Kochbuch von Diana Henry: Aus dem Ofen

Kochbuch von Diana Henry: Aus dem Ofen ★★★★☆

Aus dem Ofen – Einfache
Gerichte schnell zubereitet
Diana Henry
Fotos: Laura Edwards
Ars Vivendi Verlag (2019)

Sabine Cikic

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Diana Henry hat uns bei Valentinas bereits mit einigen Werken begeistern können. Jedes ihrer neuen Bücher wird mit Spannung erwartet. Dieses habe sie für den Moment verfasst, wenn man am liebsten etwas „Schnell mal in den Ofen schieben“ möchte.

Der Ofen sei für sie das Zentrum der Küche, ja des Hauses, und nichts mache ihr mehr Freude, als mit ihm zu kochen. In der Tat ist nichts schöner in der kühleren Jahreszeit, als sich an dem Backofen zu wärmen, in dem Köstliches gart, denn das bringt einen dank Vorfreude doppelt zum Glühen. Allerdings schließen sich „Ofen“ und die Eigenschaft „schnell“ tendenziell aus. Ich bin gespannt, welchen Dreh La Henry finden wird.

Einen gut gefüllten Vorratsschrank setzt sie zwar voraus, aber wer nicht gleich das ganze Buch nachkochen möchte, hat nichts zu befürchten, stelle ich fest. Allerdings übliche Kochutensilien wie Backbleche, Bratreinen und Gratinformen sollten vorhanden sein bzw. es gibt eine Basisausstattung zum Improvisieren. (Die Autorin verrät übrigens, auf welche Firmen und Größen sie bereits seit vielen Jahren setzt …)

Da stolpert das Kopfkino

Das Inhaltsverzeichnis überrascht dann mit ungewöhnlichen Kapiteln: Es gibt „Einfache Gerichte – Würstchen, Koteletts, Fischfilets & ähnliche Speisen“; „Meine Lieblingszutat – Hähnchenschenkel bis in alle Ewigkeit“; „Von Spargel bis Aubergine – Frühjahrs- und Sommergemüse“; „Rote Bete & Bittersalat – Herbst- und Wintergemüse“; „Weich garen – Getreide & Hülsenfrüchte“; „Wochenende, Feiertage & besondere Anlässe – Braten, Geflügel & ganze Fische“ sowie „Etwas Süßes – Desserts & Kuchen“.

Gleich das erste Rezept ist ein echter Hingucker: auf sehr dunklem Grund eine schwarze Pfanne mit gebratenen Würsten, Äpfeln, Zwiebeln und – ja – Brombeeren. Mmmh, das sieht richtig fein, aber auch rustikal aus. Ein Gericht, das man nach einem langen Herbstspaziergang gerne zubereiten möchte. Ein Rezept weiter: frühlingshafte Leichtigkeit mit weißem Teller auf weiß bestickter Tischdecke, zu sehen ein saftig-zartes Lachsfilet mit grünen Bohnen und Cornichons-Senf-Bröseln. Ich vergucke mich sofort in die Rezepte, rätsele aber der saisonalen und aromatischen Folge der Rezepte wegen. Das Kopfkino gerät auf diese Weise auch später immer wieder ins Stocken, aber fündig werden ist nicht schwer.

Kochbuch von Diana Henry: Aus dem Ofen

Mir gefällt, dass Diana Henry zu jedem Rezept ausführliche Einleitungen schreibt, sodass man eine recht gute Vorstellung davon bekommt, was einen erwartet: Ist das Gericht eher eine Hauptspeise oder Beilage, welche Variationen sind denkbar, welche Ergänzungen usw. Sie ist eine umsichtige Autorin.

Henry-Momente

Das erste ausprobierte Rezept, ein mit indischen Gewürzen verfeinertes Ofengemüse, das mit Limetten-Koriander-Butter, Naturjoghurt, Chutney und Naan serviert wird, ist eine köstliche vegetarische Komposition, die wir auch an einem Wochentag leicht auf den Tisch gezaubert haben. Noch besser gefallen haben uns der süße Auflauf mit Kokosraspeln, viel Limette und Passionsfrucht sowie die Ofensüßkartoffeln mit ihrem üppigen Topping aus Avocado, Feta und einer frischen Chimichurri. Das sind echte Henry-Momente. Die Autorin weiß sich stil- und würzsicher bei Länderküchen zu bedienen und vergisst nie, den Rezepten eine kreative Modernität zu verleihen mit Frische und aromatischen Kontrasten. Und tatsächlich dauert es nie allzu lange, bis man alles im Ofen hat und sich ggf. schon um Toppings oder Beilagen kümmern kann.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website von Diana Henry

Mehr von Diana Henry bei Valentinas

Aber manchmal wurde das Kriterium Ofen auch erzwungen, so schien mir. Wie bei dem Milchreis, der zunächst im Topf aufgekocht, dann aber in eine Auflaufform gefüllt und für 2 Stunden in den Ofen gegeben wird. Man hätte ihn sicher schneller auch im Topf zu Ende garen können und sich zudem das mühsame Spülen der Auflaufform gespart. Geschmeckt hat er aber, im Gegensatz zum Rosenkohl-Gericht, bei dem der Rosenkohl für unsere Geschmacksknospen in jedem Fall zu „raw“ war. Eine neue Mode?

Festzuhalten ist auch: Die Britin liebt einfach Fleisch. Wer Vegetarier ist, wird mit diesem Buch nicht glücklich. Für uns als gelegentliche Fleischesser hat Diana Henry einiges im Angebot, das sich für besondere Gelegenheiten eignet. Und gerade der Ofen ist die erste Wahl für die so genannten Second Cuts.

In „Aus dem Ofen“ hat Diana Henry vielfältige Rezepte versammelt, die sich ohne allzu großen Aufwand im Ofen bewerkstelligen lassen, getreu ihrem Motto: „Schnell mal in den Ofen schieben“. Spannend ist, wie sie verschiedene Länderküchen kreativ durchquert, den Ofengerichten einen modernen und frischen Dreh verleiht und dabei auf dem Erdboden bleibt. Die Kapitelstruktur ruckelte bei mir im Alltag, denn hier hat sie dem Charme und nicht der Saison Vortritt gelassen, aber dafür punkteten die Gerichte später am Tisch in der Mehrzahl.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2020

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