal reizvoll ist, aber eben oft in Kombination mit Produkten, die man normalerweise damit nicht verbindet. Schließlich haben wir ein Fisch-, ein Fleisch, drei vegetarische Rezepte und drei Desserts probiert. Desserts, obwohl man doch Zucker sparen soll? Jeder Leser wird seine eigenen Favoriten in dieser Fülle finden, aber wir sind total auf die Desserts abgefahren, die unter den vielen hervorragenden Rezepten noch einmal eine eigene Liga bilden. Dabei sind sie eher einfach, sowohl bezüglich der oft nur wenigen Zutaten als auch der unkomplizierten Herstellung. Ja, Zucker kommt hier auch zum Einsatz, denn Genuss ganz ohne, das wird schwierig.

Zum Weiterlesen

Website der Autorin

Mehr von Diana Henry bei Valentinas

Noch nie habe ich Rhabarber so köstlich gefunden, obwohl ich ihn immer schon gerne mochte. Die Espresso-Granita war ein wunderbar leichter Abschluss unseres Osterschmauses. Das Blutorangen-Kardamom-Sorbet eine geschmackliche Offenbarung. Auch die Umsetzung der drei vegetarischen Rezepte ging flott von der Hand mit lecker-leichten und farblich attraktiven Ergebnissen. Zeitlich deutlich aufwendiger waren hingegen das Fisch- und das Fleischrezept wegen umfangreicher Würfelarbeiten am Gemüse. Aber auch hier waren die Resultate geschmacklich und optisch aller Mühen wert.

In den Feinheiten waren die nachgekochten Gerichte jenseits der Desserts nicht immer stimmig. Einige Mengen waren unausgewogen. Den Gemüsesalat fand ich zu trocken, da hätte ich mir doppelt so viel Dressing gewünscht. Das Relish zum Fisch erfreute uns noch tagelang anschließend, passt aber auch prima etwa zu Eiern. Die Garzeiten sind mit Vorsicht zu genießen, beim Fisch stimmten sie überhaupt nicht. Das passiert zwar öfter bei Rezepten, aber hier war die Abweichung doch groß. Es ist kein größeres Malheur, wenn man routinemäßig Garproben macht.

Der erste Eindruck im Buchladen hat nicht getäuscht: Dies ist ein bemerkenswertes und sehr lohnendes Kochbuch für alle, die gesund kochen und anschließend lustvoll schlemmen möchten. Liest man die eingestreuten Infoseiten, weiß man auch, warum die Gerichte gesund sind und so gut schmecken. Die Idee von Verzicht kommt gar nicht erst auf, wenn eine solche Breite an reizvollen Komponenten vorgestellt und kombiniert wird. Insgesamt sind die entstehenden Aromen so stark und wohlschmeckend, dass die Kocharbeit mit großem Genuss honoriert wird. Die kleinen Einschränkungen in der Präzision der Anleitungen hätten mich bei weniger innovativen Rezepten deutlich mehr geärgert. So gucken wir zwar bei den Garzeiten zweimal hin, aber das wird uns nicht abhalten, zahlreiche weitere Rezepte mit großem Vergnügen umzusetzen, wenn die Jahreszeit passt und die Gartenfrüchte reif sind.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2019

5 Kommentare

  1. Elisabeth

    ach ja – die Kochbücher von Diana Henry sind allesamt wirklich gut!

    • Katharina

      Ja, ich liebe sie auch. Sie gehört für mich zu den besten Autorinnen.

  2. Maria

    Klingt alles sehr interessant – eine Frage möchte ich jedoch in die Runde werfen: wer traut sich noch, Essen in Alufolie zu kochen? Ich nicht, jedenfalls. Gruß, Maria

    • Katharina

      Ui. Wird das mittlerweile gesundheitlich bedenklich eingestuft oder aus Gründen der Nachhaltigkeit?

    • Elisabeth

      Ich benutze Alufolie immer noch …. aber wenn man das nicht möchte, dann einfach durch Backpapier ersetzen, geht wunderbar!

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